Dorfbücherei
Marco Heyda/Stadtbibliothek Köln

Bibliothek der Zukunft: Tipps für die Dorfbücherei

Die Nutzerzahlen vieler Bibliotheken in kleinen Kommunen sinken. Oft fehlt der Anker, der Besucher anlockt. Tipps und Tricks wie Politik und Bibliotheken den Trend umkehren können. Der letzte Teil unserer Reihe "Bibliothek der Zukunft".

Beim Öffnen der Bücherei stellt er den Aufsteller mit dem Hinweis auf den 3D-Drucker vor den Ziegelbungalow. Schnell geht er an den Arbeitsplätzen entlang, um zu prüfen, ob auch alle PCs eingeschaltet und mit dem WLAN verbunden sind. An den Bücherregalen vorbei, geht er durch die Sessellandschaft zum Ausleihterminal.

Auseinanderklaffen bei Modernisierung und Digitalisierung

Wie so viele Bibliothekare, bemüht sich Ingo Tschepe, Leiter der Stadtbücherei Norderstedt, um die Modernisierung seiner vier Stadtteilbüchereien. Mit einem bescheidenen Budget und einer meist nicht allzu üppigen Personaldecke, haben es gerade die öffentlichen Büchereien in kleinen Kommunen schwer die Digitalisierungs- und Modernisierungstrends der Großstadtbibliotheken mitzumachen. Diese bauen derzeit ihre Räumlichkeiten komplett auf die Ansprüche eines Begegnungs- und Verweilortes um, bieten eine Fülle digitaler Medien, schaffen Roboter, 3D-Drucker und Virtual Reality-Brillen an und organisieren Veranstaltungen für jede Zielgruppe. Doch das setzt entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen voraus.

Dorfbücherei hat schlechte Chancen bei Förderprogrammen

Das zeigt sich auch bei den Nutzerzahlen. Bei öffentlichen Bibliotheken in Städten mit über 100.000 Einwohnern steigen die Zahlen, insgesamt sinken sie. „Derzeit gibt es bei der Digitalisierung und Modernisierung ein klares Auseinanderklaffen zwischen großen und kleinen Kommunen“, sagt auch Barbara Lison, Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes. „Wir hoffen, dass Länder, Kommunen und Bibliotheken dies ändern können, denn so lassen sich unmöglich gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Teilen unseres Landes herstellen.“ Eine Möglichkeit die finanzielle Ausstattung der Bibliothek zu verbessern sind Fördermittel. Diese gehen jedoch überdurchschnittlich oft an große Bibliotheken. „Eine kleine Bibliothek hat viel schlechtere Chancen Fördergelder zu bekommen, weil ein Bibliothekar, der sich alleine um eine Bibliothek kümmert gar nicht die Kapazitäten hat einen guten Antrag zu formulieren“, sagt Claudia Lux, Vorstandsmitglied des Internationalen Bibliotheksverbandes. „Hier könnte die Kommune unterstützen, indem sie dem Bibliothekar einen Kultur- oder Rechtsreferenten zur Seite stellt, der den Antrag mit ihm zusammen schreibt.“

Welche Förderprogramme gibt es?

Denn es gibt einige hilfreiche Förderprogramme. Die angesprochene Kulturstiftung des Bundes hat gleich mehrere Förderprogramme auf die sich Bibliotheken bewerben können. Da wäre das Programm hochdrei, speziell für öffentliche Bibliotheken. Der Fonds stellt Fördermittel in Höhe von 50.000 bis 200.000 Euro bereit für beispielhafte Vorhaben, die mit weiteren Partnern aus der Stadtgesellschaft entwickelt und durchgeführt werden. Die Projekte sollen den Ort Bibliothek durch kreative Veranstaltungsformate als Raum der Begegnung, des kulturellen Austausches und der gesellschaftlichen Debatte zukunftsorientiert ausbauen. Die Ausschreibung läuft noch bis zum 31. August. Darüber hinaus gibt es das Programm 360°. Kultureinrichtungen können hier mit bis zu 360.000 Euro über vier Jahre gefördert werden. Das Geld soll einer konstruktiven Begegnung mit der Einwanderungsgesellschaft zukommen. Die Bereiche Programm, Publikum sowie Personal können mit dem Geld gefördert werden. Die derzeitige Ausschreibung läuft noch bis zum 30. Juni. Strukturschwache Kommunen können zudem EU-Mittel zur Förderung ihrer Kultureinrichtungen beantragen.

Dorfbücherei

Wir versuchen so viele Projektmittel wie möglich zu sammeln. Wir haben Stadtentwicklungsförderung für die Renovierung unserer Stadtteilbibliothek in Kalk bekommen, EU-Förderung für unsere Digitalisierungsprojekte und bekommen auch Geld von der Landeskulturförderung.

Hannelore Vogt, Direktorin der Stadtbibliothek Köln

Darüber hinaus gibt es in Köln auch Fördervereine, die der Bibliothek finanziell helfen. So etwa bei dem Aufbau einer neuen Minibibliothek in Chorweiler. Bibliotheken sind auch auf Unterstützung aus der Politik angewiesen. Diese sollten sie aktiv einholen, rät Barbara Lison. „Der erste Schritt, breite gesellschaftliche Unterstützung für die Bibliothek zu organisieren, sollte sein einen Freundesverein zu gründen“, sagt die Bibliotheksdirektorin. „Hier sollte man besonders Bürger ansprechen, die "Türöffner" in Richtung Politik und Verwaltung sein können.“ Und auch darüber hinaus sollte der direkte Kontakt zur Verwaltung gesucht werden. Und das nicht nur zum Kulturbereich, sondern auch zur Kämmerei, dem Rechnungsprüfungsamt und anderen Stellen, die über die Finanzierung der Bibliothek mitentscheiden. Diesen Stellen sollte man deutlich machen, was bereits gut läuft und wo Mittel benötigt werden, um die Versorgung noch zu verbessern. „Man sollte da auch zeigen, was man bereits alles geleistet hat und nicht nur Mängel und fehlende Ressourcen beschreiben“, rät Lison. Und auch Präsenz in den Ausschüssen sollte ein Bibliotheksdirektor zeigen. Selbst wenn man kein Rederecht habe, sei es lohnenswert durch Anwesenheit auf sich aufmerksam zu machen.

Tipps für die Dorfbücherei

In den skandinavischen Ländern werden jährlich pro Einwohner 50 bis 60 Euro für die öffentlichen Bibliotheken ausgegeben. In Deutschland sind es nur 12 Euro. Diese klare Differenz zeigt den unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Stellenwert, der der Bibliothek als Einrichtung für die Bürgerinnen und Bürger zugewiesen wird und der sich sicherlich auch auf die Zufriedenheit und den Bildungsstand der Bevölkerung auswirkt.

Barbara Lison, Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes

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