Der digitale Impfpass kommt
Der digitale Impfpass ist auf den Weg gebracht.
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Ministerium vergibt Auftrag

Landkreise machten es vor: Digitaler Impfpass kommt

Das Bundesgesundheitsministerium will vier Unternehmen damit beauftragen, den digitalen Impfpass für Deutschland zu entwickeln. Das bestätigte eine Ministeriumssprecherin KOMMUNAL. Einen digitalen Impfpass als Karte mit QR-Code gibt es bereits im Landkreis Altötting sowie im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Damit zeigt sich wieder einmal, dass Kommunen mit gutem Beispiel beherzt vorangehen.
Aktualisiert am 17. März 2021

Der Landkreis Altötting hat den digitalen Impfpass schon Mitte Januar eingeführt. Wer will, kann ihn dort bekommen (KOMMUNAL berichtete)  Damit war der bayerische Landrat Erwin Schneider schneller als alle anderen in Deutschland. Er legte eine Impfkarte mit QR-Code vor, ohne das mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt zu haben, wie er damals sagte. Landrat Günther-Martin Pauli im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg zog einen Monat später nach.

Digitaler Impfpass: Stillhaltefrist bis Vertragsabschluss

Bald soll es den Impfnachweis mit QR-Code deutschlandweit geben. Eine wichtige Etappe auf dem Weg dahin ist geschafft: Das Bundesgesundheitsministerium will den Konzern IBM, das Kölner Unternehmen Ubrich sowie der Genossenschaft govdigital und den IT-Spezialisten Bechtle mit der Entwicklung der Impfpass-App beauftragen. Dies bestätigte auf Anfrage von KOMMUNAL eine Ministeriumssprecherin. Der Auftrag scheint kurz vor Unterzeichnung zu sein. "Die Stillhaltefrist bis Vertragsabschluss beträgt 10 Tage", sagte die Sprecherin.

Wie aus der Ausschreibung hervorgeht, sollen die Unternehmen für 2,7 Millionen Euro die Anwendung innerhalb von zwei Monaten zur Verfügung zu stellen. Der digitale Impfnachweis ist eine zusätzliche Möglichkeit zum gelben Impfpass, um Impfungen zu dokumentieren. Statt nur im gelben Impfpass Impfzeitpunkt, Impfstoff und Namen vorweisen zu können, sollen Nutzerinnen und Nutzer diese Informationen künftig auch personalisiert bequem auf ihren Smartphones digital speichern können, heißt es in der Ausschreibung.

Gelber Impfpass bleibt gültig

Der digitale Impfnachweis besteht dann aus einer Impfnachweis-App, einer Prüf-App und einem Backendsystem, das in Arztpraxen und Impfzentren installiert wird. Er ersetzt den gelben Impfausweis nicht komplett.

Der digitale Impfpass ist ein Angebot, der gelbe Impfausweis bleibt weiter gültig."

Gesundheitsminister Jens Spahn

Am 21. Januar hatte der Europäische Rat beschlossen, einen "interoperablen und standardisierten Impfnachweis für medizinische Zwecke auf den Weg zu bringen". An diesem Mittwoch, 17. März, hat die EU-Kommission  einen Gesetzesentwurf dafür vorgelegt. Ziel des digitalen grünen Impfausweises: das Reisen innerhalb Europas möglichst sicher zu gewährleisten. Kritiker befürchten damit einen Impfzwang durch die Hintertür.

Europäischer Impfausweis soll ab 1. Juni gelten

Das Zertifikat  - in Papierform und digital -  soll ab 1. Juni gelten. Allerdings müssen vorher noch das EU-Parlament und zudem alle Mitgliedsstaaten zustimmen. Nicht alle Mitgliedsstaaten haben sich bislang für die Einführung ausgesprochen. Der digitale Nachweis soll der Nachweis über einen QR-Code funktionieren. 

Deutschland hat dafür die Weichen bereits gestellt: "Durch die kurzfristige europäische Einigung und den damit verbundenen europäischen Systemzwang muss die digitale Impfbescheinigung in Deutschland schnellstmöglich umgesetzt werden, da eine deutsche Insellösung der vereinbarten Interoperabilität entgegenstehen würde", heißt es in der Ausschreibung für den Auftrag, der unter Zeitdruck vergeben wird.

Wie funktioniert der in Deutschland geplante digitale Impfpass?

  • Der digitale Impfnachweis wird in der Arztpraxis, im Krankenhaus oder in einem Impfzentrum generiert. Nach Eingabe oder Übernahme der Daten wird ein 2D-Barcode erstellt. Ihn können die Nutzer sofort  abscannen oder später. Sie bekommen ihn in diesem Fall auf einem Papierausdruck mit.
  • Der digitale Impfnachweis kann über eine kostenlose App auf dem Smartphone gesteuert werden. Damit wird nach der Impfung in einem Impfzentrum oder beim niedergelassenen Arzt ein sogenannter Impfbescheinigungstoken (2D-Barcode) abgescannt. Die App speichert die Impfbescheinigung lokal auf dem Smartphone. Wichtig: Dieser 2D-Barcode ist nur einmalig einlesbar und die Impfbescheinigung ist anschließend an das einlesende Smartphone gebunden.
  • Die App soll nur die Information enthalten, ob die Impfung gültig ist, gegebenenfalls Chargennummer und den Namen des Geimpften sowie das Geburtsdatum.
  • Für Dienstleister, die den Impfstatus überprüfen möchten, wird es eine Prüf-App zur Prüfung des Impfprüftokens geben. Damit kann der Impfstatus ähnlich wie ein Barcode eines Flug- oder Bahntickets dann gescannt werden. Alternativ ist ein Nachweis mit dem analogen Impfpass möglich.

Der künftige digitale Impfnachweis ist ein freiwilliges und ergänzendes Angebot, betont das Gesundheitsministerium. Wenn Geimpfte kein Smartphone besitzen oder dieses verloren haben, sei der Impfnachweis über das bekannte „gelbe Heft“ selbstverständlich weiterhin möglich und gültig. 

Was macht der Datenschutz beim digitalen Impfpass?

"Alle digitalen Impfnachweise werden nur temporär im Impfprotokollierungssystem erstellt und anschließend gelöscht", so das Gesundheitsministerium. "Eine dauerhafte Speicherung ist nur dezentral auf den Smartphones der Nutzer vorgesehen." Offen ist noch, wieweit der  digitale Impfnachweis für Erleichterungen für geimpfte Bundesbürger etwa bei Reisen sorgen kann.

Der Ethikrat hat Sonderrechte für Geimpfte für Deutschland bislang abgelehnt. Das Gremium sieht aber Entscheidungsspielräume für private Anbieter etwa bei Veranstaltungen oder Flugreisen oder auch Restaurantbetreiber. Die Weltgesundheitsorganisation WHO  empfiehlt den Impfausweis in der geplanten Form bislang nicht. Denn noch sei nicht klar, wie weit geimpfte Menschen nicht ansteckend sind.

Ein stolzer Landrat in Altötting, Angebot im Zollernalbkreis

Weil es so gut läuft: Bürger, die bereits die zweifache Impfung im Kreisimpfzentrum  erhalten haben, können sich im Zollernalbkreis nachträglich den digitalen Impfnachweis ausstellen lassen. Mitzubringen sind der gelbe Impfausweis sowie der Personalausweis. Der Digitale Impfnachweis kann nun auch an Personen ausgestellt werden, die nicht im Kreisimpfzentrum in Meßstetten geimpft wurden, aber im Zollernalbkreis gemeldet sind, teilt das Landratsamt mit. 

Und was sagt der Landrat von Altötting zu seinem Vorreiterprojekt? "Wenn man da eine Idee kreiert und die macht dann bundesweit Schule, dann ist das schon ein gewisses Aushängeschild für den Landkreis", freut sich Erwin Schneider.

Den Ausschreibungstext für den Digitaler-Impfpass-Auftrag finden Sie hier!