Großes Geld für kleine Babys - Kommunen buhlen mit Begrüßungsgeld für Babys ums junge Familien
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Großes Geld für kleine Babys - Kommunen buhlen mit Begrüßungsgeld für Babys ums junge Familien

Babygeld liegt voll im Trend - Kommunen zahlen Begrüßungsgeld

Viele Kommunen versuchen, junge Familien mit ausgefallenen Geschenken oder gar dicken Prämien zu locken. Besonders verbreitet ist das Babygeld in strukturschwachen Kommunen, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern. Der Wettstreit um junge Familien - ein Überblick!

Keine Frage, wer reich ist, kann sich auch ein üppiges Begrüßungsgeld leisten. So zahlt die Gemeinde Grünwald bei München seit Jahren ein kommunales Erziehungsgeld. Eltern, deren Kinder in Grünwald leben, bekommen vom ersten Lebensweg bis zum ersten Schultag 100 Euro pro Monat und Kind aus der Gemeindekasse. "Das kommunale Erziehungsgeld ist einer der weichen Standortvorteile, den wir uns geschaffen haben", lobt Ulrich Rank, stellvertretender Kämmerer der Gemeinde im KOMMUNAL-Interview. 

Eine solch üppige Summe kann sich nicht jeder leisten. Aber auch ärmere Kommunen versuchen, junge Familien mit Kindern in den Ort zu locken oder zu halten. So gibt es in vielen Kommunen Kooperationen mit Unternehmen - etwa Kabelfernsehen oder Pay-TV-Gesellschaften, Rabatte beim Möbelkauf für den Umzug in die Stadt, ein "Windelpaket für ein ganzes Jahr" und viele Aktionen mehr. 

 

Mecklenburg Vorpommern setzt häufig auf Begrüßungsgeld 

 

Besonders betroffen vom demographischen Wandel sind viele Regionen im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern. Hier gibt es in vielen Kommunen seit Jahren ein Begrüßungsgeld für Kinder. Die Schweriner Volkszeitung hat nun in zahlreichen Kommunen nachgefragt, wie sich das Begrüßungsgeld entwickelt hat. Das Ergebnis: Es gibt immer neue Kommunen, die eine Einführung des Babygeldes planen, andere hingegen mussten es - meist aus Kostengründen - wieder abschaffen. Auch die Summen, die gezahlt werden, sind sehr unterschiedlich und reichen von Einmalzahlungen von 50 Euro bis hin zu 1000 Euro. 

 

Abgeschafft wurde das Begrüßungsgeld inzwischen wieder in Hagenow und in Warin im Landkreis Nordwestmecklenburg. Beide Kommunen nannten Kostengründe. Das Geld wurde zwar gerne angenommen, die Städte konnten sich die Zahlung aber nicht mehr leisten. Doch es gibt auch Neuzugänge: So hat Rehna gerade erst beschlossen, ein Begrüßungsgeld von 300 Euro pro Kind einzuführen. Damit wird die Gemeinde eher im Mittelfeld bei der Höhe der Summe liegen. Wittenförden etwa zahlt 1000 Euro pro Kind. 

Wittenförden liegt in der Nähe von Schwerin und profitiert von der Stadtflucht aus Schwerin. Nach der Wende hat sich die Einwohnerzahl der Gemeinde fast verdreifacht. Zahlreiche Arbeitsplätze sind in der Gemeinde mit inzwischen fast 3000 Einwohnern entstanden. So gehört die Gemeinde zu den Orten, die finanziell ein solches Begrüßungsgeld stemmen kann. 

Anderswo werden daher mehr Bedingungen gestellt und die Höhe des Begrüßungsgeldes ist geringer. Etwa in Dümmer, auch eine Gemeinde im weiteren Speckgürtel von Schwerin. Hier werden Babys mit 500 Euro begrüßt. Allerdings muss die Mutter hier schon ein Jahr vor der Geburt im Ort gewohnt haben. Ähnlich in Panpow, das die Beiträge staffelt: Hier bekommen Eltern zur Geburt 150 Euro und ein Jahr später noch einmal 100 Euro, wenn sie dann noch immer in der 3000 Einwohner Gemeinde leben. 

Unabhängig von der Höhe melden aber die meisten Gemeinden, die in Mecklenburg-Vorpommern solch ein Begrüßungsgeld zahlen, laut der SVZ Zuzüge. Diejenigen, die keinen Zuzug haben, versuchen trotzdem über das Begrüßungsgeld junge Eltern in der Kommune zu halten. "Uns geht es darum, dass junge Menschen nicht wegziehen" erklärt eine Sprecherin des Amtes Neukloster-Warin. Dort bekommen Eltern 250 Euro je Kind. Die Stadt Tessin im Landkreis Rostock kann ebenfalls keinen Zuzug durch das Begrüßungsgeld von 200 Euro nachweisen. Auf die familienfreundliche Geste lege man aber dennoch großen Wert, so die Stadt. 

 

Gesten statt Begrüßungsgeld - und ein Überbietungswettbewerb 

 

Weit verbreitet - vor allem bei Kommunen, die sich ein Begrüßungsgeld nicht leisten können oder wollen - sind Willkommensfrühstücke. So laden die Bürgermeister vieler Gemeinden neue Eltern gerne einmal im Jahr zu einem Frühstück ein. Anderswo gibt es kleine Geschenke zur Geburt, von Windelpaketen bis zur Strampelhose. 

Ganz anders sieht es in den gut 700 Kommunen in Deutschland aus, die sich an der Aktion "pro Eigenheim" beteiligen. Das sind Kommunen, die Eltern GEld zahlen, wenn sie in der Gemeinde Ein Haus bauen oder kaufen. Teils gibt es dann pro Kind bis zu 5000 Euro. 

Ein Überbietungswettbewerb um junge Familien mit klarem geographischem Schwerpunkt im reichen Süden Deutschlands: Während im Postleitzahlbezirk 1, der Mecklenburg-Vorpommern, Teile Brandenburgs und Berlin umfasst, gerade einmal sieben Kommunen in der Datenbank der „Aktion Pro Eigenheim“ erfasst sind, sind es im Bezirk 7, dem Land Baden-Württemberg, über 200 Städte und Gemeinden, die junge Familien mit entsprechenden Prämien unterstützen. Der Zusammenhang zur wirtschaftlichen Leistungfähigkeit der Region ist offensichtlich. So hat die inzwischen unter 10.000 Einwohner zählende Stadt Wunsiedel, die über acht Jahre hinweg ein Baukindergeld von 5000 Euro je Kind für Häuslebauer zahlte, die Leistung aus Kostengründen wieder eingestellt. „630 Personen haben das Geld in Anspruch genommen“, so Stadtsprecherin Inge Schuster. Waren es im Jahr 2007 noch 16 Anträge, so wurden 2013 bereits 170 Anträge bewilligt. Doch Wunsiedel ist hochverschuldet und hat die Leistung daher wieder gestrichen. 

 

Kritik am Begrüßungsgeld 

 

Was die Unterstützer von Baukindergeldern meist verschweigen: Jede Entscheidung für eine Kommune ist auch immer eine Entscheidung gegen einen anderen Wohnort. Die freiwilligen Zusatzleistungen der Kommunen, die um die Gunst junger Familien buhlen, haben auch den Effekt, dass Familien mit Kindern anderswo wegziehen, heißt es etwa beim Deutschen Städte- und Gemeindebund.Arme Kommunen wären dann nicht nur arm, sondern auch überaltert, weil junge Familien dorthin zögen, wo es eben das beste Angebot gibt. „Wir würden da wohl sagen, dass das Geld, das die Kommunen heute an junge Familien auszahlen, mancherorts besser in einer guten Betreuungsinfrastruktur investiert wäre.“

 

 

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