das Landleben wird immer beliebter
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Das Landleben wird immer beliebter - das bekommt auch der Wohnungsmarkt zu spüren

Studie: Trend zum Landleben gewinnt rasant an Fahrt

Wie weit viele Studien doch daneben liegen konnten - von wegen, die Städte werden immer voller, wir müssen Wohnungen in den Großstädten schaffen. Eine neue Studie zeigt genau das Gegenteil. Die Menschen ziehen inzwischen reihenweise sogar in Gegenden, die noch vor wenigen Jahren von Abwanderung gekennzeichnet waren!

Anders als von vielen behauptet, finden die in großem Maße gebauten Häuser in ländlichen Regionen seit einigen Jahren wieder neue Eigentümer. Das Landleben wird immer beliebter. Das belegt eine Studie des Marktforschungsinstituts Empirica, aus dem dem Tageszeitung Welt heute ausführlich zitiert. Demnach geht der Leerstand im ländlichen Raum deutlich zurück. Mehr sogar: der Studie zufolge müssen 151.000 neue Eigenheime in Form von Ein- und Zweifamilienhäusern neu gebaut werden, um die Nachfrage zu stillen. 

Betraf die Situation bisher vor allem den sogenannten Suburbanen Raum - also die Orte in unmittelbarer Nähe von Städten, so ziehen viele Menschen inzwischen auch wieder in Regionen, die bis vor ein paar Jahren als "demografischer Problemfall" gekennzeichnet wurden. Sprich, hier wurde behauptet, in Kürze würden nur noch "die Alten" zurückbleiben, die Orte könnten vergreisen. Doch das Landleben erlebt bereits seit dem Jahr 2011 ein Comeback, was jetzt deutlich sichtbar wird. 

 

Das sind die Gründe für den Wunsch nach dem Landleben

 

Laut Studien sind es vor allem junge Familien, die sich nach dem Landleben sehnen. Gerade mal 11 Prozent der Familien in Deutschland geben an, ihr Wunsch sei es, in der Großstadt zu leben. In der Gesamtbevölkerung (inklusive Singles) sind es auch "nur" 19 Prozent. Dieser Trend hat laut der Empiria Studie seit dem Jahr 2011 zu einer massiven Veränderung auch im Kauf- und Wohnverhalten der Deutschen geführt, die jetzt deutlich sichtbar wird. Institutsleiter Reiner Braun sagte der Welt: "Der Leerstand ist in jedem Jahr seit dem Jahr 2011 zurückgegangen. Erst hat die Zuwanderung aus dem europäischen Ausland eingesetzt, dann kam noch die steigende Zuwanderung aus Osteuropa hinzu und obendrauf die Binnenwanderung aus den Städten hinzu". Zudem seien auch etliche Flüchtlingsfamilien in leer stehende Ein- und Zweifamilienhäuser untergebracht worden. Oder sie würden von Deutschen "mit etwas handwerklichem Geschick und mit Eigenleistung" umgebaut. 

 

Es gibt Ausnahmen bei der Zuwanderung in den ländlichen Raum 

 

Das Landleben wird zwar immer beliebter, es gibt aber dennoch Regionen, in die die Menschen aus verschiedenen Gründen nicht ziehen wollen. Daher gibt es weiterhin einige wenige Landkreise, in denen es laut der Studie zu viele Neubauten von Eigenheimen gibt. Dazu gehört etwa der Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz, aber auch die Kreise Jerichower Land und Börde in Sachsen-Anhalt. Dort entsteht laut der Studie in der Tat der Leerstand von morgen. Hier würden mehr Eigenheime gebaut als nach der Bevölkerungsprognose Zuwachs zu erwarten sei. Zu den Regionen mit zu hohem Neubauanteil gehörten zudem Kaiserslautern, der Wartburgkreis und Hildburghausen sowie der Saalekreis und Stendal. Also fast komplett Regionen in Sachsen-Anhalt. 

 

Wovor die Studie warnt, sind Regionen mit wenig Zuzug und großen Neubaugebieten am Stadtrand. Allerdings mussten die Macher der Studie diese wenigen Regionen in Deutschland schon fast suchen wie die Nadel im Heuhaufen, wie Empiria-Vorstand Reiner Braun erklärt: "Wir haben gezielt nach Gemeinden mit dem sogenannten Donut-Effekt gesucht, wo also am Stadtrand neues Bauland ausgewiesen wird auf Kosten einer entleerten Innenstadt. Das war aber nicht mehr so einfach, solche zu finden". 

 

 

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Das sind die Auswirkungen durch den Boom des Landlebens 

 

Die Empirica-Studie weist laut Welt deutlich nach, dass durch den Boom auch in vielen ländlichen Regionen die Mietpreise steigen. Denn es sind beiweitem nicht mehr nur Neubauten, die sich gut verkaufen oder vermieten lassen. Auch Bestandsbauten sind in vielen Regionen wieder gefragt. Vor allem, weil sie häufig renovierungsbedürftig sind und somit günstig erworben und in Eigenleistung "den eigenen Anforderungen" angepasst werden können. 

Erstellt wurde die Studie im Auftrag der privaten Bausparkassen. Ihr Verbandsleiter Bernd Hertweck appeliert heute in der Welt an die Politik, sich stärker um die Förderung der ländlichen Regionen zu kümmern. "Auch in ländlichen Regionen mit Leerstand kann Neubau erforderlich sein, etwa als Ersatz für nicht mehr marktfähige Altbauten. Politik und Verwaltung müssen sich stärker um die Förderung der betreffenden Regionen kümmern", so Hertweck. 

 

Die Studie befürwortet auch städtische Programme, wie "Jung kauft Alt". Das Projekt bemüht sich, verkaufswillige ältere Menschen mit kaufwilligen jungen Familien zu vernetzen. Für Kommunen sehr sinnvoll, weil solche Aktionen eine wirksame Strategie gegen Leerstand und zunehmende Flächenversiegelung auf dem Land sein können. KOMMUNAL stellt das Projekt "Jung kaut Alt" in der nächsten Ausgabe des Printmagazins ausführlich vor. Unsere Reportage führt uns in eine westfälische Kleinstadt, in der das Projekt aktiv und erfolgreich umgesetzt wird. Das Magazin erscheint am 22. Dezember. Gerne senden wir Ihnen die Ausgabe im Rahmen eines kostenfreien Probeabos zu. HIER bekommen Sie alle Informationen zu dem Testabo und Sie können es direkt bestellen. 

 

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