Bürgermeister spricht über seine Erfahrungen

Bürgermeister mit Blaulicht

Ein Leben wie Clark Kent und Superman – Am einen Tag ist er Bürgermeister von Marburg am nächsten Notarzt in der Wetterau. Thomas Spies engagiert sich für Menschen mit jeder Faser seines Wesens. Woher sein großes Engagement kommt und was ihm im Amt besonders wichtig ist, erzählt er im KOMMUNAL-Bürgermeisterportrait

Bürgermeister - Porträt

Einmal im Monat steigt Marburgs Bürgermeister Thomas Spies in sein Auto und fährt in die Wetterau. Dort zieht er den Anzug aus und die Uniform an und wartet auf Einsätze: Denn einmal im Monat kehrt der Kommunalpolitiker in seinen alten Beruf zurück, und versorgt als Notarzt Schlaganfallpatienten, Menschen mit einem Herzinfarkt oder Opfer eines Verkehrsunfalls. „In Marburg habe ich das früher auch gemacht“, sagt der SPD-Politiker Spies. „Aber dann hatte ich einen Einsatz bei einer Veranstaltung der CDU.“ Ihn störte das nicht, der Einsatz verlief gut, dem Patienten konnte geholfen werden. Aber die Umstehenden waren schon etwas verstört, dass ausgerechnet der SPD-Politiker als Notarzt erschien.

Seitdem ist Spies in der Wetterau aktiv. In die Kommunalpolitik ging er bereits, als er in der Universitätsstadt seine Doktorarbeit fertig hatte. Und schon seine Mutter war Stadtverordnete. „Es ist bei uns in der Familie üblich, dass man sich für das Gemeinwesen engagiert“, sagt Spies.

Der Mediziner ließ sich in die Marburger Stadtverordnetenversammlung wählen, war später im Landtag. Zuletzt war er dort Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst. Und natürlich war er als Gesundheitspolitiker unterwegs.

„Das Privileg des Landtagsabgeordneten ist es, dass man sich seine Themenschwerpunkte selber aussuchen und sich darum sehr gründlich kümmern kann“, sagt Spies. „Das erste Bürgerbeteiligungskonzept in der SPD war beispielsweise von Andrea Ypsilanti, Thorsten Schäfer-Gümbel und mir entwickelt, und war auf meinem Laptop in meinem Garten gerechnet.“

Vor zwei Jahren kam dann der Sprung zurück nach Marburg, an die Spitze der Stadt. Gleich am ersten Tag musste er einen Kreditantrag über eineinhalb Millionen Euro unterschreiben. „Ich habe erstmal den Sachbearbeiter angerufen, um mir erklären zu lassen, was ich da eigentlich tue“, sagt Spies. Mittlerweile hat sich der SPD-Politiker im Büro des Oberbürgermeisters aber eingewöhnt. „Ich sehe die gestalterischen Linien für die Stadt und den Bezug zur Arbeit der Stadtverwaltung“, sagt Spies. „Aber Kommunalpolitik zu machen, ist immer noch etwas völlig anderes.“ In Marburg zumal: Denn in der Stadt leben 75.000 Menschen, 25.000 davon sind Studenten. „Der größte Arbeitgeber sind die Universität und das Universitätsklinikum“, sagt Spies. Doch neben der Universität gibt es noch einen zweiten Teil der Stadt. „Das sind die Menschen, die seit Generationen dafür zuständig sind, die Universität zu versorgen“, sagt Spies. „Früher hieß es: Einem Marburger gehts gut, wenn er ein Haus, eine Ziege und einen Studenten hat.“ Und die Universität und ihre Studenten haben auch Auswirkungen auf die Kommunalpolitik. „Bei uns werden viele Fragen sehr grundsätzlich diskutiert“, sagt Spies. „Wir haben hier zum Beispiel eine Gentrifizierungsdebatte – weil das Haus, in dem eine linke Kneipe mit einem emanzipatorischen Anspruch ist, verkauft und denen die Miete erhöht wurde.“ In anderen Städten dieser Größenordnung gäbe es das eher nicht.

 

Bürgermeister spricht über den Umgang mit der Flüchtlingsdebatte

 

Ein anderes Beispiel ist die Flüchtlingsdebatte: „Als 2015 eine hohe Zahl von Flüchtlingen nach Deutschland kam, wurde in Marburg die erste Außenstelle eines Zeltlagers eingerichtet.“ Mit dem Bekanntwerden gab es eine Bürgerversammlung, zu der 600 Menschen kamen.

„Die Erwartung des Regierungspräsidenten, der Polizei und meines Vorgängers war, dass man jetzt auf massive Kritik stoßen würde“, sagt Spies. „Nichts davon – da saßen 600 Leute, die wissen wollten, wie sie helfen können.“

Im Laufe der Zeit hätten sich in Marburg 1.500 Menschen in der Flüchtlingshilfe engagiert, bei gerade einmal 700 Flüchtlingen, die in das Zeltcamp gekommen seien. Und nach den Ereignissen in Chemnitz gab es auch in Marburg eine Demonstration gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Es kamen 7.500 Teilnehmer - mehr als auf den Marktplatz passten.

 

Als Bürgermeister liegt Spies die Gesundheit der Bürger am Herzen

Als Arzt und Oberbürgermeister engagiert sich Spies auch im bundesweiten Netzwerk „Gesunde Städte“. „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, sagt Spies.

„Und viele Dinge, die für die Gesundheit der Menschen relevant sind, finden auf der Ebene der Kommunen statt.“ Schon seit vielen Jahren gibt es in Marburg deswegen Gesundheitsprojekte. Die Stadt achte sehr konsequent auf gesunde Ernährung in Kindertagesstätten. Ein neues Projekt widme sich der Vermeidung von Altersdepression - „wir wollen alte Menschen, die zu vereinsamen drohen, aufsuchen und Gesellschaft leisten.“ Gesundheit jedenfalls habe in Marburg einen immer höheren Stellenwert. „Jedes Jahr machen wir in einem Stadtteil einen Gesundheitstag, gemeinsam mit einem Migrantenverein“, sagt Spies. „Wir haben einen eigenen Fachdienst zum Thema Gesundheit eingerichtet, obwohl das Gesundheitsamt eigentlich Sache des Landkreises ist.“ Auch bei den eigenen Mitarbeitern achtet die Stadt auf die Gesundheit. Zum Beispiel bei den fest angestellten Reinigungskräften an den Schulen. „Wir hatten da einen hohen Krankenstand“, sagte Spies. Die Stadt startete ein Projekt, um herauszubekommen, wo der hohe Krankenstand herkommt. Am Ende wurden in den Schulen neue Wasserrohre verlegt: „Wir haben erkannt, dass es auf jeder Etage einen Wasserhahn braucht, damit die Mitarbeiter nicht mit vollen Eimern drei Etagen hochlaufen müssen“, sagt Spies. „Und einmal ein Rohr neu zu verlegen ist billiger, als jemand, der ständig wegen Rückenschmerzen krank ist – und auch die Arbeitsqualität ist besser, wenn Menschen die eigene Arbeit Spaß macht.“

Dies ist ein kurzer Auszug aus unserem Bürgermeister-Porträt, das jeden Monat in unserem Print-Magazin erscheint. Die komplette Geschichte können Sie in unserer Printausgabe der KOMMUNAL lesen. Gerne senden wir Ihnen die Ausgabe im Rahmen eines Probeabos zu.

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