Sicherheitspartnerschaften sorgen für weniger Einbrüche und besseres Sichereheitsgefühl
Polizei Bayern
In ganz Deutschland gibt es Sicherheitspartnerschaften. Je nach Bundesland heißen sie jedoch anders. In Bayern werden sie zum Beispiel "Sicherheitswacht" genannt.

Weniger Einbrüche dank Sicherheitspartnerschaften?

Viele Kommunen setzen auf Sicherheitspartnerschaften, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern. Doch: Was bringt es, wenn Bürger auf Streife gehen?

Sie sind zwar keine Polizisten, aber sollen trotzdem für Recht und Ordnung sorgen: Sicherheitspartner helfen bei der Schulwegsicherung, klingeln beim Nachbarn, wenn der Briefkasten überquillt, unterstützen polizeiliche Präventivveranstaltungen und schauen, ob auffällige Fahrzeuge im Ort herumfahren.

Sie tragen zwar eine uniformähnliche Jacke. Und sie sollen genauso wie die Polizei dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern. Doch: sie haben nicht die gleichen Rechte wie Polizisten, sondern können sich nur auf die sogenannten Jedermannsrechte berufen. So dürfen sie zwar Personalien abfragen oder einen Platzverweis erteilen - aber die Bürger müssen ihrer Aufforderung nicht unbedingt Folge leisten.

Im Gegensatz zu den Beamten dürfen sie auch keine Waffe bei sich tragen oder fremde Grundstücke betreten. Das Einzige, was sie wirklich dürfen, ist die Polizei zu alarmieren, wenn ihnen etwas merkwürdig vorkommt.

 

Können Sicherheitspartnerschaften Einbrüche verhindern?

 

Bundesweit gibt es die Partnerschaften schon seit mehreren Jahren. In Bayern heißen sie Sicherheitswachten und zählen bereits 800 Mitglieder. In Brandenburg machen 461 Bürger mit.

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Doch trotz der hohen Mitgliedszahlen ist nicht eindeutig belegbar, dass durch die Partnerschaften Einbrüche, Delikte oder Gewalttaten zurückgegangen sind.

So sind beispielsweise die Einbrüche im brandenburgischen Bärenklau, einem 1500-Einwohner-Ort, seit der Gründung einer Sicherheitspartnerschaft zurückgegangen. Doch ob die rückläufigen Zahlen nur auf den Sicherheitspartnerschaften beruhen, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. „Außerdem können die Sicherheitspartner viele Einbrüche gar nicht verhindern. Weil viele Einbrecher nachts zuschlagen, aber die Sicherheitspartner nur tagsüber unterwegs sind“, weiß Jürgen Ascherl, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft in München und Personalratsvorsitzender. Und selbst am Tag dürfen die Sicherheitspartner niemanden festnehmen, sondern lediglich festhalten. Letztlich müssen sie also selbst die Polizei rufen.

Ascherl bezeichnet die Sicherheitspartner deshalb auch als „laufende Notrufsäulen.“

Der Chef der Polizeigewerkschaft findet jedoch nicht nur die eingeschränkten Eingriffsrechte problematisch. Sondern auch, dass viele Sicherheitspartner nur bedingt geeignet für die Aufgabe sind: „Während manche Dienstleiter gut mit den Sicherheitspartnern zusammenarbeiten können, stöhnen andere nur auf, weil sich viele Wichtigtuer für das Ehrenamt melden“, weiß Ascherl.

 

Experten sehen viele Vorteile in Sicherheitspartnerschaften - aber auch Nachteile!

 

Doch das lässt sich in der Praxis kaum verhindern: Zwar werden die Bewerber schon im Vorhinein auf Vorstrafen überprüft und in einer kurzen Schulung auf den Einsatz vorbereitet. „Doch für dieses Ehrenamt braucht man nicht nur ein gutes Gespür für Situationen und rechtliches Wissen, sondern auch gute Menschenkenntnisse und Fingerspitzengefühl. Ob sich jemand für den Einsatz eignet oder nicht, stellt sich häufig jedoch erst auf der Straße heraus“, weiß Ascherl.

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Für die Polizeibeamten bedeutet die Zusammenarbeit mit den Sicherheitspartnern unterm Strich mehr Arbeit. Das bestätigt auch Polizeihauptkommissarin Jeanette Schulze vom Polizeirevier Oranienburg: „Wir müssen die Sicherheitspartner nicht nur beraten und über ihre Rechte und Pflichten aufklären. Sondern auch die Aktivitäten der Sicherheitspartner auswerten. Dadurch entsteht für das Revier natürlich mehr Arbeit.“ Trotzdem sieht die Hauptkommissarin auch viele Vorteile in der Kooperation: „Ich finde es gut, wenn wir Zivilcourage fördern. Außerdem treten die Sicherheitspartner dort auf, wo die Polizei vielleicht nicht sein kann.“

Dass die Sicherheitspartner die Polizei jedoch ersetzten, sieht Schulze nicht: „Wenn wir ganz ehrlich sind, brauchen wir eigentlich nicht mehr Sicherheitspartner, sondern mehr ausgebildete Polizisten auf den Straßen.“

 

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Einen entscheidenden Vorteil bieten die Sicherheitspartner jedoch schon: Viele richten eine Hilfe-Telefonnummer ein, die die Bürger rund um die Uhr anrufen können. Zum Beispiel wenn sie Angst haben oder sich bedroht fühlen.

Damit ist die Sicherheitspartnerschaft das perfekte Bindeglied zwischen Polizei und Bürgern. Etwa für diejenigen, die sich nicht trauen, direkt die Polizei anzurufen. Obwohl es die Sicherheitspartnerschaften bereits seit mehreren Jahren gibt, kämpfen sie immer noch mit Vorurteilen. Sie werden häufig mit den ausländerfeindlichen Bürgerwehren gleichgesetzt: „Dabei haben die Sicherheitspartnerschaften überhaupt keinen rechtsextremen Hintergrund“, weiß Jeanette Schulze aus der Erfahrung zu berichten. Ganz im Gegenteil: Viele Sicherheitspartnerschaften haben sich erst gegründet, weil sie die Sorge um Recht und Sicherheit nicht dem rechten Rand überlassen wollten.

„Wenn eine Kommune sicher sein will, dass niemand das Ehrenamt aus den falschen Gründen heraus wählt, sollte sie sich ihre Bürger genau anschauen“, weiß Jeannette Schulze. Meistens, so die Hauptkommissarin, weiß man ja als Bürgermeister oder Ratsmitglied, wie die eigenen Bürger ticken.

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