Ressourcensparen
Gemeinde verschenkt Schulinventar und Baumaterial
Türen, Tische, Stühle, Waschbecken, Leuchtmittel, Schränke, technisches Equipment oder die im Dachstuhl verbauten Materialien sollen nicht etwa auf der Mülldeponie landen, sondern neu verwendet werden. "Alles, was da ist, und der Gemeinde gehört, kann abgeholt werden", erklärt dazu Ralf Bechtel, Leiter des technischen Bauamtes der Stadt. Einzige Bedingung: die "Kunden" müssen das von ihnen Gebrauchte selbst ausbauen und abtransportieren. Für dieses und andere noch folgende Projekte wurde die digitale, leicht bedienbare Plattform "Loopfront" etabliert, auf der die Stadt die zu vergebenden Materialien einstellt.
Kreislaufwirtschaft: Wiederverwertung statt Mülldeponie
Das kommunale Netzwerk Kern und die Gemeinde Schalksmühle wollen damit eine Lanze brechen für die Wirtschaftsform der Zukunft: die Kreislaufwirtschaft. Der Grundsatz: Ressourcenschonend bauen und alles wiederverwenden, was wiederzuverwenden ist. Die Gründe dafür, unsere Wirtschaft dahingehend zu transformieren, lagen wahrscheinlich nie deutlicher auf dem Tisch als derzeit: Im Zuge des Ukrainekrieges kämpft das Baugewerbe mit Lieferengpässen, gestörte Lieferketten und immensen Kostensteigerungen.
Einsparpotenziale bei eigenen Liegenschaften kennenlernen, innovative Technologiekonzepte einsetzen und die öffentliche Mobilität voranbringen - dafür steht das 2019 gegründete „Kommunale Energieeffizienz- und Ressourceneffizienz-Netzwerk“ KERN im Märkischen Kreis. Ebenfalls immer im Fokus: Ressourcenschonung und Wiederverwertung. In der Mitgliedsstadt Schalksmühle soll nun eine Realschule abgerissen werden, die neu geplant wird. Normalerweise ein Fall für die Abrissbirne. Am Mittwoch, 31. August, steht im "Auslaufmodell Schule" stattdessen noch einmal ein "Besichtigungstermin" an. Bürgerinnen und Bürger, aber auch Handwerker und Architekten sind aufgerufen, sich zu bedienen.
Schalksmühle: Modellkommune
Bauamtsleiter Ralf Bechtel weiß um die Kompliziertheit einer solchen Vorgehensweise, für die Schalksmühle als Modellkommune gelten kann. Er sieht aber auch große Möglichkeiten in einer konsequent verfolgten Kreislaufstrategie - nicht nur für Kommunen. Den "Lüdenscheider Nachrichten" sagte er: "Andere Länder sind bei der Wiederverwertung von Baumaterialien schon viel weiter als Deutschland." In Norwegen beispielsweise habe sich mit den Demonteuren bereits ein neuer Beruf etabliert.
Entwurf für Gebäuderessourcenpass
Die Vorgehensweise in Schalksmühle könnte schon bald Standard werden: Im Zuge der Neuausrichtung der KfW-Förderung gibt es in der Bundesregierung Bestrebungen, einen sogenannten Gebäuderessourcenpass einzuführen. Das Ziel: Die Wiederverwendung von Materialien zu optimieren, indem Gebäudeteile effektiv recycelt werden und von einer Neuproduktion von Baumaterialien so gut wie möglich Abstand genommen wird. Bereits in der Planungsphase soll ein Kataster verbauter und wiederverwendbarer Rohstoffe eingeführt werden. Eine Forderung, die die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen schon lange erhebt. Die Experten haben auch gleich einen Entwurf konzipiert und stellen diesen bis zum 18. September 2022 hier zur Diskussion.

