In Merzenich hat die letzte Postfiliale geschlossen - was die Verwaltung auf den Plan rief - so gründete die Stadt selbst eine Postfiliale - der Bürgermeister der Gemeinde gibt Tipps für andere Betroffene!
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In Merzenich hat die letzte Postfiliale geschlossen - was die Verwaltung auf den Plan rief - so gründete die Stadt selbst eine Postfiliale - der Bürgermeister der Gemeinde gibt Tipps für andere Betroffene!

Damit die Post im Dorf bleibt

Was tun, wenn die einzige Postfiliale im Ort schließt? Eine kleine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen ist selbst zum Postdienstleister geworden. Mit einer eigenen GmbH.

Die Post, der Supermarkt und die Bankfiliale: Wenn diese drei Einrichtungen der Daseinsvorsorge aus dem Dorf verschwinden, ist der Frust in den Gemeinden meist besonders groß. Immer wieder suchen wir daher für KOMMUNAL nach guten Beispielen, wie es Gemeinden gelungen ist, das Sterben der Infrastruktur zu verhindern. In der kommenden Ausgabe, die Ende Oktober erscheint, widmen wir uns unter anderem der Frage, wie die Bargeldversorgung sicher gestellt werden kann. Wir nehmen Sie in einer ausführlichen Reportage mit an diverse Schauplätze in Dörfern, die - teils mit Erfolg - gegen das Sterben der letzten Bankfiliale gekämpft haben.

 

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Exklusiv vorab liefern wir Ihnen heute zudem online ein Stück aus der nächsten Printausgabe. Es geht um eine Gemeinde, die in die Bresche sprang, als die örtliche Post dichtmachte.

 

Die Post ist ja nicht nur für Privatpersonen wichtig, auch die Unternehmen sind dringend auf sie angewiesen.“

Georg Gelhausen, Bürgermeister von Merzenich

 

 

Eigenständige Filialen sind ja ohnehin auf dem Land selten geworden. Doch auch als Shop in Shop System funktionieren Postfilialen nicht mehr überall. So wie im nordrhein-westfälischen Merzenich. In der Innenstadt gab es genau eine Poststelle, die in einer Apotheke integriert war. Doch: Als diese Anfang 2018 Insolvenz anmeldete, drohte der Post das Aus. „Ich wusste, dass wir die Post retten müssen! Merzenich ohne Post? Das war für mich unvorstellbar“, erzählt Georg Gelhausen, der Bürgermeister der kleinen Gemeinde. Nachdem kein Unternehmen bereit war, die Post zu übernehmen, musste eine kreative und innovative Lösung her. Und die war schnell gefunden: Merzenich gründete eine eigene GmbH und hat die Post selbst übernommen. Gesagt? Getan! Im Dezember 2017 gab der Gemeinderat einstimmig grünes Licht. Kurz darauf gründete Merzenich eine eigene Post- und Dienstleistungs GmbH, die den Postbetrieb nach einem Interimsbetrieb durch den Insolvenzverwalter fortsetzt. „Es gab auch vereinzelte kritische Stimmen die gesagt haben, dass die Gemeinde ja auch nicht jeden Kiosk oder jeden Betrieb rettet, der vor dem Aus steht. Aber die Post ist ja nicht nur für Privatpersonen wichtig, auch die Unternehmen sind dringend auf sie angewiesen, um Waren zu verschicken und zu empfangen“, erklärt Gelhausen seinen Vorstoß.

 

Und tatsächlich hielt sich die Kritik stark in Grenzen. Denn die meisten der Einwohner sind erleichtert, dass die Post in Merzenich bleibt. Wie die Bürger reagiert hätten, wenn die Gemeinde die Postfiliale nicht übernommen hätte, bleibt offen. Dennoch zeigen zahlreiche Erfahrungen aus anderen Kommunen, dass Einwohner häufig auf die Barrikaden gehen, wenn die Filiale schließt. Viele verunsichert es, wenn das, was sie kennen und schätzen, einfach so verschwindet. Und gerade auf dem Land, wo die Auswahl der Geschäfte in der Innenstadt nicht annähernd so groß ist wie in einer Großstadt, bestellen sich viele Einwohner ihre Lieblingswaren von Amazon und Co – und sind natürlich nicht immer Zuhause um das Paket persönlich anzunehmen. 

 

Post

 

Was passiert, wenn die Post nicht mehr im Ort ist...

 

Und hätte die Gemeinde die Post nicht übernommen, hätten die Merzenicher in die nächstgrößere Stadt fahren müssen. Im Schnitt kommen täglich circa 500 bis 700 Kunden in die Filiale. Und da jede Briefmarke, jede Dienstleistung über einen Gebührenkatalog vergütet wird, trägt sich die Post selber. Die Gemeinde hat einen Wirtschaftsplan erstellt und demnach soll die Post von Jahr zu Jahr sogar einen kleinen Überschuss erwirtschaften. „Bei uns is dat schon auch so ein bisschen Heimat. Wenn es die Zeit zulässt, quatscht man auch mal über hier und über da“, erklärt die Filialleiterin Martina Triebel. Sie arbeitet seit 1999 in der Post und ist froh, dass sich der Bürgermeister so für die Offenhaltung einsetzt. „Ohne Herrn Gelhausen hätten wir dat alles nicht geschafft! Er hat sich wirklich für uns eingesetzt“, Triebel ist dankbar. 

 

 

Im Ergebnis war die Schließung der Post für die Gemeinde eine Chance...

 

Mit der drohenden Schließung hat Merzenich auch eine Chance zur Neugestaltung bekommen. Denn die Post ist aus dem alten Gebäude ausgezogen und in ein neues Büro ein Haus weiter gezogen. „Die Räume sind schöner und wir zahlen weniger Miete. Aber wir wollen in den nächsten Wochen auch ein Bürgerbüro in die Post integrieren“, erklärt Gelhausen. So sollen ab Oktober einige Verwaltungsdienstleistungen in der Post angeboten werden. Zum Beispiel der Kartenverkauf für kulturelle Veranstaltungen, die Ausgabe von Sperrmüllkarten, Windelsäcken, Biorestmüllsäcken und Infos über den Mietspiegel. „So können Berufstätige unser Bürgerbüro auch unter der Woche bis 18 Uhr besuchen und sogar am Samstag vorbei kommen. Damit bleibt nicht nur die Post im Ort, sondern wir verbessern auch das Angebot unserer Verwaltungsdienstleistungen“, meint Gelhausen. Wenn man ihn fragt, was denn rückblickend betrachtet das anstrengendste an der ganzen Sache war, sinniert er nicht lange: „Die Bürokratie!“, er lacht. „All die Gespräche mit dem Insolvenzverwalter, der ganze Papierkram, die Aufstellung des Wirtschaftsplans, die Suche nach einer neuen Immobilie. Aber der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt! Denn nur durch unseren eigenen Einsatz können wir die Post im Zentrum erhalten. Und ganz ehrlich? Ich würde mich immer und immer wieder für diesen Schritt entscheiden.“

 

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