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Fahrräder

Fahrräder an jeder Ecke

von Franz-Reinhard Habbel
Gastautor, Digitalpionier
4. April 2018
Wer kennt es nicht, das Lied „Nine Million Bicyles“ von Katie Melua. Eine Hommage an das Fahrrad. Ein einfühlsamer Song. Die Inspiration kam ihr 2005 während eines Besuchs in Peking. Da gab es noch kein iPhone und keine Sharing-Economy. Fahrräder haben Konjunktur. Sie üben eine Faszination auch von Freiheit aus, meint Franz-Reinhard Habbel.

13 Jahre nach dem Song von Katie Melua fluten nun Leihfahrräder die deutschen Städte. Über eine Matching-Plattform finden Benutzer und das Fahrrad zusammen. Gebucht und abgerechnet wird mit dem Smartphone. Leihfahrräder sind ein neues Geschäftsmodell auch für chinesische Unternehmen. Sie drängen neben den beiden größten deutschen Verleihfirmen Nextbike und Callabike massiv in den Markt. So wurden im vergangenen Jahr praktisch über Nacht in München 7.000 Räder der Firma Obike ohne Wissen der Verwaltung auf die Straße gestellt. Inzwischen sind sie massiv reduziert worden, da Störungen im öffentlichen Raum überhand nahmen. Wer in Berlin durch die Innenstadt geht, sieht sie an jeder Ecke. 16.000 sind es heute. Nach Expertenmeinung könnten es bis zu 100.000 werden. Zwei Vorgehensweisen unterscheiden sich was das Abstellen betrifft. Auf der einen Seite sind es feste Standorte, auf der anderen Seite werden die Räder einfach im Straßenraum abgestellt. Seit einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Hamburg dürfen Leihfahrräder nämlich wie private Fahrräder überall im öffentlichen Raum abgestellt werden. Gerade diese freien Standorte bereiten den Kommunen oftmals Kopfzerbrechen. Meistens dann, wenn die Räder achtlos abgestellt werden. Für den ein oder anderen Fußgänger kann es dann schwer werden, den Gehweg zu benutzen. Oder umgefallene Räder bleiben länger liegen, sie werden zum Störer.

(Leih-) Fahrräder sind Herausforderung und Chance für Kommunen

Noch sind es die großen Städte wie Berlin, München, Frankfurt am Main oder Hamburg in denen Leihfahrräder angeboten werden. Kleinere und mittlere Städte werden folgen. Für viele Kommunen ist der Umgang mit Leihfahrrädern eine Herausforderung. Auf der einen Seite ist die Nutzung von Fahrrädern ein wichtiger Bestandteil einer Verkehrswende mit weniger Emissionen und oftmals auch schnellerer Beförderung auf den letzten Kilometern. Auf der anderen Seite wird die Nutzung von Leihfahrrädern auch nicht ohne Regulierung auskommen. München und Berlin haben bereits entsprechende Leitfäden entwickelt. Klug wäre es mit den Unternehmen zu vereinbaren, dass Verkehrs- und Städteplaner auf die Daten zugreifen könnten um damit den Verkehr weiter zu verbessern. Fahrräder werden im öffentlichen Verkehrsraum eine zentrale Rolle spielen. Eine Verkehrswende wird es nur mit und nicht gegen Fahrräder geben.

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