Der Weihnachtsmarkt von Bünde konnte durch viel ehrenamtliches Engagement gerettet werden.
Ein Weihnachtsbaum für Bünde
Der Weihnachtsmarkt von Bünde konnte durch viel ehrenamtliches Engagement gerettet werden.

Weihnachtsmarkt: Das Wunder von Bünde

Für Kleinstädte und Dörfer können Weihnachtsmärkte eine finanzielle Belastung sein. Für ortsansässige Vereine sind sie hingegen oftmals eine wichtige Finanzspritze. Bitter also, wenn die Kommune den Weihnachtsmarkt absagt. In Bünde haben sich deshalb einige Bürger zusammengetan und den Weihnachtsmarkt ehrenamtlich weitergeführt – mit großem Erfolg.

Der Laurentiusmarkt in Bünde stand lange in der Kritik. Zu wenig Buden, zu wenig Besucher und die Kommune hatte Jahr für Jahr weniger Geld im Stadtmarketing frei. Also entschied man sich Anfang 2010 den Weihnachtsmarkt nicht mehr stattfinden zu lassen. Für die Stadt eine gute Entscheidung – für die ortsansässigen Sportvereine ein herber Schlag. Denn auf dem Weihnachtsmarkt veranstalteten die Eltern einiger Kinder aus Fußball-, Leichtathletik- und Kunstturnverein eine Tombola und verkauften Glühwein, um den Erlös an die Sportvereine zu spenden. In jedem Jahr bekommen die drei Vereine je 8.000 Euro. Von dem Geld schaffen sie neue Geräte an, bezahlen Fahrten auf Meisterschaften oder Reparaturen an Plätzen und Vereinsheimen. All das stand nun auf dem Spiel.

Der Weihnachtsmarkt wurde größer und schöner

„Durch Streichung des Laurentiusmarkts fiel eine wichtige Einnahmequelle für die Fußballer, Turner und Leichtathleten weg“, sagt auch Michael Hellmann, der selbst auf dem Markt Glühwein verkauft und die Tombola mitbetrieben hat. „Wir haben dann Initiative ergriffen und den Verein zur Förderung der Jugendarbeit in Bünde gegründet.“ In enger Abstimmung mit der Stadt hat der Verein ausgelotet, was er selbst in der Vorweihnachtszeit auf die Beine stellen kann. Zunächst geplant waren ein großer Weihnachtsbaum auf dem Rathausplatz, ein Glühweinstand und die jährliche Tombola. So wollte der Verein die Spenden für die Vereine sichern. „Nur sechs Monate später standen auf dem Rathausplatz zwanzig Holzhütten und vier Zelte neben einer großen Showbühne und einem acht Meter hohen Weihnachtsbaum“, sagt Hellmann stolz. Die Bereitschaft der Bünder sich an den Vorbereitungen und dem Markt selbst zu beteiligen war so groß, dass man einen Weihnachtsmarkt auf die Beine stellen konnte, der größer war als der, den die Stadt vorher organisiert hatte. Und das funktioniert nun bereits seit acht Jahren in Folge.

Der große Unterschied: Der Markt der Stadt fand zwei bis drei Wochen lang statt. Das hätten die ehrenamtlichen Helfer nicht leisten können. Der Weihnachtsmarkt des Fördervereins dauert deshalb nur vier Tage. In der Zeit verkaufen Schulen an den Ständen selbstgebastelte Deko, der Angelverein räuchert frische Forellen und der Lukas Krankenhaus wärmt die Bünder mit seiner „Suppkultur“ auf. Gleichzeitig gibt es eine Showbühne auf der jeder zeigen darf, was er kann. Breakdance, Stabhochsprung, Big-Band-Konzerte – all das ist an den vier Tagen auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen. Außerdem gibt es am Donnerstag eine Eröffnung mit Laternenzug und Stollenanstich, am Samstag eine Weihnachtsbaumparty mit DJs und Showeinlagen und am Sonntag einen Freiluftgottesdienst. Das Programm scheint zu gefallen, denn im letzten Jahr hatte der Weihnachtsmarkt der 47.000-Einwohner-Stadt an den vier Tagen fast 20.000 Besucher.

Das Organisationsteam für den Bündener Weihnachtsmarkt
Das Organisationsteam für den Bünder Weihnachtsmarkt (v.l.n.r.): Lars Landwehr, Stefanie Ritzmann, Michael Hellmann, Jürgen Höffner und Hansi Böhm

„Der Markt ist einfach nicht mehr wegzudenken und mit den Einnahmen unterstützen wir auch heute noch die Sportvereine in Bünde“, sagt Hellmann, der mittlerweile erster Vorsitzender des Fördervereins ist. Finanziell ist das jedoch immer wieder eine Herausforderung. Denn um den Markt auf die Beine zu stellen, muss der Verein erstmal in Vorkasse gehen für Getränke, Essen, Dekoration und vieles mehr. Auch die Sicherheitsmaßnahmen werden von Jahr zu Jahr teurer. Michael Hellmann ist jedoch davon überzeugt, dass sich diese Ausgaben lohnen: „Wir haben unseren Markt von Anfang an bewachen lassen“, sagt Hellmann. „Aus Überzeugung, dass wir Sicherheit bieten müssen und natürlich auch als Auflage der Stadt Bünde.“ Um die Vorleistungen tragen zu können, setzt der Verein unter anderem auf Sponsoren, die derzeit etwa 50 Prozent des Marktes finanziell tragen. Jeder Sponsor bekommt auf dem Weihnachtsmarkt einen Stern mit seinem Logo. Darüber hinaus erhebt der Verein Standgebühren, die mit 20 Euro pro Tag jedoch sehr niedrig angesetzt sind.

Der Weihnachtsmarkt erstrahlt in neuem Glanz

„Bis heute ist unser Markt kein Verlustgeschäft“, sagt Hellmann. „Das liegt aber sicher nicht an den Einnahmen der Hüttenmieter, sondern eher an dem extrem hohen Aufkommen an ehrenamtlichen Helfern.“ Denn inklusive Auf- und Abbau des Marktes werden für den Bünder Weihnachtsmarkt etwa 1.200 Arbeitsstunden verteilt auf 250 ehrenamtliche Helfer geleistet. „Eine Leistung auf die wir besonders stolz sind, zumal auch niemand, der im Showprogramm auftritt, dafür bezahlt wird“, sagt Hellmann. In diesem Jahr sind es sogar noch deutlich mehr ehrenamtliche Arbeitsstunden, denn die Mitlieder des Fördervereins haben alle zwanzig Hütten auseinandergebaut und renoviert, damit der Markt am ersten Adventswochenende wie gewohnt erstrahlen kann.

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