Wassermangel
Wassermangel in Brandenburg - Der Nebenfluss der Elbe Schwarze Elster ist streckenweise ausgetrocknet.
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Ressourcenknappheit

Wassermangel: Sitzen Kommunen bald auf dem Trockenen?

Der Umgang mit der Ressource Wasser ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen in den Kommunen. Was Kommunen, Verbände und Politik planen, damit das Trinkwasser nicht knapp wird.

Im August war die Schwarze Elster streckenweise ausgetrocknet. So wie schon 2018 und 2019. Der Nebenfluss der Elbe, der im Lausitzer Bergland entspringt, war in früheren Jahren eher für seine Hochwasser bekannt. Doch in den letzten drei Jahren wurde er zu einem der Symbole des Klimawandels im Osten Deutschlands. Dreimal hintereinander versiegte er im Sommer. Ein anderes Beispiel: Die Peitzer Teiche, Heimat des weithin bekannten Karpfens. Im August 2020 mussten die jahrhundertealten Gewässer teilweise notabgefischt werden. Rund zwei Drittel der Teiche der „Peitzer Edelfisch Handelsgesellschaft“ konnten wegen  Wassermangel nicht mehr bewirtschaftet werden. Die Bäche und Fließe, die das kühle Nass ansonsten in die Fischteiche transportierten, waren zu schwach. Oder sogar ganz versiegt.

Der Klimawandel führt zu Trockenheit

Vor allem der Osten Deutschlands leidet nun schon seit mehreren Jahren unter extremer Dürre. Ein Problem, das zunehmend auch den Kommunen zu schaffen macht. „Die Klimaveränderung der letzten Jahre hat in Brandenburg zu einer massiven Trockenheit geführt“, sagt der Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker. „Diese Fragen müssen wir stärker in den Focus nehmen.“ Denn das Trinkwasser sei ein wichtiges Gut: Nicht nur zur Versorgung der Bevölkerung, auch die Ansiedlung von Industrien – wie etwa des Elektroautobauers Tesla in Grünheide bei Berlin – hänge zunehmend davon ab, ob für das Unternehmen genügend Wasser vor Ort zur Verfügung steht.

Auch beim Umweltbundesamt kennt man das Problem: „Wenn man sich ansieht, wie viel Wasser im Durchschnitt entnommen wird und welches Wasserdargebot wir in Deutschland haben, sind wir eigentlich kein Land, das Wasserstress hat“, sagt Corinna Baumgarten, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Umweltbundesamt. „Es ist aber so, dass die Niederschläge regional sehr unterschiedlich verteilt sind.“ Deswegen könne es gerade bei anhaltender Trockenheit örtlich durchaus zu Konflikten kommen: Nicht überall reiche dann das vorhandene Wasser für alle Nutzungen aus.

Bodenversiegelung verhindert die Versickerung von Regenwasser

Ein wichtiges Thema ist die Neubildung von Grundwasser: „Es geht darum, das Regenwasser in der Fläche zu halten“, sagt Baumgarten. „Aufgabe der Kommunen wäre es deswegen, für eine gute Versickerung zu sorgen.“ Weniger Betonflächen und ein Stadtklima, das weniger aufgeheizt ist, wären hier wichtige Maßnahmen. „Erreichen kann man viel, wenn man sich um Grünflächen, um Dach- und Fassadenbegrünung, um Teiche und Zisternen kümmert“, meint Baumgarten. „Es geht darum, das Wasser in temporären Strukturen zu halten, um es dann gezielt versickern zu lassen.“ Und für Stark­regenereignisse braucht es ihrer Meinung nach hinreichend Grünflächen, wo das Wasser zurückgehalten und in den Boden gelangen kann, damit es zu Grundwasser werden kann, statt über die Kanalisation weggetragen zu werden.

Die Wasserversorgung in den östlichen Bundesländern ist leichter

„Wir müssen auch die Strukturen in der Versorgung pflegen“, ergänzt der Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker. In den fünf östlichen Bundesländern gibt es überwiegend großräumige Wassernetze. Dort sei es leichter, das Wasser dorthin zu leiten, wo es gebraucht werde. Im ländlichen Raum der alten Bundesrepublik ist die Versorgung dagegen oft kleinteiliger. „Dort haben sich kleine Städte und Dörfer irgendwelche Behälter in den Berg gesetzt, immer in der Erwartung, dass da in ausreichendem Maß Wasser zur Verfügung steht.“

Doch die Sommersaison 2020 zeigte das Gegenteil: Wegen des Corona-Virus blieben viele Menschen im Sommer zu Hause. Urlaubsträume in der Karibik fielen aus, stattdessen wurden das Planschbecken oder der Swimmingpool im heimischen Garten genutzt – und mit Trinkwasser aus den Leitungen befüllt. Weswegen etwa in der niedersächsischen Gemeinde Lauenau im Sommer plötzlich kein Wasser mehr aus dem Hahn kam. Das zeigt, wie knapp die Versorgung mancherorts schon heute kalkuliert ist.

Private Schwimmbäder können ein Problem sein

„Wenn jeder sein eigenes Schwimmbad baut, stoßen kleinräumige Strukturen schnell an Grenzen“, sagt Zenker. Daneben müssen sich auch Kommunen an sparsame Wassernutzung gewöhnen. Muss wirklich jeder Stadtparkrasen auch im Hochsommer so grün leuchten, wie in einem Gartenbaukatalog?

„Städtisches Grün ist für das Mikroklima in der Stadt wichtig“, sagt Baumgarten. Trotzdem sollte man es effizient bewässern. Statt mit einem großen Sprenger das Wasser weiträumig über die Grünflächen zu verteilen, seien Systeme sinnvoller, die das Wasser direkt an den Wurzelbereich von Bäumen und Sträuchern geben. Das beugt Verdunstung vor, die am Ende keiner Pflanze hilft. Und bei jungen Straßenbäumen, deren Wurzeln noch nicht tief ins Erdreich dringen, würden so genannte Bewässerungssäcke helfen, bei denen das dort hineingefüllte Wasser dann nach und nach im Erdreich versickert. „Damit kann man auch die Bewässerung in Gemeinden aufrecht erhalten, wo es im Sommer mit dem Wasser eher knapp wird“, so Baumgarten.

Kann die "Nationale Wasserstrategie" den Wassermangel verhindern?

Um die Kommunen in der Frage des Umgangs mit dem kühlen Nass besser zu unterstützen, kündigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze kürzlich eine „Nationale Wasserstrategie“ an, die im kommenden Jahr vorliegen soll. Denn die immer häufiger auftretenden Fälle von Wasserknappheit zeigten, dass man dringend eine Hierarchie für die Nutzung von Wasser festlegen müsse, meint die Bundesregierung. „Klar ist zunächst einmal: Wir brauchen neue Regeln. Die höchste Priorität hat die Versorgung der Menschen mit Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen.“

Daran dürfe es keinen Zweifel geben. „Das ist ein Menschenrecht“, so die Ministerin. Grundlegend diskutiert werden müsse aber über alles, was danach geschehe: Muss zuerst das Schwimmbad dichtmachen, wenn das Wasser nicht mehr reicht oder dürfen die Bewohner einer Stadt dann ihre Gärten nicht mehr wässern? Die größte Verantwortung in solchen Situationen würden wohl auch weiterhin die Kommunen haben. Denn solche Entscheidungen müssten auch in Zukunft „immer vor Ort getroffen“ werden. „Aber wir sollten den lokalen Behörden mit einer nationalen Wasserstrategie klarere Vorgaben und Orientierungen an die Hand geben“, fordert Schulze.

Der Verband Kommunale Unternehmen begrüßt "Nationale Wasserstrategie"

Diese Pläne stoßen auch beim Verband der Kommunalen Unternehmen auf positive Resonanz. „Die Quantität und Qualität der Ressourcen, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, ist entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung, Wirtschaft und Landwirtschaft – und die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen“, sagt der VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebig. „Wasser ist systemrelevant.“ Wenn das „Wasserdargebot“ nicht für alle Nutzungen reicht und eine Abwägung nötig ist, muss aber die öffentliche Wasserversorgung aus seiner Sicht Vorrang haben. „Sie ist mehr als die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung: Vom Arzt bis zum Zoo sind alle auf die Wasserversorgung angewiesen.“

Künftig sollten Wasserressourcen von vornherein intelligent gemanagt werden – und dafür sollten in den Kommunen alle Akteure an einen Tisch gebracht werden: Behörden, Landwirte, die Wirtschaft und die Versorger. Denn während sich ein Wasserwerk seine Entnahmen für die Trinkwasserversorgung genehmigen lassen muss, gilt das für die von Landwirten zum Abfluss von Wasser angelegten Drainagen nicht - „obwohl sie massiv in den Wasserhaushalt eingreifen.“

Die Ressource Wasser wird noch wertvoller werden

„Im Moment sind wir noch in einer Beobachtungsphase“, bilanziert der Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker. Aber klar ist schon heute: Der Umgang mit dem Wasser rollt als Problem auf die Kommunen zu. „Wir werden auch die Entnahme von Oberflächenwasser stärker regeln müssen“, blickt der Brandenburger Politiker in die Zukunft. Und man werde sich die Frage stellen müssen, ob sich jeder Häuslebauer einen privaten Grundwasserbrunnen anlegen darf, um bei der Trinkwasserrechnung zu sparen. Denn: Die Ressource Wasser dürfte in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland eher knapper und wertvoller als häufiger werden. Und das nicht nur im Süden Brandenburgs und an der Schwarzen Elster.

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