Wie funktioniert eine interkommunale Zusammenarbeit?
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Interkommunale Zusammenarbeit: Es gibt keine Grenzen!

Durch interkommunale Zusammenarbeiten lassen sich mehre Millionen Euro einsparen. Wie das funktioniert und wieso man dafür nicht nur innerhalb eines Landkreises zusammenarbeiten muss, erfahren Sie hier.

Sie stärkt die Leistungsfähigkeit der Kommunen, macht sie fit für den Wettbewerb und spart Kosten und Personal ein: die interkommunale Zusammenarbeit (IKZ).

Unter dieser versteht man die Kooperation von Kommunen in unterschiedlichen Bereichen, wie dem Tourismus, dem Klimaschutz oder der Digitalisierung. In ganz Deutschland werden die interkommunalen Zusammenarbeiten beliebter. Zwar haben sich noch nicht alle Kommunen dazu überwunden, mit Nachbarstädten- oder Gemeinden zusammenzuarbeiten. Doch tolle Vorbildbeispiele beweisen, wie kraftvoll solche Kooperationen tatsächlich sein können.

Mit einer interkommunalen Zusammenarbeit lässt sich sehr viel Geld sparen

 

So haben sich zum Beispiel im hessischen Kreis Groß-Gerau 14 Städte und Gemeinden zusammengetan und mehrere Themenfelder in interkommunaler Zusammenarbeit bearbeitet. Hierzu gehören unter anderem die Gründung eines interkommunalen Vergabezentrums, das E-Government, die Einführung der E-Rechnung und des elektronischen Rechnungsworkflows sowie die Aktivierung von Wohnraumpotenzial.

Da die Kommunen sehr strukturiert vorgegangen sind und Methoden des Projektmanagements angewendet haben, gilt das Vorgehen landesweit als beispielhaft.

12 Kommunen und 11 kommunale Unternehmen des Kreises kaufen nun auch Strom und Gas zusammen ein – mit hervorragendem Ergebnis!

In den Jahren 2016 und 2017 wurden so insgesamt 4,5 Millionen Euro eingespart.Geld, das die Kommunen dringend gebrauchen können. Und Geld, das den Bürgern letztlich zugutekommt.

 

Einmal interkommunale Zusammenarbeit, immer interkommunale Zusammenarbeit?

 

Motiviert durch das schöne Ergebnis, haben die drei Städte Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach die interkommunale Zusammenarbeit noch ausgeweitet und ihre Friedhofsverwaltungen zusammengelegt. Dadurch konnten sie insgesamt 44 Prozent der Kosten einsparen. Für die Stadt Raunheim fiel der Gewinn sogar noch höher aus. Nämlich auf satte 74 Prozent!

Die Ergebnisse überzeugen. Und die Planungen für weitere interkommunale Zusammenarbeiten laufen in vollem Gange: So will die Stadt Rüsselsheim in Zukunft die Verwaltung des Raunheimer Schwimmbads übernehmen. „Der Betrieb solcher Einrichtungen verläuft im Wesentlichen immer gleich, weshalb die Aufgabe statt von zwei auch von einer Kommune übernommen werden kann. Hierdurch sparen wir Kosten und können das Bad wirtschaftlicher betreiben“, weiß Marion Götz, die Fachbereichsleiterin für zentrale Dienste und Finanzen bei der Stadt Raunheim, die auch Leiterin der IKZ-Lenkungsgruppe im Kreis ist.

Marion Götz spriht über die interkommunale Zusammenarbeit

Eine interkommunale Zusammenarbeit kann auch scheitern, wenn...

 

Doch neben all den schönen Erfahrungen weiß Götz auch, wie schnell es zu negativen kommen kann. Zum Beispiel, wenn „Verwaltungen lange Zeit an einem Konzept arbeiten, die Gremien aber bis zum Schluss nicht eingebunden werden und es dann zum Ende hin plötzlich heißt, dass diese das Projekt schnellstmöglich umsetzen müssen“, weiß Marion Götz. Denn sobald die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihnen die IKZ übergestülpt wird, wächst der Unmut - und das sehr schnell.

Deshalb setzt die Expertin vor allem auf Informations- und Know-how-Austausch auf allen Ebenen. Wie dieser auch über Kreisgrenzen hinweg zum Nutzen aller Beteiligten funktioniert, zeigt ein Beispiel von Marion Götz, die seit Juli 2018 als Erste Stadträtin der Stadt Friedberg (Hessen) tätig ist und seitdem von hier aus den interkommunalen Austausch zwischen Kommunen des Kreises Groß-Gerau und des Wetteraukreises vorantreibt. „Dieser kreisübergreifende Brückenschlag wird sich nützlich in einem erweiterten Themenspektrum, einem erweiterten Kreis von Beteiligten im know-how Austausch und der Erweiterung des Aktionsradius bei Projekten der interkommunalen Zusammenarbeit auswirken“, so Marion Götz. Für Götz, so scheint es, spielen geografische Grenzen weniger eine Rolle, als die, die sich die Beteiligten im Geiste setzen können.

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