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Die Innenstädte leiden unter der Konkurrenz im Internet - wie hier in Köln

Innenstädte: Diskussion um City-Maut

Der Deutsche Städtetag fordert Tests mit der City-Maut. Es geht um eine Art Eintrittsgeld für Autofahrer nach Londoner Vorbild. Die zuständige Senatorin in Berlin hatte eine solche Maut ins Spiel gebracht. Doch es regt sich massiver Widerstand gegen die Pläne. Eine Übersicht!

Der Online-Handel boomt, wie nie zuvor, zu Lasten der Innenstädte. Allen voran die Großstädter kaufen nach einer neuen Umfrage besonders häufig im Internet ein. Aber auch in den wirtschaftlich erfolgreichen Regionen in Bayern und Baden-Württemberg liegt der Online-Einkauf im Trend. Laut jüngster Studie gibt es im Süden der Republik deutlich mehr "Online-Shopper" als etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Die Forscher vermuten, dass die Gründe neben der besseren Internet-Anbindung in Städten auch in der Altersstruktur liegen. 

Im Ergebnis ist die Analyse für die Innenstädte und somit für die Kommunen aber ein Warnsignal. Es muss offenbar besser gelingen, Online- und Offline-Shopping miteinander zu verbinden. Sonst drohen Leerstände und verödete Innenstädte. Die Diskussion beginnt bei "Wohlfühlorten in der Innenstadt" bis zum "Erlebnisort Innenstadt", also von Möglichkeiten zum Verweilen bis zu besonderen Attraktionen rund um die Einkaufsstraßen. Ein wichtiger Faktor ist dabei auch die Anbindung.

 

Die City-Maut soll die Innenstädte attraktiver machen 

 

Die Befürworter einer City-Maut argumentieren: Wenn weniger Autos in der Innenstadt sind, werden Lärm und Dreck reduziert, die Stadt also attraktiver. Der Deutsche Städtetag empfiehlt daher, Kommunen, die das möchten, die Möglichkeit zu geben, eine City-Maut zu testen. Entscheidend sei die Akzeptanz, so ihr Hauptgeschäftsführer Dedy. Die Berliner Verkehrssenatorin geht einen Schritt weiter und sagt: "Es wird bei der knappen Ressource Fläche deutlich teurer werden müssen, mit Autos den öffentlichen Raum zu nutzen". 

Die Gegner der City-Maut hingegen argumentieren: Wenn das Fahren in die Innenstadt noch teurer wird, werden die Kunden regelrecht zum Online-Kauf gedrängt. Der ADAC etwa empfiehlt daher, statt auf eine Maut auf Alternativen zum Auto zu setzen. So sei der ÖPNV einfach nicht attraktiv genug. "Wir brauchen mehr Züge mit schnellerer Taktung". Eine Maut treffe nur diejenigen, die finanziell ohnehin benachteiligt seien. Auch der Einzelhandelsverband HDE warnt vor der City-Maut: "Viele Kunden sind verunsichert, ob die Stadtzentren weiterhin unkompliziert mit dem Auto erreichbar bleiben. Schon die Debatte schadet daher dem Einzelhandel", so ein Sprecher. Auch der Städte-und Gemeindebund ist, anders als der Städtetag, gegen eine Maut. Ihr Hauptgeschäftsführer Landsberg fordert stattdessen "den Ausbau nachhaltiger Mobilitätsalternativen". 

 

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Über diese Alternativen denken Kommunen nach

 

In Frankfurt am Main hält die Verwaltung ebenfalls nichts von einer City-Maut. Aus dem Verkehrsdezernat heißt es, man denke stattdessen darüber nach, ob Seilbahnen eine Alternative sein könnten. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in München. Dort läuft zur Zeit bereits eine entsprechende Machbarkeitsstudie. 

Politisch wird die Maut ebenfalls heftig diskutiert. Während Vertreter von CDU und FDP vom Versuch einer "neuen Einnahmequelle" sprachen, kommen vor allem von den Grünen positive Signale. So spricht etwa Stuttgarts Oberbürgermeister Kuhn von Überlegungen für eine Nahverkehrsabgabe. Dann müsste jeder, der in die Innenstadt will, eine Gebühr zahlen. Im Gegenzug kann er dann in der City Busse und Bahnen nutzen. 

 

Heiß diskutiert wird das Thema auch auf dem Twitter-Kanal von KOMMUNAL-Chefredakteur Christian Erhardt. Folgen Sie der Diskussion HIER: 

 

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