Seniorin in einem Taxi
Senioren ab 75 Jahre bekommen einen Zuschuss zum Taxifahren.
© Adobe Stock

Mobilität

Kommune bezahlt halben Preis fürs Taxi

Senioren ab 75 Jahre können in Vilshofen bald bis zu acht Mal im Monat zur Hälfte des Preises Taxi fahren. Bürgermeister Florian Gams erläutert auf Anfrage von KOMMUNAL: So sieht das geplante Zuschussmodell für Ältere, Schwerbehinderte und finanziell schlecht gestellte Bürgerinnen und Bürger aus.

Senioren ab 75 Jahre, aber auch Schwerbehinderte und Bedürftige mit einem Berechtigungsschein der Tafel sollen in der niederbayerischen Stadt Vilshofen an der Donau leichter von A nach B kommen. Die  weitläufige 17.500-Einwohner-Kommune mit über 100 Ortsteilen und Weilern will damit ein zusätzliches Angebot für mehr Mobilität schaffen: mit acht Taxifahrten im Monat, die von der Stadt je zur Hälfte bezahlt werden. KOMMUNAL fragte bei Bürgermeister Florian Gams nach, wie das neue Zuschusssystem für die Fahrt mit dem Taxi funktionieren soll.

Taxi statt Fahrgemeinschaft in Corona-Zeiten

"Fahrgemeinschaften zu bilden, ist in Corona-Zeiten nicht so einfach möglich", sagt der Bürgermeister. "Wir haben uns deshalb umgeschaut und umgehört, welche Möglichkeiten es gibt. Unser Ziel ist es, dass gerade ältere, schwerbehinderte und bedürftige Bürger innerhalb des Stadtgebietes unkompliziert und schneller unterwegs sein können." Denn der öffentliche Nahverkehr mache es vielen Menschen ohne Auto in den etwas entfernteren Ortsteilen schwer, spontan etwas zu erledigen. "Wir hatten noch vor der Corona-Pandemie verabredet, dass mich Kindergarten-Kinder aus einem solchen Ortsteil im Rathaus besuchen kommen. Im Zeitfenster 8 bis 12 Uhr war es der Gruppe aber nicht möglich, mit dem Bus hin - und zurückzukommen", schildert er die Situation.

Die Stadt will laut Stadtratsbeschluss dann den Zuschuss zahlen, wenn die Fahrt kein anderer Kostenträger übernimmt. "Wir denken da an die alleinstehende Mutter mit schlechten Einkommensverhältnissen und mehreren Kindern", sagt Bürgermeister Gams. Als Vorbild für das Taxi-Zuschusssystem orientierten sich die Vilshofener an der Stadt Pocking. Dort dürfen allerdings schon über 65-Jährige zum halben Preis im Taxi unterwegs sein.

Fahrt mit dem Taxi vielen zu teuer

"Mobilität im Alltag ist für alle von enormer Wichtigkeit. Einige unser Mitbürgerinnen und Mitbürger sind jedoch in dieser Mobilität stark eingeschränkt. Ein eigenes Auto steht vielen nicht (mehr) zur Verfügung", schrieben SPD und die Überparteiliche Wählergemeinschaft ÜW  in ihrem Antrag für das Zuschusssystem. Der Öffentliche Nahverkehr sei dabei häufig keine große Hilfe und auch eine Fahrt mit dem Taxi sei für viele eine große finanzielle Belastung. Der Vilshofener Stadtrat stimmte dem Antrag einstimmig zu.

Die Stadträte formulierten allerdings auch Bedingungen: Die Fahrt darf nur zwischen 6 und 20 Uhr innerhalb des Stadtgebietes stattfinden. Und: Es muss ein örtliches Taxiunternehmen damit beauftragt werden. Hin- und Rückfahrt gelten jeweils als eigene Fahrt.

Vilshofen an der Donau
Vilshofen an der Donau - die Stadt hat zahlreiche Ortsteile.

Geplant ist, dass die Stadt für dieses und nächstes Jahr jeweils 1500 Euro im Haushalt einplant. Das Programm ist vorerst auf zwei Jahre befristet.

Stadt will örtliche Taxiunternehmen unterstützen

Der Beschluss soll einen Nebeneffekt haben: Die Stadt will damit die drei örtlichen Taxiunternehmen unterstützen, die im Vilshofener Dauer-Lockdown seit Dezember vorigen Jahres kaum Kunden haben. Wettbewerbsrechtlich sei dies kein Problem, hofft die Kommune.

Warum ein Taxi und kein Bürgerbus? Bürgermeister Gams betont: "Das eine muss das andere nicht ersetzen. Das Taxi-Modell ist schneller und mit weniger Verwaltungsaufwand umzusetzen."

Bürgerbusse: Oberreichenbach Vorreiter

Bürgerbusse gibt es in vielen Kommmunen. Die 2900-Einwohner-Gemeinde Oberreichenbach im Schwarzwald ist stolz auf ihren Titel:  "Deutschlands erste Elektro-Bürgerauto-Gemeinde", wie KOMMUNAL berichtete. Inzwischen haben viele andere Kommunen diese Idee nachgeahmt. "Vor zwölf Jahren haben wir uns dafür entschieden",  sagt Bürgermeister Karlheinz Kistner. Das Fahrzeug wird ausschließlich von Ehrenamtlichen gefahren, die 20 Euro am Tag dafür bekommen. "Bei uns waren die Buse mit immer weniger Fahrgästen unterwegs, da mussten wir uns was einfallen lassen." Der Service wird vor allem von ganz jungen und älteren Menschen genutzt. Der Gast- ob Kind oder Seniorin - wird zu  Hause abgeholt und zum Ziel in die Nachbargemeinden oder in die Städte Bad Wildbad und Calw gebracht. "Wir dürfen alles", sagt Bürgermeister Kistner, "nur das Bürgerauto abschaffen, das dürfen wir nicht."  Pro Jahr nutzen das Angebot rund 2000 Bürger.



 

Fotocredits: Vilshofen an der Donau: privat