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Der Weihnachtsmann ist nicht nur in Himmmelpfort ein Segen für die Kommune

Weihnachtsmann kurbelt Tourismus an

Ist denn heut schon Weihnachten? Also mindestens schon mal in Himmelpfort, einem kleinen Ortsteil von Fürstenberg an der Havel im Norden Brandenburgs. Und in sechs weiteren Kommunen ebenfalls. Sie haben Namen wie St. Nikolaus oder Engelskirchen. Ein Besuch in Kommunen, die ganz auf Weihnachten eingestellt sind!

Was ist los, wenn in einem Ort mit rund 470 Einwohnern zeitgleich Kameras von ARD, ZDF, RTL, WELT, n-tv und Co. aufgestellt werden und die Zahl der Journalisten vor Ort fast die Zahl der Einwohner des Dorfes erreicht? Richtig, es ist Vorweihnachtszeit! Zumindest in Himmelpfort, einem kleinen staatlich anerkannten Erholungsort im Landkreis Oberhavel, nördlich von Berlin. Himmelpfort gehört zur Stadt Fürstenberg, ein Ort, der stark auf Tourismus setzt. Schon seit dem 19. Jahrhundert lebt die Stadt mit seinen kleinen Seen und der guten Verkehrsanbindung Richtung Mecklenburgische Seenplatte stark vom Tourismus. 

 

So wurde aus Himmelpfort das Weihnachtspostamt 

 

Die Geschichte begann im Jahr 1984. Damals schrieben - noch zu DDR-Zeiten - zwei Kinder aus Berlin und Sachsen an den Weihnachtsmann nach Himmelpfort. Die Mitarbeiterin der Post wollte die Briefe nicht einfach mit dem Vermerk "Empfänger unbekannt" zurückschicken. Also beantwortete sie die Briefe selbst. Die beiden Kinder müssen ihren Freunden wohl von der Antwort erzählt haben - nur so ist zu erklären, dass im darauffolgenden Jahr gleich 75 Briefe für den Weihnachtsmann ankamen. 

Mit dem Zusammenbruch der DDR nahm die Zahl der Briefe dann ab 1990 sprunghaft zu. In der Adventszeit kommen seither im Postamt in Himmelpfort bis zu 2000 Briefe am Tag an. Seit 1995 organisiert die Deutsche Post in der Weihnachtszeit Helfer, die die Briefe beantworten. 20 Helfer sind es in diesem Jahr ab Öffnung des Weihnachtspostamtes in Himmelpfort (in diesem Jahr am 14. November). 

 

Weihnachtsbriefe - ein Glücksfall für die Kommune 

 

Gerade für Fürstenberg ist der Ortsteil Himmelpfort ein Glücksfall. Denn so wurde der Ortsteil bundesweit bekannt. Ihr Bürgermeister Robert Philipp nennt den Weihnachtsmann in der Gemeinde schlicht "cool". Der Himmelpforter Ortsvorsteher Lothar Kliesch schwärmt "Die Gäste des Ortes treffen auf freundliche Einwohner und sehen, dass hier die Post abgeht". Und das ist noch sehr vorsichtig ausgedrückt. Jüngster Neuzugang in Himmelpfort ist ein Unternehmen, das mehr als eine halbe Million in den Um- und Ausbau des alten Konsums im Ort investierte. Nicht ohne weihnachtlichen Hintergedanken. In dem Gebäude gibt es seit diesem Jahr eine Chocolaterie und einen Spirituosenhandel mit Himmelpforter Köstlichkeiten. Nach dem Motto: Was passt besser zu Weihnachten, als Schokolade, die direkt in der "Heimat" des Weihnachtsmanns produziert wird. 

Und auch sonst findet sich in dem Ort an praktisch jeder Ecke Weihnachten auf die eine oder andere Weise. Der örtliche Konditor Matthias Paul etwa sagt: "Die Menschen kommen mit leuchtenden Augen hier her und erwarten Weihnachtliches". So ist auch seine Backstube zum Weihnachtshaus geworden. Im Ort gibt es natürlich Weihnachtsmärkte für die Besucher, Wichtelwanderungen, ein Kripenspiel mit vielen echten Tieren und zahlreiche andere Attraktionen. "Den Zauber bedienen und zugleich die Wirtschaft ankurbeln", erklärte Paul die Idee vor einiger Zeit in einem Zeitungsinterview vor Ort. Und auch Ortsvorsteher Kliesch sprach vor einiger Zeit im Tagesspiegel davon, dass Himmelpfort halt "für zwei Monate im Jahr Weihnachtsort" sei. Davon könne die gesamte Region profitieren, immerhin kämen allein an den Adventswochenenden rund 20.000 Besucher nach Himmelpfort. Wohl auch ein Verdienst des Ortsvorstehers selbst, der viele Jahre einen Tourismusverband in Brandenburg geführt hat. 

Himmelpfort in Zahlen: 470 Einwohner, 80.000 Übernachtungen, bis zu 180.000 Tagesgäste. Ortsvorsteher Kliesch sieht damit aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht:

Da könnte sich die ganze Region dranhängen und Erlebnisse entlang der Hin- oder Rückfahrtstrecke kreieren. Es wird noch viel Potential verschenkt" 

 

Lothar Kliesch, Ortsvorsteher von Himmelpfort

 

Auch andere Kommunen setzen auf das Weihnachtsgeschäft 

 

Andere Orte haben das Geschäft mit dem Weihnachtsmann schon deutlich früher erkannt. So etwa die Gemeinde Nikolausdorf mit ihren 1100 Einwohnern im Landkreis Cloppenburg. Schon seit 1965 beantworten dort alljährlich Einwohner des Dorfes Briefe an den heiligen St. Nikolaus. Inzwischen sind es 7500 Briefe im Jahr und auch hier hat daher inzwischen die Deutsche Post ein offizielles Postamt eingerichtet. Die Geschichte dazu liest sich ebenfalls fast wie ein "Weihnachtsmärchen". Im Jahr 1965 berichtete die Nordwest-Zeitung über den Nikolaus in Nikolasdorf. In der Folge kamen zahlreiche Briefe in der Gemeinde an. Daher gründete der damalige örtliche Schulleiter zusammen mit freiwilligen Helfern das Nikolausbüro. Daraus entwickelte sich ein gigantisches ehrenamtliches Engagement in der kleinen Gemeinde. Noch heute wird die Aktion von Schülern der Oberstufe in den Abendstunden unterstützt - die Schüler bearbeiten und beantworten die Kinderbriefe, unterstützt von der Post mit Briefmarken, Druckkosten und Sonderstempeln.

 

Alle zwei Jahre treffen sich übrigens die Kommunen mit Weihnachtspostämtern zum Erfahrungsaustausch. Dabei geht es vor allem um die bessere Unterstützung der zahlreichen Ehrenamtlichen Helfer aber natürlich auch um die Frage, wie man die Postämter und die besonderen Adressen für touristische Zwecke erfolgreich nutzen kann. Postämter haben neben Himmelpfort und dem Nikolausdorf auch Himmelstadt in Bayern, Himmelreich in Niedersachsen, die Gemeinde Himmelsthür, St. Nikolaus im Warndt und die Gemeinde Himmelstadt in Unterfranken (1600 Einwohner). 

 

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