Wassernotstand? Eigentlich sind die Wasserbehälter groß genug...
Wassernotstand? Eigentlich sind die Wasserbehälter groß genug...

Trockenheit und Hitze

Wassernotstand in Kommunen ausgebrochen - was tun?

In NRW musste schon ein erstes Freibad schließen, in einem Stadtteil von Lauenau, einer 4000 Einwohner Gemeinde in Niedersachsen, wurde der Wassernotstand ausgerufen. Auch anderswo sind Bürger zum Wassersparen aufgerufen. Doch ist wirklich die Trockenheit schuld, dass in einigen Kommunen das Wasser nicht fließt? Und was können Städte und Gemeinden tun? Ein Überblick.

In Lauenau zeigte sich der Wassernotstand am Wochenende ganz praktisch: Die Bevölkerung in der Samtgemeinde Rodenberg wurde mit Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Die Feuerwehr fuhr mit 150 Leuten Wasser in die betroffenen Stadtteile. Der Hintergrund: Was Rohrnetz drohte zusammenzubrechen. Grund war aber nicht, dass zu wenig Wasser dagewesen wäre. Der Wasserverbrauch ist einfach massiv angestiegen, erklärt Bürgermeister  Hudalla. 

Wassernotstand hat auch mit Corona zu tun 

Dass der Wasserverbrauch massiv angestiegen ist, meldeten in den vergangenen Tagen zahlreiche Kommunen beziehungsweise Wasserwerke. Und das hat auch etwas mit den Folgen der Corona-Pandemie zu tun. Allen voran sind in diesem Sommer viele Menschen eben nicht, wie sonst, verreist, sondern verbringen den Urlaub daheim. Und das führt dazu, dass es sich die Menschen zu Hause eben auch gemütlicher machen. So melden etwa Schwimmbadfirmen massiv gestiegene Verkäufe von Pools. Und die brauchen Wasser, viel Wasser. Schon ein kleiner Pool zieht zwischen 10.000 und 15.000 Litern Wasser. Hinzu kommt, dass die Menschen daheim mehr Blumen gießen, Rasen und Gemüse bewässern und nicht zuletzt häufiger duschen. 

Und so melden zahlreiche Kommunen in den vergangenen Tagen leergelaufene Trinkwasserspeicher. In Hessen etwa in Nieder-Beerbach, einem Ort mit 2000 Einwohnern, der zur Gemeinde Mühltal gehört. Und auch beim Blick auf andere Kommunen fällt auf, dass häufig kleine Ort betroffen sind. 

Wassernotstand ist im ländlichen Raum häufiger 

Das hängt natürlich massiv mit der dezentralen Wasserversorgung in Deutschland zusammen. Die Quellschüttung der Anlage in Lauenau etwa schafft 25 Kubikmeter Wasser in der Stunde zu pumpen. An normalen Tagen völlig ausreichend für die Zahl der Einwohner. An diesem heißen Wochenende wurden aber 30 Kubikmeter in der Stunde verbraucht - ein absoluter Spitzenwert, der sonst niemals erreicht wurde. Und der auch die Wasserversorgung massiv teurer machen würde, wenn die Anlage entsprechend aufgerüstet würde. 

Experten fordern wegen Wassernotstand Umdenken im Gewässermanagement 

Experten fordern trotzdem ein grundsätzliches Umdenken bei der Wasserversorgung. Konkret geht es um ein anderes Gewässermanagement vor allem von Seen und Flüssen. Bisher wird meist versucht, das Wasser möglichst schnell aus den Bodenflächen herauszubringen. Es müsse nun stärker darum gehen, Wasser in der Landschaft zu halten und Fließgewässern mehr Raum zu geben. Das zumindest fordert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Fachzeitschrift Nature hatte vor einem Jahr eine Stunde veröffentlicht, wonach nur noch wenige Flüsse ihren natürlichen Läufen folgen - konkret sollen es 37 Prozent sein. Allerdings gilt diese Zahl für die Flüsse weltweit. Zahlen für Deutschland lieferte die Studie nicht. Das Problem: Die Begradigung von Wasserläufen führt dazu, dass die Fließgeschwindigkeit erhöht werden. Entsprechend versickert weniger Wasser im Boden. 

Infrastruktur muss auf Vordermann gebracht werden 

Experten sagen: Ohne Wasserspeicher oder andere Möglichkeiten zur Speicherhaltung wird es in einigen Orten künftig nicht mehr gehen. Mit solchen technischen Möglichkeiten können Kommunen für Extremfälle eine Art "Wasserpuffer" anlegen. Sie kritisieren, dass die Wasserversorgung der vergangenen Jahrzehnte zu sehr auf eine "Just in Time" Produktion ausgelegt war. Es würden aus Kostengründen zu wenig Vorräte angelegt.

Die Stadt Löhne in NRW, eine immerhin 40.000 Einwohner Kommune, zeigt das aktuell gut auf. Auch sie waren in den vergangenen Jahren Mehrfach von Trinkwasserknappheit bei Hitzewellen betroffen. Aktuell entsteht nun ein neuer Hochbehälter. Er soll die Speicherkapazität verdoppeln. Die Kosten allerdings sind enorm: 3,6 Millionen Euro kostet der sogenannte Brillenbehälter mit einem Volumen von insgesamt 10.000 Kubikmetern (10 Mio Liter Wasser). Aktuell haben die Einwohner von Löhne davon leider noch nichts, der Speicher ist noch im Bau, am vergangenen Wochenende wurde die Bürger daher wieder zum Wassersparen aufgerufen. 

Einen Wassernotstand gibt es aber eigentlich nicht 

Trotz der aktuellen Hitzewelle weisen Experten aber auch immer wieder darauf hin, dass Wasser nicht so schnell knapp wird, wie man vielleicht meinen mag. Grundsätzlich sei Wasser im Überfluss vorhanden, heißt es unisono aus den Wasserwerken. Zumal die öffentliche Wasserversorgung nur rund drei Prozent der vorhandenen Wasserressourcen beansprucht. 

Oftmals gibt es aber ein hydraulisches Problem. Bei der letzten Hitzewelle war etwa ein Ortsteil von Stade vom Wassernotstand betroffen. Damals erklärte der Geschäftsführer des zuständigen Wasserverbandes im KOMMUNAL-Interview: "Gerade in ländlichen Regionen ziehen die Wasserleitungen sich über längere Strecken. Wenn nun viele Menschen gleichzeitig das Wasser anstellen - etwa zum Sprengen am Abend - dann sinkt die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Das Ergebnis kann im Extremfall sein, dass aus dem Wasserhahn eben nur noch tröpfchenweise was herauskommt". 

Kurzum: Die Wasserknappheit herrscht meist am Ende der Leitung, nicht beim Grundwasser. 

Wassersparen kann auch kontraproduktiv sein 

Die Wasserverbände haben - so das Wasser nicht gerade extrem knapp ist - aber auch kein Interesse an allzu sparsamen Verbrauchern. Denn das gut funktionierende Abwassersystem kann so gefährdet werden. Kommt nämlich zu wenig Wasser in der Kanalisation an, trocknet diese aus, das Wasser fließt langsamer. Das führt dazu, dass immer häufiger Stadtwerke ihre Kanäle mit Trinkwasser durchspülen müssen. Also künstlich Wasser verbrauchen. Unterm Strich oftmals aber mehr, als vorher gespart wurde. 

Wie können Kommunen den Wassernotstand durchsetzen? Sind Bußgelder erlaubt?

Ja, es gibt Kommunen, die bereits in ihren Satzungen entsprechende Bußgelder verhängt haben. In Einelfällen reichen die bis zu 5000 Euro Strafe. Doch der Rechtsrahmen dafür ist eng. Denn Wasser ist bekanntlich ein Menschenrecht. Nicht umsonst bleiben Wasserwerke immer wieder auf nicht bezahlten Rechnungen von Verbrauchern sitzen, wenn diese die Wasserrechnung nicht zahlen können. Abgestellt werden darf das Wasser auch in solchen Fällen nicht. 

Aber es gibt Ausnahmen: In absoluten Ausnahmefällen, wie aktuell etwa in Lauenau, haben Kommunen die Möglichkeit, die Verbote auch mit Bußgeldern durchzusetzen. Geregelt ist das in den Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV). Diese besagt, vereinfacht gesagt, dass in Ausnahmefällen die Wassernutzung eingeschränkt werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass damit weitere Trinkwasserengpässe verhindert werden! 

Das Problem für Kommunen beziehungsweise die Wasserversorger ist aber, dass sie dies nachweisen müssen. Also aufzeigen müssen, dass ihre Einschränkung tatsächlich verhindert, dass es zu weiteren Trinkwasserengpässen kommt. Hat die Kommune den Beweis im. Vorfeld nicht angetreten, steht ein Verbot und somit auch Bußgelder rechtlich auf wackeligen Füssen.