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  3. Gemeinde verschenkt Schulinventar und Baumaterial
Abrissbirne? In Schalksmühle keine Option.
Einfach Abreißen? Eine Realschule in Schalksmühle dient vorher als Materiallager.
© 123rf.com/profile_bogdanhoda

Ressourcensparen

Gemeinde verschenkt Schulinventar und Baumaterial

von Annette Lübbers
Reporterin
26. August 2022
In Schalksmühle werden Baumaterialien und Inventar einer abrissbereiten Schule freigegeben. Am Mittwoch, 31. August, stand im "Auslaufmodell Schule" noch einmal ein "Besichtigungstermin" an. Bürger, aber auch Handwerker und Architekten waren aufgerufen, sich zu bedienen. Damit will die Gemeinde die Kreislaufwirtschaft fördern.

Hinweis: Dieser Artikel ist kurz vor dem Besichtigungstermin entstanden und erschienen, über die Ergebnisse informieren wir Sie nach der Aktion gerne! 

Türen, Tische, Stühle, Waschbecken, Leuchtmittel, Schränke, technisches Equipment oder die im Dachstuhl verbauten Materialien sollen nicht etwa auf der Mülldeponie landen, sondern neu verwendet werden. "Alles, was da ist, und der Gemeinde gehört, kann abgeholt werden", erklärt dazu Ralf Bechtel, Leiter des technischen Bauamtes der Stadt. Einzige Bedingung: die "Kunden" müssen das von ihnen Gebrauchte selbst ausbauen und abtransportieren. Für dieses und andere noch folgende Projekte  wurde die digitale, leicht bedienbare Plattform "Loopfront" etabliert, auf der die Stadt die zu vergebenden Materialien einstellt. 

Kreislaufwirtschaft: Wiederverwertung statt Mülldeponie

Das kommunale Netzwerk Kern und die Gemeinde Schalksmühle wollen damit eine Lanze brechen für die Wirtschaftsform der Zukunft: die Kreislaufwirtschaft. Der Grundsatz: Ressourcenschonend bauen und alles wiederverwenden, was wiederzuverwenden ist. Die Gründe dafür, unsere Wirtschaft dahingehend zu transformieren, lagen wahrscheinlich nie deutlicher auf dem Tisch als derzeit: Im Zuge des Ukrainekrieges kämpft das Baugewerbe mit Lieferengpässen, gestörte Lieferketten und immensen Kostensteigerungen.

Einsparpotenziale bei eigenen Liegenschaften kennenlernen, innovative Technologiekonzepte einsetzen und die öffentliche Mobilität voranbringen - dafür  steht das 2019 gegründete „Kommunale Energieeffizienz- und Ressourceneffizienz-Netzwerk“ KERN  im Märkischen Kreis. Ebenfalls immer im Fokus: Ressourcenschonung und Wiederverwertung. In der Mitgliedsstadt Schalksmühle soll nun eine Realschule abgerissen werden, die neu geplant wird. Normalerweise ein Fall für die Abrissbirne. Am Mittwoch, 31. August, steht im "Auslaufmodell Schule" stattdessen noch einmal ein "Besichtigungstermin" an. Bürgerinnen und Bürger, aber auch Handwerker und Architekten sind aufgerufen, sich zu bedienen.

Schalksmühle: Modellkommune

Bauamtsleiter Ralf Bechtel weiß um die Kompliziertheit einer solchen Vorgehensweise, für die Schalksmühle als Modellkommune gelten kann. Er sieht aber auch große Möglichkeiten in einer konsequent verfolgten Kreislaufstrategie - nicht nur für Kommunen. Den "Lüdenscheider Nachrichten" sagte er: "Andere Länder sind bei der Wiederverwertung von Baumaterialien schon viel weiter als Deutschland." In Norwegen beispielsweise habe sich mit den Demonteuren bereits ein neuer Beruf etabliert.

Entwurf für Gebäuderessourcenpass

Die Vorgehensweise in Schalksmühle könnte schon bald  Standard werden: Im Zuge der Neuausrichtung der KfW-Förderung gibt es in der Bundesregierung Bestrebungen, einen sogenannten Gebäuderessourcenpass einzuführen. Das Ziel: Die Wiederverwendung von Materialien zu optimieren, indem Gebäudeteile effektiv recycelt werden und von einer Neuproduktion von Baumaterialien so gut wie möglich Abstand genommen wird. Bereits in der Planungsphase soll ein Kataster verbauter und wiederverwendbarer Rohstoffe eingeführt werden. Eine Forderung, die die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen schon lange erhebt. Die Experten haben auch gleich einen Entwurf konzipiert und stellen diesen bis zum 18. September 2022 hier zur Diskussion.

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