Kampf gegen den Ärztemangel: Seit Anfang Juli tourt der Medibus durch Hessen
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Der "Medibus" tourt seit Anfang Juli durch Hessen

Projekt gegen Ärztemangel: Die rollende Arztpraxis

In vielen ländlichen Kommunen fehlen Ärzte. Doch: In Hessen startet nun ein Projekt, das die Versorgungslücken schließen soll...

„Die medizinische Grundversorgung in unseren Kommunen ist an einem kritischen Punkt angelangt“, warnt Ralf Hilmes, Bürgermeister von Nentershausen in Hessen.

Denn nicht nur in Nentershausen sondern in vielen ländlichen Regionen gibt es einen Ärztemangel. So verschwinden nicht nur Hausarztpraxen, sondern auch Ärzte für Kinderheilkunde, Gynäkologie und Psychiatrie. In manchen Regionen sind die Ärzte kaum noch zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manche Mediziner gehen in die Forschung. Andere arbeiten in großen Kliniken, in denen sie die Work-Life Balance besser unter einen Hut bekommen. Und die Ärzte, die noch eine eigene Hausarztpraxis haben, werden immer älter – und gehen bald in Rente.

Ärztemangel – In Hessen startet ein neues Projekt

In Hessen will man nun etwas gegen den Ärztemangel tun. Seit dem 1. Juli rollt deshalb eine mobile Arztpraxis durch das Land. Im sogenannten „Medibus“ fährt der Allgemeinmediziner Dr. Matthias Roth regelmäßig in sechs Kommunen und bietet dort eine offene Sprechstunde an. Der Bus ist – wie eine hausärztliche Praxis – mit einem EKG und einem kleinen Labor ausgestattet. Eine fachärztliche Behandlung findet im „Medibus“ allerdings nicht statt. Der Mediziner kann aber den Haus- und Facharzt seiner Patienten zur Beratung hinzuziehen.

Von Montag bis Donnerstag fährt Dr. Roth zwei Standorte pro Tag an. Und bietet den Menschen die Versorgung, die ihnen fehlt.

Und wie teuer ist der „Medibus“?

Das Projekt „Medibus“ ist durch eine Kooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und der Deutschen Bahn Regio entstanden. Die Kosten belaufen sich laut KV auf einen sechsstelligen Bereich.

Nicht alle Bürgermeister sind begeistert von dem Projekt gegen Ärztemangel

Der „Medibus“ soll nicht die Hausärzte vor Ort ersetzen, sondern eine Ergänzung sein: „Die medizinische Grundversorgung in unseren Kommunen ist an einem kritischen Punkt angelangt. Allerdings kann eine dreieinhalbstündige Präsenz pro Woche keinen Mediziner ersetzen, der 60 Stunden in der Woche für seine Patienten da ist“, erklärte Bürgermeister Ralf Hilmes. Dennoch bietet der „Medibus“ die Chance, die kritische Situation zu verbessern.

Andere Bürgermeister fordern, nicht nur den Ärztemangel zu bekämpfen. Sondern weiter an dem ursächlichen Problem zu arbeiten. Ziel sei es weiterhin, den ländlichen Raum mit Ärzten zu versorgen, die vor Ort verwurzelt sind.

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