Stadtentwicklung durch Nebau und Sanierung
Fotolia: Ah_Fotobox

Stadtentwicklung: Schrumpfungsprozesse aufhalten

In vielen Städten ziehen mehr Bewohner weg als neue hinzukommen. Für die meisten Unternehmen sind das keine guten Voraussetzungen, um zu bauen. Doch in einigen Städten findet jetzt ein Umdenken statt: Die Unternehmen bauen hochwertige Wohnungen - und locken damit ganz neue Zielgruppen an...

Stadtentwicklung: Während in den Großstädten die Mietpreise explodieren und der Baubedarf steigt, kämpfen einige Kleinstädte mit Abwanderung, Leerstand und Rückbau. So gibt es auch in Quedlinburg, einer 21.500 großen Einwohnerstadt, Abwanderung und Schrumpfung. Bis 2030 soll die Einwohnerzahl um weitere 13 Prozent sinken!

Obwohl jedes Jahr mehr Leute aus Quedlinburg wegziehen, als neue hinzukommen, will die Projektentwicklungsgesellschaft RST Thale GmbH in den Wohnungsmarkt investieren: Auf 13.000 Quadratmeter Fläche will das Familienunternehmen ein Stadtquartier mit 70 Neubau-Wohnungen im sanierten, denkmalgeschützten Altbau bauen. Und die Wohnungen haben es in sich: Sie sollen in bester innenstädtischer Lage entstehen, für Senioren geeignet, energetisch auf höchstem Stand und mit Glasfaserverkabelung ausgestattet sein.

 

Doch: Gibt es für die Wohnungen wirklich genug Interessenten?

 

Der Verbandsdirektor der sachsen-anhaltinischen Wohnungswirtschaft, Jost Riecke, glaubt schon. Denn für ihn bahnt sich ein Trend an: In vielen Kommunen wurde in den letzten 25 Jahren der Fokus auf Abriss und Modernisierung der vorhandenen Wohnungen gelegt. Nun aber werden in 16  größeren Städten des Landes Quartiere gebaut. Viele Projektentwickler setzen heute auf Neubau oder aufwendiges Sanieren im Bestand.

Riecke ist davon überzeugt, dass Quedlinburg trotz der Schrumpfungsprozesse auf Neubauten setzen sollte: „Da spielt der Wunsch nach besserem Wohnraum ebenso eine Rolle wie der Rückzug vom Land in größere Kommunen.“ Riecke beobachtet, dass die Nachfrage nach Qualität in der Innenstadt wächst - auch in Gegenden, denen sinkende Bevölkerungszahlen sowie weiteres Altern vorausgesagt wurden. Und das macht der Bauprofi anhand eigener Beobachtungen fest: In Kleinstädten wie Wolfen, Stendal oder Aschersleben geht es längst nicht mehr nur um das Leerstandsmanagement - sondern auch um Neubauten.

 

Stadtentwicklung: Neue Wohnungen entstehen meist nur im innerstädtischen Kern

 

Kommunale und private Entwickler setzen vielerorts auf hochwertige Neubauten oder Sanierungsprojekte. Allerdings fast ausnahmslos in innerstädtischen, historisch geprägten Lagen.

In Annaberg-Buchholz beispielsweise wurde ebenfalls eine weitere Schrumpfung vorausgesagt - dennoch werden hier in der Nähe des Marktplatzes Neubauten und saniert denkmalgeschützte Häuser entwickelt - die erstens barrierearm sind und zweitens mit Balkon oder Terrasse, Maisonette und schönem Ausblick aufs Mittelgebirge locken.

Doch: Hat sich der Bau für die Stadt wirklich gelohnt? Laut Bauunternehmen schon. Die Interessenten stehen hier Schlange - und das, obwohl die Mietpreise über dem Durchschnitt liegen.

 

Stadtentwicklung: Neubauten mit Terrassen sind belibt
Hochwertige Wohnungen mit Terrasse sind insbesondere bei den älteren Einwohnern beliebt

 

Und auch in Torgau an der Elbe wurden altersgerechte und hochwertig ausgestattete Wohnungen gebaut. Anscheinend ebenfalls mit Erfolg: "Inzwischen führen wir Wartelisten", erklärt der Chef der Torgauer Wohnstätten, Andreas Huth, die Nachfrage. Die Menschen wollen laut Huth neuen, qualitativ anspruchsvollen Wohnraum. Und tatsächlich zeigt sich in der Stadt, dass sich sich die Schrumpfungsprozess in der Stadt langsam stabilisieren.

 

Stadtentwicklung: Welche Wohnungen sind besonders gefragt?

 

Ein genauer Blick zeigt, dass in den Städten nicht einfach drauflos gebaut wird, um mehr Menschen in den Ort zu locken. Sondern dass es bestimmte Muster sind, die sich wiederholen: In der Regel sind es altersgerechte Wohnungen, die in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten liegen, die bei den Interessenten sehr gut ankommen. Dennoch lässt sich ein Konzept nicht von einer Stadt auf die andere übertragen: Denn jeder Standort hat seine eigenen Vorteile, die geschickt vermarktet werden können. Geht es den Einwohnern in einigen Kleinstädten um die Nähe zu einer Großstadt wie Berlin, setzen andere widerum auf Ruhe oder Natur.

 

Stadtentwicklung: Lohnt sich ein Neubau wirklich, um mehr Einwohner zu gewinnen?

 

Neubau bietet den Städten einerseits die Möglichkeit, die Zentren zu beleben und Grundstücke zu nutzen, die sonst brach lägen. Und die Kommunen können mit den Wohnungen mehr Einwohner für den Ort gewinnen - die wiederum Restaurants, Geschäfte und Schulen füllen. Außerdem werden die Städte mit dem Neubau wieder für junge Menschen interessant: "Gerade die jungen Rückkehrer haben jenen höheren Wohnungsstandard vermisst, der nun langsam entsteht", weiß Makler Bernhardt aus Annaberg die Vorteile der Neubauten und Sanierungen zu benennen.

Andererseits sind gute Wohnverhältnisse zwar wichtig, um Abwanderung und Schrumpfung zu bekämpfen - allerdings als alleiniges Mittel ausreichend. So setzen viele Experten vor allem einen ausgeprägten Einzelhandel sowie eine gute Infrastruktur um Städte zu stärken und Abwanderung zu verhindern.

Viele Bauprofis raten zudem, über den Neubau hinaus nicht die leerstehenden Häuser zu vernachlässigen, da sie die Attraktivität des Stadtbildes herunterzuziehen können...

Mehr zum Thema

Weitere Artikel von Njema Drammeh

Neuester Inhalt

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNE.HEUTE anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)