Er ist gerade erst seit wenigen Tagen gewählt - doch die Hasswelle gegen den neuen Bürgermeister von Görlitz läuft schon an
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Er ist gerade erst seit wenigen Tagen gewählt - doch die Hasswelle gegen den neuen Bürgermeister von Görlitz läuft schon an

Neue Bedrohungen gegen Bürgermeister

Deutschlands Bürgermeister leben immer häufiger in permanenter Angst. Am Montag vor einer Woche wurde der Bürgermeister von Hockenheim von einem Unbekannten vor seiner Privatwohnung überfallen und lebensgefährlich verletzt. Jetzt ermitteln schon wieder zwei Staatsanwaltschaften in zwei neuen Fällen, weil Kommunalpolitiker mit dem Leben bedroht werden - ein Bürgermeister wird verbal der Tod angedroht, auf eine Stadträtin gab es einen Sprengstoffanschlag.

 

Es war eine Wahl, wie es sie in Deutschland bisher nur selten gab. Ein CDU-Kandidat will Bürgermeister werden, muss in der Stichwahl einem AfD Kandidaten stellen, hat selbst Migrationshintergrund und die Wahl wird bundesweit beachtet. Sogar Hollywood-Schauspieler rufen zur Wahl des CDU Kandidaten auf. So passiert vor wenigen Wochen in Görlitz. Am Ende siegte Octavian Ursu knapp, wurde zum neuen Oberbürgermeister von Görlitz gewählt. 

Doch es dauerte nur wenige Tage, da wurde Ursu bereits Opfer einer unsäglichen Hasswelle. Der Staatsschutz sei inzwischen eingeschaltet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es werde "jeweils gegen Unbekannt" ermittelt. Ganz so unbekannt scheinen die Täter aber nicht zu sein. Medienberichten zufolge handelt es sich um drei Verdächtige aus Sachsen und Brandenburg. Denn in diesem Fall nahmen die Morddrohungen ihren Lauf über das Internet, genauer über die sozialen Netzwerke. Ursu hatte die Betreiber verschiedener Onlineplattformen daraufhin zu entschiedenem Handeln gegen die Hasspostings aufgefordert. Offenbar haben die Behörden nun die Daten der Verdächtigen ausfindig machen können. Eine Festnahme gibt es bisher aber noch nicht, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von KOMMUNAL erklärte. 

Rechtsextremer Anschlag auf Kommunalpolitikerin

Am Mittwoch wurde nun ein offenbar neuer rechtsextremer Anschlag auf eine Stadträtin in Zittau in Sachsen bekannt. Die Linken Politikerin Ramona Gehring musste erleben, wie Sprengkörper mehrere Fenster ihres Hauses zerstörten. Es entstand erheblicher Sachschaden, so die Polizei.

 

Die Kommunalpolitikerin war zur Zeit des Anschlags mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin in der Wohnung. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft ermitteln. 

Bürgermeister liegt weiter auf der Intensivstation - Verletzungen schlimmer als gedacht 

 

Schlechte Meldungen gibt es leider auch aus Hockenheim. Dort wurde Bürgermeister Dieter Gummer am Montag vor seinem Privathaus angegriffen. Ein bisher Unbekannter hatte gegen 20 Uhr 30 an  seiner Haustür im rheinland-pfälzischen Böhl-Ingelheim geklingelt. Er bat über die Gegensprechanlage um ein Gespräch. Als der Oberbürgermeister öffnete, schlug ihm der Täter unvermittelt mit der Faust ins Gesicht. Gummer stürzte, erlitt mehrere Prellungen, einen Kieferbruch und Gehirnblutungen. Ein Sprecher der Stadt teilte am Donnerstagabend mit, Gummer liege weiter auf der Intensivstation. Es sei nicht absehbar, wie lange er dort noch bleiben müsse. 

 

Inzwischen hat sich Gummer aber im Krankenhaus zu dem Fall äussern können. Er hat die Person demnach nicht persönlich gekannt, kann sich den Übergriff auch nicht erklären, kennt kein Motiv oder mögliche Hintergründe. Er arbeite aber mit den Ermittlungsbehörden zusammen, um den Täter zu identifizieren, so ein Sprecher der Stadt Hockenheim. Seit Mittwoch macht die Polizei zudem Zeugenbefragungen in der Nachbarschaft von Dieter Gummer. 

 

Es gibt immerhin eine Täterbeschreibung 

 

Es soll sich bei dem Täter um einen 30 bis 40 Jahre alten Mann handeln. Er wird als 1,70 bis 1,80 Meter groß beschrieben, dunkelhäutig und schlank mit kurzen schwarzen Haaren. Er habe ein "nordafrikanisches-arabisches" Erscheinungsbild, so ein Polizeisprecher. Er habe Deutsch gesprochen. 

Das Motiv des Täters ist auch deshalb mysteriös, weil Gummer in wenigen Wochen in den Ruhestand geht. Seine Amtszeit endet Ende August, zur Wahl tritt der 67 jährige nicht erneut an. Am Sonntag, 21. Juli fand daher die Wahl seines Nachfolgers statt. Im Schatten des traurigen Überfalls. Zu seinem Nachfolger wurde in der Stichwahl mit gut 56 Prozent der Stimmen Marcus Zeitler gewählt. Herzlichen Glückwunsch zur Wahl!  

 

Auf seinem Twitter-Kanal hält Sie Christian Erhardt täglich über alles aus der Kommunalpolitik auf dem Laufenden - kritisch, frech und sehr persönlich! @KOMMUNALaktuell
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