Digitalisierung des Tourismus - spannende Beispiele!
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Digitalisierung des Tourismus - ein Muss?

Wie können Regionen mehr Gäste gewinnen? Etwa mithilfe von Social Media? Und welche Rolle spielen digitale Angebote im Ort dabei? Eine Expertin klärt auf!

Wandern zwischen Reben und Kunst, baden bei wechselndem Licht und klassischer Musik oder eine Stadtführung per Podcast – Urlaub wird längst nicht mehr nur als Möglichkeit zur Entspannung wahrgenommen, sondern auch als Erlebnis. „Der Tourismusbereich entwickelt sich rasant weiter, die Konkurrenz schläft nicht. Viele Gäste erwarten digitale Services und Kommunen und Unternehmen sollten darauf reagieren“, sagt Nicole von Stockert. Sie ist Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft.

 

Digitalisierung des Tourismus
Mit der fortschreitenden Digitalisierung erwarten auch die Kunden immer mehr, erklärt Nicole von Stockert

 

„Regionale Akteure müssen immer wieder aufs Neue hinterfragen, wie sie Kunden erreichen. Sie können sich nicht mehr darauf verlassen, dass potenzielle Gäste die eigene Homepage besuchen, um sich dort über touristische Angebote zu informieren.

Denn viele, gerade jüngere Menschen, entscheiden sich aufgrund von Posts in den sozialen Netzwerken für den Urlaub in einer Region.

Auf Instagram und Facebook werden sie von schönen Fotos, Erfahrungsberichten und Hashtags inspiriert. Deshalb bietet es sich an, sie in den sozialen Netzwerken abzuholen und von einem Urlaub in der Region zu überzeugen“, verrät von Stockert.

 

Ein paar #Hashtags - und die Sache läuft wie von selbst?

 

So versucht Schleswig- Holstein mithilfe von Hashtags mehr Gäste über Twitter und Instagram zu gewinnen – bislang hat das aber nur mäßig Erfolg. Denn unter den Hashtags #Glücksküste und #SHUrlaub finden sich nicht einmal 50 Bilder.

„Erfolg über Nacht gibt es nicht - auch nicht in den sozialen Netzwerken. Eine Marketing-Strategie muss deshalb immer wieder angepasst, verbessert oder erweitert werden“, so von Stockert.

Zum Beispiel könnten die Hashtags über Kooperationen mit Bloggern, Gewinnspiele oder Medienberichte bekannter werden. Aus Sicht der Tourismus-Expertin werden digitalaffine Kunden aber auch durch einzigartige Angebote in eine Region gelockt. Dazu gehören zum Beispiel spezielle Rad-und Wanderwege, wie etwa der 189 Kilometer lange Erlebnisradweg Hohenzollern. 13 Kommunen haben hierfür zusammengearbeitet und eine App erstellt, die über eine integrierte Karte mit GPS-Standorterfassung verfügt und Angebote von Gastgebern und Gastronomie in der Nähe anzeigt. Über Augmented Reality können Highlights des Radweges besichtigt werden, selbst wenn sie geschlossen sind. Auch die historische Geschichte wird dadurch auf ganz andere Weise erzählt.

 

Die Digitalisierung des Tourismus muss weiter gedacht werden

 

In der nordrhein-westfälischen Stadt Minden wiederum können Touristen eine digitale Stadtführung machen. An den Sehenswürdigkeiten wurden 70 kleine Sender angebracht. Mit dieser Infrastruktur erkunden Touristen die Stadt per Podcast auf eigene Faust. Auch für die ortsansässigen Unternehmen gibt es Vorteile: Push-Nachrichten schicken den Touristen Gutscheine und Rabattaktionen auf das Smartphone, sodass dadurch mehr Kunden in die Läden gelockt werden. An bestimmten Orten kriegt der Gast sogar aufmunternde Nachrichten auf sein Handy, die Denkanstöße geben und zu einem Moment der Ruhe im hektischen Alltag aufrufen sollen.

„Ein weiteres gelungenes Projekt ist das Content-Netzwerk Brandenburg, das den Deutschen Tourismuspreis 2018 erhalten hat“, verrät die Sprecherin. Hierbei handelt es sich um ein Redaktionssystem für Orte, Unternehmen und Gäste. Kommunen und Unternehmen haben hier die Möglichkeit, Informationen zu Unterkünften, Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten einzustellen. Und der Gast kann die Daten über eine App, auf der Homepage oder an Infoscreens abrufen. Pro Jahr werden 1.000 Übernachtungsanbieter, 25.000 Veranstaltungen und 13.000 Sehenswürdigkeiten in das Netzwerk eingepflegt.

 

Verschiedene regionale Akteure geben die Informationen ein und die Kunden kriegen die Daten personalisiert ausgespielt. Jeder Gast soll so zu jeder Phase mit den wichtigsten Informationen versorgt werden.

 

Eins steht fest: Der lokale Tourismus muss richtig vermarktet werden!

 

Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das Thema Digitalisierung vor Ort aufgegriffen wird und welche Chancen sich dadurch ergeben. Nämlich, dass die Gäste die wichtigsten Informationen erhalten – unabhängig von den Öffnungszeiten. Aber auch, dass sie über Angebote und Rabattaktionen aufgeklärt werden und auf eigene Faust eine Stadt oder Region entdecken. „Es ist gar nicht zwingend notwendig, dass jede Kommune zum Digital-Star wird. Denn auch alternative Konzepte, wie das Reisen ohne Smartphone, Laptop oder Tablet - Stichwort „Digital Detox“ werden beliebter und natürlich
kann eine Kommune auch ein solches Angebot zu ihrem Markenzeichen machen. Doch: Auch diese müssen richtig vermarktet werden und spätestens
dann kommen wieder digitale Kanäle mit ins Spiel“, berichtet von Stockert.

 

Digitalisierung im Tourismus? Ja, aber der Breitbandausbau ist dringende Voraussetzung!
Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft fordert den flächendeckenden Breitbandausbau. Denn Unternehmen und Gäste sind auf schnelles Internet angewiesen. Gäste erwarten es, weil sie z.B. ihre Urlaubsfotos zeitnah auf Instagram teilen, per Messenger kommunizieren oder auch im Urlaub abends einen Film streamen wollen; die Unternehmen brauchen es zudem für viele Betriebsabläufe – vom Marketing über die Bearbeitung von Buchungen bis hin zur Steuererklärung.

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