Digitalisierung
KI als Beschleuniger in den Kommunen
Bei der Diskussion über die Digitalisierung Deutschlands steht meist die Kritik im Vordergrund. Deutschland habe den Anschluss verpasst, die Digitalisierung der Verwaltung verlaufe zu langsam, es fehlten noch immer E-Akten und durchgängige digitale Prozesse. Diese Defizite sind real. Aber sie sind nicht die ganze Wirklichkeit. Wer tiefer in die kommunale Praxis schaut, entdeckt eine andere Entwicklung. In vielen der rund 11.000 Kommunen entstehen neue Lösungen ohne große öffentliche Aufmerksamkeit.
Seit gut einem Jahr gibt es dabei einen neuen Treiber: die Künstliche Intelligenz (KI). Meine jüngste Reise durch 47 Kommunen im Freistaat Sachsen hat mir gezeigt: KI ist überall ein Thema. Die Veränderungen betreffen nicht nur die Technik, sondern zunehmend auch die Organisation, die Prozesse und das Personal.
Wenn Beschäftigte der Verwaltung voraus sind
Dabei ist vielerorts bereits eine Art Schatten-KI entstanden. Beschäftigte nutzen private KI-Accounts und übertragen die Ergebnisse in ihre tägliche Arbeit. Das birgt Risiken für den Datenschutz, die Informationssicherheit und die Vertraulichkeit. Es zeigt sich aber auch, dass viele Beschäftigte KI als unmittelbar nützlich erleben. Bei KI nutzen die Mitarbeiter die Werkzeuge teilweise schneller als die Organisation Regeln dafür schaffen kann. Jetzt sind sichere Angebote, klare Dienstanweisungen und Qualifizierungen gefragt.
So arbeitet die digitale Assistentin in Holzminden
Wie KI konkret eingesetzt wird, zeigt Holzminden. Dort unterstützt die digitale Assistentin „Emma“ drei Verwaltungsprozesse. In der Wohngeldstelle erfasst sie digitale Anträge und Anlagen und überträgt die Daten in Fachanwendungen. In der Finanzverwaltung liest sie SEPA-Lastschriftmandate automatisiert aus. Zudem verteilt sie die digitale Eingangspost an die zuständigen Bereiche. Die Verwaltungsentscheidung bleibt jedoch immer beim Menschen.
Bad Nauheim macht Bürgerwünsche sichtbar
Bad Nauheim wiederum nutzt KI bei der Bürgerbeteiligung zur Zukunft der Karlstraße. Bürger können ihre Vorstellungen für den öffentlichen Raum beschreiben. Eine KI übersetzt diese Wünsche in Bilder. So werden Ideen sichtbar und diskutierbar.
Auch der Bund unterstützt solche Entwicklungen. Im „Agentic AI Hub“ wurden in einer ersten Pilotphase 20 Projekte in 19 Kommunen gemeinsam mit Start-ups getestet. Dabei konnten die Durchlaufzeiten bei komplexen Anträgen teilweise drastisch reduziert werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr: Wo wird KI ausprobiert? Sondern: Wie bringen wir erfolgreiche Anwendungen schnell in die Fläche? Es wäre absurd, wenn 11.000 Kommunen dieselben Probleme eigenständig lösen würden. Nicht jede Kommune braucht eine eigene KI-Abteilung. Sie braucht Zugang zu sicheren, erprobten und nachnutzbaren Lösungen.


