Gesundheit, Wohnen, Freizeit, Infrastruktur – welcher Landkreis ist besonders seniorenfreundlich? Ein Landkreis-Ranking gibt Aufschluss...
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Gesundheit, Wohnen, Freizeit, Infrastruktur – welcher Landkreis ist besonders seniorenfreundlich? Ein Landkreis-Ranking gibt Aufschluss...

Landkreis-Ranking: Wo leben Senioren am besten?

Die Messung von Lebensqualität haben sich zahlreiche Studien zur Aufgabe gemacht. Das gibt vor allem Aufschluss darüber, warum bestimmte Städte und Landkreise attraktiver sind als andere. Meist werden jedoch nur Metropolen ins Visier genommen. Anders ist es bei Landkreis-Rankings. Sie zeigen gerade in Deutschland, das von seinen starken Regionen lebt, wie groß der Gestaltungsspielraum von Kommunen ist und warum es sich lohnt, zu investieren!

Das Landkreis-Ranking zur Lebensqualität von Senioren ist auf einem komplizierten Punktesystem aufgebaut, das in 20 Kategorien erhoben wurde. Dafür haben die Forscher mithilfe von Indikatoren, die auf Kreisebene untereinander vergleichbar sind, Werte erhoben. Subjektive Wünsche werden darin nicht erfasst. Heimatgefühl, Mentalität und anderes bleiben also außen vor. Stattdessen liegen objektive Daten zugrunde, etwa Gesundheit, Sicherheit, Wohnen, Arbeit, Freizeit und Erholung. Beim Thema Gesundheit wurden zum Beispiel die Zahl der Unfälle (etwa im Haushalt aber auch im Straßenverkehr) von Senioren je 1000 Einwohner erfasst und viele andere statistische Daten mehr. Vom Einkommen bis zur öffentlichen Verkehrsanbindung. Letzteres ist der Grund, warum vor allem kleinere Städte weit vorne liegen, sehr ländliche Regionen hingegen dann doch überdurchschnittlich häufig im unteren Tabellenfeld zu finden sind. 

 

Ostdeutsche Städte sind erstaunlich häufig weit vorne 

Sprechen Forscher bei Ostdeutschland oft von abgehängten Orten, sieht es in Sachen Lebensqualität für Senioren objektiv ganz anders aus. Zwei besonders gute Beispiel sind hier Weimar und Potsdam, die Landeshauptstadt von Brandenburg. In Weimar etwa gibt es - ähnlich wie in Potsdam - eine sehr gute Altbausubstanz bei gleichzeitig noch bezahlbaren Mieten. Auch Potsdam ist im Vergleich mit anderen größeren Städten immer noch günstig. Gleichzeitig ist in beiden Städten die Infrastruktur auf dem neuesten Stand. Die Investitionen nach dem Zusammenfall des SED-Regimes haben sich hier also inzwischen bezahlt gemacht. Die Forscher sprechen bei Potsdam mit seinen Gärten und Schlössern gar von einem "Sehnsuchtsort für Senioren". Denn in keine andere Stadt Deutschlands ziehen (je 1000 Einwohner) so viele Menschen jenseits von 65 Jahren zu, wie nach Potsdam. 

 

Landkreis-Ranking: Das ist Deutschlands seniorenfreundlichste Stadt 

 

Sieger der Studie, die das Prognos Institut im Auftrag des ZDF erstellt hat, ist Jena! Die 110.000 Einwohner Stadt in Thüringen schnitt in besonders vielen Kategorien überdurchschnittlich ab, landete daher bei der Gesamtpunktzahl knapp auf Platz 1 von den insgesamt 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland.  Die Bereiche Gesundheit und Pflege etwa sind hier besonders erfolgreich (deutschlandweit Platz 6), auch Sicherheit und Infrastruktur (deutschlandweit Platz 5) stimmen. Einzig der Bereich Wohnen und Freizeit lässt hier etwas zu wünschen übrig, hier landete Jena "nur" im Mittelfeld auf Platz 219. 

Maximal möglich waren in der Studie 200 Punkte, Jena erreichte 141,5 Punkte.

 

Deutschlands Stadt mit der ältesten Bevölkerung auf Platz 2 

 

Platz 2 landete mit 140,7 Punkten nur knapp dahinter. Und auch hier fällt auf: Wieder sprechen wir über eine Stadt in Thüringen. Sie ist deutlich kleiner als Jena, hat 35.000 Einwohner. Die Rede ist von Suhl!

Das besondere der Stadt: Sie ist Deutschlands heimliche Seniorenstadt! Denn in keiner anderen Stadt sind die Menschen statistisch betrachtet so alt wie hier. Der Durchschnittseinwohner ist 50,5 Jahre alt. Zum Vergleich: Deutschlands jüngste Stadt ist die Studentenstadt Heidelberg mit einem statistischen Durchschnittsalter von 40,2 Jahren. 

Wir wollen sie nicht länger auf die Folter spannen: Die Stadt auf Platz 2 heißt Suhl! Sie punktet vor allem in den Bereichen Sicherheit und Infrastruktur, liegt hier deutschlandweit unter den 401 Kreisen auf Platz 6. Gut schneidet Suhl auch in Punkto Wirtschaft und Demografie ab, Platz 12. 

 

 

Landkreis-Ranking - das sind die Gewinner

Platz 3 im Landkreis-Ranking geht nach Hessen

 

Erst an dritter Stelle mit einem aber immer noch beachtlichen Punktestand von 136,2 Punkten landet ein Landkreis in Westdeutschland. 13 Städte und Gemeinden umfasst der Landkreis und liegt im Taunus. Gemeint ist der Hochtaunuskreis im Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen. 

Platz 4 geht dann für viele doch etwas überraschend in das insgesamt sehr ländlich geprägte Sachsen-Anhalt. Die Stadt Dessau-Rosslau hat es auf diese Position geschafft. 81.000 Menschen leben dort, es ist sehr ruhig und seniorengerecht umgebaut. Der demographische Wandel ist hier offenbar sehr gut gelungen. Gute Werte erzielt die Stadt vor allem bei Wohnen und Freizeit. Die Mieten sind sehr günstig, der Freizeitwert hoch. Auch alle anderen Werte liegen im oberen Drittel. 

Wo wir im Osten sind: Die Plätze 5 und 6 gehen nach Sachsen und nach Brandenburg, genauer an die kreisfreien Städte Dresden und Potsdam. Auf Platz sieben folgt erstmals eine Region im sehr reichen Baden-Württemberg. Ludwigsburg sicherte sich diese Position. Und in der Tat fällt auf, dass hier der Bereich Wohnen und Freizeit negativ abfällt. Auch aufgrund der Mietpreise liegt Ludwigsburg in diesem Bereich "nur" auf Platz 261, punktet dafür aber mit den Bereichen Wirtschaft und Demografie sowie Sicherheit und Infrastruktur. Auch bei Gesundheit und Pflege kann sich Ludwigsburg (Rang 60 von 401 Kreisen) sehen lassen.

Komplettieren wir die Top 10: Platz 8 geht ebenfalls nach Baden-Württemberg an den Enzkreis, Platz 9 liegt auch im Ländle, nämlich Böblingen und Platz 10 geht noch einmal in den Süden in den einwohnerstärksten Landkreis von Baden-Württemberg, Rhein-Neckar Kreis. 550.000 Menschen wohnen in den insgesamt 54 Gemeinden.

 

Das ist das traurige Schlusslicht im Landkreis-Ranking 

 

Mit nur 83,1 Punkten - zum Vergleich: Der Sieger erreichte 141,5 Punkte - geht die rote Laterne im Landkreis-Ranking nach Rheinland-Pfalz, genauer in den Eifelkreis Bitburg-Prüm. 98.000 Menschen leben dort in einem sehr ländlichen Gebiet mit sage und schreibe 234 Gemeinden. Einziger großer Vorteil der Senioren hier: Sie leben ebenfalls sehr günstig, beim Wert "Wohnen und Freizeit" kommt der Landkreis auf Platz 11 im Landkreis-Ranking. Alle anderen Werte liegen zwischen den Plätzen 344 und 401 bei Sicherheit und Infrastruktur. 

Somit ging das Schlusslicht mit 83,5 Punkten knapp an dem Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen vorbei. Der östlichste Landkreis in Niedersachsen mit seinen 48.000 Einwohnern in 27 Gemeinden weist ganz ähnliche Strukturdaten auf, wie Bitburg-Prüm.

Weit hinten liegen außerdem eine Reihe sehr ländlicher Regionen in Ostdeutschland, vor allem in Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern. Platz 399 im Landkreis-Ranking erreichte der Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Norden von Brandenburg hinter seinem Nachbarkreis Prignitz (Rang 398) und Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Rang 397). Die Uckermark (wieder Nordbrandenburg) auf Rang 396 liegt knapp hinter dem Landkreis Freyung-Grafenau in Niederbayern. Auch hier wieder eine ähnliche Struktur: Bei Wohnen und Freizeit durchaus im oberen Feld (Landkreis Ranking Platz 59), die anderen Indikatoren jedoch weit abgeschlagen. 

 

Landkreis-Ranking - das sind die Verlierer der Studie

 

Noch ein Hinweis zur Methode: Viele Landkreise, die in der Liste eher im Mittelfeld auftauchen, haben zahlreiche gute Durschnittswerte in allen Bereichen geboten, sind aber eben in keinem der Bereiche wirklich "Spitze". So landet der Landkreis Oberhavel "nur" auf Rang 293, trotz hoher Nettozuwanderung (deutschlandweit Rang 32) alle anderen Werte liegen aber zwischen Platz 200 und 330, so dass sich ein Mittelwert im unteren Mittelfeld ergibt. Ähnlich geht es auf den Plätzen 100 bis 300 sehr vielen Regionen im Landkreis-Ranking. Sie liegen aber alle sehr dicht beieinander, unterscheiden sich oft nur um zehntel Punkte. Durchaus ein Signal dafür, dass im Mittel die Lebensverhältnisse doch recht vergleichbar sind. 

 

Wir haben hier Ihren Landkreis nicht aufgelistet? Die komplette Analyse mit allen Hintergründen finden Sie auf der Seite: www.deutschland-studie-senioren.zdf.de/senioren. Dort können Sie auch gezielt nach Ihrem Landkreis suchen. 

 

 

 

 

Die Plauderkasse im Supermarkt hat europaweit für Schlagzeilen gesorgt - doch was können auch Kommunen tun, um der Einsamkeit  von Menschen entgegenzuwirken - Christian Erhardt auf der Suche nach erfolgreichen Beispielen!

 

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