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Markt in Perleberg
Kreative Bürgermärkte haben das Leben in der Innenstadt von Perleberg belebt.
© Stadtlabor Perleberg

Checkliste

Innenstadt beleben mit Bürgermärkten: Perleberg macht’s vor

von Dorothea Walchshäusl
Reporterin | KOMMUNAL
16. Juni 2025
Wenn besondere Orte in der Stadt plötzlich zum Treffpunkt werden, wenn Menschen ins Gespräch kommen und Nachhaltigkeit ganz nebenbei mitschwingt – dann entsteht etwas, das weit über einen einfachen Markt hinausgeht. In Perleberg ist genau das gelungen. Was dahintersteckt – und wie andere Orte davon profitieren können. Eine Checkliste für Bürgermärkte!

Wie können wir unsere Innenstadt beleben und noch attraktiver machen, wie ein harmonisches Miteinander fördern und noch dazu für mehr Nachhaltigkeit eintreten? Das waren die Ausgangsfragen eines außergewöhnlichen Projekts in der Kreisstadt Perleberg in Brandenburg. Daraus entstanden sind letztlich die sogenannten „Bürgermärkte“, deren mehrmalige Durchführung ein großer Erfolg geworden ist. Allerdings gibt es hierbei einiges zu beachten. Deshalb haben die Organisatoren eine Checkliste erarbeitet, die auch über den Ort hinaus nutzbar ist.

Teil des Projekts „Wir machen Prignitz“

Die Bürgermärkte waren eine von mehreren konkreten Aktionen, die im Rahmen des Projekts „Wir machen Prignitz“ initiiert und umgesetzt wurden. Dahinter wiederum stand das Forschungsprojekt „Zukunft im ländlichen Raum gemeinsam gestalten (ZUGG)“, das über die BMBF Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“ von Juli 2021 bis Juni 2024 gefördert und vom Öko-Institut e.V. und dem Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH begleitet wurde. „Es ging darum, mit innovativen Projekten mehr Schwung und Leben in die Innenstadt zu bringen“, sagt David Dreker, Mitarbeiter des Perleberger Stadtlabors.

Bürger auf Ideensuche

Zu Beginn des Projekts wurden die Bürger der Stadt angeschrieben und dazu eingeladen, sich in verschiedenen Teams einzubringen und gemeinsam auf Ideensuche zu gehen. In Kleingruppen wurden schließlich verschiedene Ideen zusammengetragen und an deren konkreter Umsetzung gefeilt. „Es gab vier verschiedene Bürgerteams von jeweils ungefähr 10 Leuten, die sich regelmäßig im Stadtlabor getroffen haben“, berichtet Dreker. Dabei sei auch die Vision von Bürgermärkten entwickelt worden.

Märkte an besonderen Orten der Stadt

Bislang hatte es keinen Flohmarkt in der Innenstadt von Perleberg gegeben. So entstand die Idee, selbst nachhaltige Märkte zu organisieren und die Bürger dazu einzuladen, hier ihre Sachen zu verkaufen oder als Besucher vorbeizukommen. Das Besondere daran: die Organisation sollte rein ehrenamtlich und nicht kommerziell ablaufen. Das bedeutet, es wurde keine Teilnahme-Gebühr verlangt, stattdessen wurden Tische kostenfrei zur Verfügung gestellt und für die nötige Infrastruktur gesorgt. Nachdem die Belebung der Stadt im Fokus stand, war ein weiteres Ziel, die Märkte an bislang kaum genutzten Plätzen zu organisieren. „Wir wollten bewusst nicht alles auf dem Marktplatz stattfinden lassen, sondern auch unbekanntere Orte wiederbeleben und besondere Plätze in der Stadt bespielen“, so Dreker. Das sei etwa ein leerstehender alter Speicher in der Stadt gewesen oder der Schulhof eines Gymnasiums, zu dem ansonsten nur die Schüler und Lehrer Zugang hatten.

Repaircafe
Reparatur für kaputte Elektrogeräte beim Repaircafe

Nachhaltigkeit im Fokus

Neben der Neubelebung bislang kaum genutzter Plätze lag den engagierten Bürgern besonders die Nachhaltigkeit am Herzen. „Bei jedem Bürgermarkt sollte immer auch ein Nachhaltigkeits-Projekt umgesetzt werden“, rät David Dreker, und so konnten die Besucher einmal selbst Vogelhäuser bauen und bemalen, ein anderes Mal war eine Schneiderin vor Ort, die Textilien umgenäht hat, wieder ein anderes Mal gab es ein Repair-Cafe für elektronische Geräte. Darüber hinaus aber stand der soziale Aspekt im Vordergrund: „Es ging bei allem letztlich darum, einen schönen Tag zu haben in der Stadt“, so der Mitarbeiter.

Nistkästen
Nistkästen bauen und bemalen - eine von verschiedenen Aktionen zur Nachhaltigkeit

Organisatorischer Aufwand

So niedrigschwellig das Angebot der Bürgermärkte letztlich ist, so sei der organisatorische Aufwand dafür gleichwohl nicht zu unterschätzen, betont Dreker. Viele verschiedene Punkte mussten vom Bürger-Team jeweils abgearbeitet werden, damit der Markt schließlich gut über die Bühne gehen konnte. Das reichte von der Organisation der Anmeldung der Händler und kreative Werbeaktionen über die Absprachen mit dem Ordnungsamt bis hin zur Anmietung eines Toilettenwagens, zur Organisation der gastronomischen Versorgung vor Ort und zur hierfür nötigen Stromversorgung. Die Finanzierung der dafür anfallenden Kosten lief über das Projektbudget, das unter anderem fürs Marketing und den WC-Wagen verwendet wurde.

Unkomplizierte Unterstützung durch Kommune

Was bei der Umsetzung der Bürgermärkte in Perleberg sehr geholfen hat, war die Unterstützung durch die Kommune. „Die Stadtverwaltung war dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen und hat das Team der Bürger sehr bestärkt“, so der Mitarbeiter. Statt formale Hürden hochzuhalten, seien viele Absprachen sehr unkompliziert möglich gewesen, was die Umsetzung vor Ort enorm erleichtert habe. „Insgesamt waren die Bürgermärkte in Perleberg ein wirklich gelungenes Projekt, das die Stadt belebt hat und das Miteinander der Bürger gestärkt“, sagt Dreker. Am 31. Mai 2024 war die Abschlussveranstaltung des übergeordneten Projekts. Die Märkte aber soll es nach Wunsch der Bürger von Perleberg auch weiterhin geben.

Checkliste zum Download

Für all jene, die ähnliche Märkte planen wie in Perleberg, hat das Team für die Organisation und die konkrete praktische Umsetzung eine detaillierte Checkliste erarbeitet, als PDF zum Herunterladen:

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