Amazon Cyber Monday Städte können Lieferverkehr koordinieren
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Black Friday: Lieferverkehr richtig steuern

Mi, 21.11.2018

Gerade jetzt zur Amazon Cyber Monday Woche und zur Weihnachtszeit fragt man sich, wie Städte den Lieferverkehr richtig steuern können. Unser Gastautor gibt Tipps!

Amazon Cyber Monday: Wie können Städte den Lieferverkehr richtig koordinieren?
Autor: Carsten Hansen, Leiter Innenstadtlogistik Bundesverband Paket & Expresslogistik e. V.

 

Amazon Cyber Monday: Wie verhindert man den Verkehrsinfarkt?

 

Verkehr ist in vielen Städten eine Belastung für die Lebensqualität. Lärm, Abgase und Stau mindern die Attraktivität der Städte. Die aktuellen Entscheidungen der Verwaltungsgerichte zu Fahrverboten mehren sich und damit nimmt auch die Dringlichkeit zu, Maßnahmen umzusetzen, die zu einer Verringerung der Schadstoffemissionen führen. Neben der Luftqualitätsdiskussion werden Lieferverkehre der Kurier-, Express und Paketdienste (KEP) besonders oft als Stauverursacher vermutet, weil sie trotz ihres kleinen Anteils [1] am Aufkommen in der Wahrnehmung eine große Rolle spielen. Zum Beispiel in der Amazon Cyber Monday Woche.

Sie sind wiedererkennbar und fallen auf, wenn sie in zweiter Reihe stehen. Tatsächlich machen KEP-Verkehre die Verkehrsprobleme in den Städten nur sichtbar. Sie zeigen die Überlastung der Städte mit Autoverkehr. Allein innerhalb der letzten fünf Jahre sind nach Feststellung des Kraftfahrtbundesamtes 3,1 Mio. private Autos dazu gekommen (2018: 46,5 Mio. ggü. 2013: 43,4 Mio.).[2]

 

Amazon Cyber Monday: Wie geht man solche und alltägliche Herausforderungen am besten an?

In der Summe wird die Kapazität zur Verkehrsaufnahme von Straßen an vielen Stellen überschritten. Es liegt im Interesse der KEP-Branche die Überlastung der Straßen zu vermeiden, um die Auslieferung von Sendungen möglichst effizient und ressourcensparend zu organisieren. Gerade die sogenannte „Letzte Meile“ der Belieferung ist besonders kostenintensiv, weil sie nicht automatisiert erfolgt. Sie ist vielmehr eine personalintensive Dienstleistung, die von Zustellern erbracht wird. Teilweise auch von den Händlern, wie etwa Amazon selbst.

Die KEP-Branche erprobt daher eine Reihe von unterschiedlichsten Konzepten. Neben Digitalisierung und Elektrifizierung ist es vor allem das Mikro-Depot-Konzept, welches die Schadstoff- und Lärmemissionen reduzieren und Lieferfahrzeuge einsparen kann.

 

 

Neu gedachte Innenstadtlogistik mit Mikro-Depots und Lastenrädern

 

Das Mikro-Depot Konzept besteht darin, dass die KEP-Sendungen vorsortiert und zu sogenannten Mikro-Depots in der Nähe der Stadtzentren gebracht werden. Von dort werden sie dann mit Lastenfahrrädern oder zu Fuß den Kunden zugestellt. Dies ist bei einer hohen Zahl von Stopps effizient: je mehr Stopps an Lieferadressen, desto mehr Sendungen können pro Tour ausgeliefert werden. Dies kann insbesondere in Zeiten wie dem Weihnachtsgeschäft oder der Amazon Cyber Monday Woche von Vorteil sein.

Solche Mikro-Depots können mobil, z.B. ein Nutzfahrzeug oder ein Container sein aber auch eine geeignete Immobilie, wie z.B. ein leerstehendes Ladenlokal, eine Garage oder der Teil eines Parkhauses. Der Belieferungsbereich eines Mikro-Depots umfasst einem Umkreis von ca. 3 Kilometer. Typische Verkehrsbehinderungen wie das „Zweite-Reihe-Halten“ entfallen. Zudem können Lastenräder anders als Lieferwagen direkt vor den Haustüren halten. Im Bedarfsfall dürfen sie, wie die Post, für die Lieferung auch den Gehweg nutzen. Besonders interessant: Lastenräder benötigen auf der Straße weniger Fläche als Lieferwagen.

Mit dem Mikro-Depot-Ansatz können in geeigneten städtischen Bereichen Lieferfahrzeuge mit einem Faktor von 1,1 bis 1,3 durch Lastenfahrräder ersetzt werden. In Nürnberg konnten bei einem Unternehmen das Transportvolumen von 2,5 Lieferwagen durch drei Lastenräder ersetzt werden. Das ist eine spürbare Verkehrsentlastung!

 

Verkehrsentlastung gelingt nur in Kooperation mit Kommunen

 

Das dargestellte, erhebliche Entlastungspotenzial kann besonders in Kooperation mit Kommunen gehoben werden, denn es beruht auf einigen Voraussetzungen. Die Städte und Gemeinden können hier einen wesentlichen Einfluss darauf nehmen, ob solche Konzepte umsetzbar sind, oder nicht. Am wichtigsten sind die Aspekte „Flächen“ und „Gehwege“.

 

Liefervekehr braucht Flächen

Für Mikro-Depots müssen geeignete Flächen zur Verfügung stehen. Mobile Mikro-Depots im öffentlichen Straßenraum benötigen Sondernutzungserlaubnisse. Alternativ dazu könnten auch private Flächen oder solche im Besitz der Städte zur Verfügung gestellt werden. Das ist nicht ungewöhnlich, denn in der Vergangenheit haben Städte und Gemeinden z. B. für Carsharing auch schon eigene Flächen zur Verfügung gestellt, um Gemeinwohlzwecke zu erreichen. Eine Sofortmaßnahme, die Klimaschutz und Verbesserung des Verkehrsflusses in Einem ist. Dabei sind die Flächenanforderungen (außer an die Lage) nicht groß: Mit Blick auf eine effiziente Nutzung sollten mind. 15 Quadratmeter zur Verfügung stehen, die mit einem mittelgroßen Lieferfahrzeug (3,5 t zulässiges Gesamtgewicht) angefahren werden können.

 

Fußgängerzonen und Gehwege für den Lieferverkehr

Eine starke Förderung ist die ganztägige Freigabe von Fußgängerzonen für Lastenfahrräder. Das ist zudem eine Maßnahme zur Stärkung des örtlichen Einzelhandels. Denn die Kunden wünschen im Zusammenhang mit dem Online-Einkauf immer häufiger das Angebot der taggleichen Lieferung (Same Day Delivery). Das geht oftmals nur, wenn die Sendungen vom örtlichen Einzelhandel bezogen werden statt von einem viele Kilometer entfernten Depot. Auf diese Weise wird nicht nur der Online-Handel wie etwa Amazon sondern auch der Offline-Handel integriert.

 

Lieferverkehr wird weiter wachsen – Symbolpolitik vermeiden

Die straßenverkehrliche Herausforderung ist immens: Seit dem Jahr 2000 hat sich das Sendungsvolumen praktisch verdoppelt (plus 98 %) auf knapp 3,4 Mrd. Sendungen pro Jahr. Der wesentliche Treiber hierfür ist die Entwicklung des Online-Handels. Diese Zahlen zeigen, dass selbst eine kurzfristige vollständige Umstellung auf Elektroantriebe die verkehrliche Belastung der Straßen nicht reduziert.

Amazon Cyber Monday Woche Lieferverkehr

Deshalb ist es wichtig, dass die Kommunen Wirtschaftsverkehrskonzepte erarbeiten und Lieferverkehre darin integrieren. Innovative Lieferkonzepte müssen Teil der strategischen Planung von Städten werden und das Gewerbe einbeziehen.

Dabei ist Vorsicht vor Scheinlösungen angebracht: Viel wird von der „Konsolidierung“ erwartet. Die Idee ist, dass mehrere oder alle KEP-Dienstleister an ein größeres Depot liefern und von dort aus nur ein Unternehmen für alle anderen ausliefert. Das soll die Auslastung der Fahrzeuge verbessert und damit die Anzahl der Fahrzeuge reduzieren.

Dieser Effekt entspricht jedoch eher einem Wunschdenken, als realer Erfahrung. Üblicherweise sind die Fahrzeuge sehr hoch ausgelastet; der Spielraum für weitere Bündelungseffekte ist gering. Das Ergebnis wäre bestenfalls, dass nicht unterschiedliche Fahrzeuge unterschiedlicher KEP-Dienste im Zustellgebiet unterwegs wären, sondern einheitliche Fahrzeuge, die dafür mehrere Touren fahren müssten. Eine Gebietskonsolidierung ist daher für eine nachhaltige Stadtlogistik nicht geeignet.

Besser geeignet sind Ladezonen für den Lieferverkehr. Wenn diese von Fehlnutzung freigehalten werden, sind sie geeignet, das „Zweite Reihe Halten“ von Lieferwagen deutlich zu senken. Der Erfolg stellt sich dann als besserer Verkehrsfluss mit weniger Schadstoffen und besserer Verkehrssicherheit dar.

Fazit

Die KEP Branche und die Städte und Gemeinden haben mit Blick auf die effiziente Verkehrsabwicklung die gleichen Ziele. Sie bestehen in möglichst geringem Verkehrsaufwand mit möglichst geringen Auswirkungen auf Klima und Umwelt bei gleichzeitiger Verbesserung der erbrachten Dienstleistungen zur Verbesserung der Lebensqualität in den Kommunen. Diese Ziele können in Kooperation von Kommunen und Unternehmen der KEP Branche erreicht werden. Die KEP-Branche ist dazu bereit und hat einen zentralen Ansprechpartner für die Städte installiert.  

Hintergrund: Gerade findet die Amazon Cyber Monday Woche statt, in der der Internetriese viele Schnäppchen anbietet.

[1] Zahlen — Daten — Fakten (Teil 2), Fahrzeugbestand und Fahrleistungen; 2018, https://www.biek.de/index.php/kompendium.html

[2] Kraftfahrtbundesamt, Jahresbilanz Fahrzeugbestand 1. Januar 2013/1.Januar 2018

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