Energiewende
Erneuerbare Energien: Strommix sorgt für Überschüsse
Ein Windpark erzeugt bereits seit 2017 pro Jahr etwa 20 Millionen Kilowattstunden Strom. Dazu kommen zwei Biogasanlagen und der kontinuierliche Ausbau der Photovoltaik. Das Ergebnis: Tengen speist ein Vielfaches an Strom ins Netz, als es selbst verbraucht. Der derzeit in Planung befindliche zweite Windpark - mit einer Kapazität von 30 Millionen Kilowattstunden - wird die Bilanz noch zusätzlich verbessern.
Erneuerbare Energien: Bürgerentscheid
Ein Erfolgsgeheimnis der kleinen Kommunen liegt darin, dass der Stadtrat und Bürgermeister Marian Schreier die Bürger mitgenommen haben. So blieben Bürgerproteste aus die vielerorts programmiert sind, wenn es um den Ausbau der Windkraft geht. Marian Schreier unterstreicht: "Wir haben als Bürgermeister und Gemeinderat klar kommuniziert, dass wir einen zweiten Windpark bauen wollen und einen breiten Dialogprozess angestoßen: Mit Exkursionen in den Stadtwald und zu bestehenden Anlagen sowie großen Diskussionsveranstaltungen."
Am Ende des Prozesses stand ein von der Stadt initiierter Bürgerentscheid. "Zwei Drittel der Bevölkerung haben unseren Windpark unterstützt. Wohl auch deshalb, weil auch regionale Unternehmen an unseren Projekten beteiligt sind, sagt Bürgermeister Schreier. Das spare viel Zeit und schafft Akzeptanz, weil die Wertschöpfung der Anlagen in der Kommune verbleibe. Sein Rat an andere Kommunen: Zügig umgesetzte Projekte sorgen zügig für überzeugende Ergebnisse. "Meiner Beobachtung nach wird bei uns zu lange und zu umfangreich geplant. Das macht speziell für kleinere Kommunen weniger Sinn als für große Metropolen."

Bürgermeister hat Forderungen
Schreier zeigt sich überzeugt: "In diesem Land wäre so viel mehr so viel schneller möglich, wenn sich unsere langwierigen Genehmigungsverfahren endlich ändern würden." Ein Beispiel hat er auch gleich parat: In Tengen hat ein einziger Rotmilan-Horst das Genehmigungsverfahren für Windpark Nummer zwei enorm verzögert: "Natürlich ist der Artenschutz auch uns ein wichtiges Anliegen. Aber wir brauchen nicht den Schutz eines einzigen Lebewesens, sondern den Schutz der Population in Gänze. Hätten wir ein paar Wochen später kartographiert, dann hätte der Rotmilan seinen Horst vielleicht schon verlegt."
Ähnliches gelte für die Vorschriften im Bereich Photovoltaik: "Wir mussten zum Beispiel für eine Anlage auf einer Kuppe, die am Tag vielleicht von 100 Fahrzeugen passiert wird, ein eigenes Blendgutachten in Auftrag geben. An dieser Stelle hätte es auch ein Hinweisschild getan. In Deutschland gibt es für solche speziellen Verfahren einfach zu wenig Gutachter. Die Folge: Verzögerungen ohne Ende. Das darf nicht so bleiben, wenn die Energiewende gelingen soll."
Herausforderung: die Wärmeversorgung
So gut Tengen in Sachen Stromversorgung auch aufgestellt ist. Die Wärmeversorgung bleibt ein Problem. Zwar ist die Kernstadt mit einem Nahwärmenetz und mit Wärme aus Biogasanlagen gut versorgt. Problematischer gestaltet sich die Umstellung auf Erneuerbare Energien in den angeschlossenen Ortschaften, in denen vorrangig noch mit Öl und Holz geheizt wird. Bürgermeister Marian Schreier: "Uns schwebt zukünftig eine Quartierslösung vor. Also nicht jedes Haus einzeln beheizen, sondern über zentrale Wärmequellen. Eventuell kommt dafür Geothermie infrage. An diesem Zukunftskonzept basteln wir aber noch. Immerhin: Das derzeit sehr teure und knappe Gas spielt in unserer Wärmeversorgung überhaupt keine Rolle."
