Cindy Hartmann (Ihr Schreibtisch stehtCindy Hartmann (Mitte)  leitet jetzt die Gemeindekasse in Niedernhausen. Hier mit  Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig und Hessens Finanzminister Alexander Lorz.
Cindy Hartmann (Mitte) leitet derzeit die Gemeindekassen Niederhausen. Hier mit Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig und Hessens Finanzminister Alexander Lorz.
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Personal

Erste Landesbedienstete verstärken Kommunen

Das Landesprogramm KommUnity ist gestartet: Rund 20 Beschäftigte aus der hessischen Finanzverwaltung arbeiten jetzt in Kommunen. Bislang gibt es über 400 Anfragen.

Cindy Hartmann hat ihren Schreibtisch getauscht, wie etwa 20 weitere Beschäftigte der hessischen Finanzverwaltung. Seit März arbeiten die Landesbediensteten freiwillig in hessischen Kommunen und helfen dort, wo der Druck am größten ist: in Kämmereien, Bauämtern und Ordnungsverwaltungen. Was Anfang des Jahres noch als Programm auf dem Papier stand, ist jetzt gelebte Praxis. Cindy Hartmann leitet im Rathaus Niedernhausen die Gemeindekasse, vorerst für zwei Jahre.

KommUnity: Land hilft Kommunen mit Personal aus

Hinter dem ungewöhnlichen Modell steckt KommUnity – ein Programm, über das KOMMUNAL bereits im Januar berichtet hat. Die Idee: Kommunen können für bis zu zwei Jahre qualifiziertes Personal aus dem Geschäftsbereich des hessischen Finanzministeriums einsetzen. Der besondere Clou dabei: Sie zahlen nur 70 Prozent der Personalkosten, die restlichen 30 Prozent trägt das Land.

Enormes Interesse auf beiden Seiten

Die Nachfrage ist größer als erwartet, heißt es beim Finanzministerium. Über 400 Stellengesuche von fast 120 Kommunen haben das Finanzministerium inzwischen erreicht – im Januar waren es noch rund 250. Auch auf Seiten der Landesbeschäftigten ist das Interesse gewachsen: Rund 100 von ihnen haben konkret ihr Interesse an einer Teilnahme erklärt. „KommUnity stößt auf ein reges Interesse und wird positiv aufgenommen", sagt Finanzminister. Alexander Lorz. Zu den Kommunen, die bereits vom Programm profitieren, zählen unter anderem der Landkreis Gießen, der Main-Kinzig-Kreis, Frankfurt, Bad Orb und der Kreis Groß-Gerau – insgesamt sind es bereits mehr als 20 Städte, Gemeinden und Landkreise hessenweit.

Beschäftigte wechseln in unterschiedliche Bereiche

Das Personal kommt aus den hessischen Finanzämtern, der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main, dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen sowie vereinzelt aus dem Ministerium selbst. Die Qualifikationen, die die Kommunen so dringend suchen, sind dabei gut vertreten: Finanzwirte, Volljuristen, Betriebs- und Verwaltungsfachwirte, Bauingenieure, Architekten und Personalsachbearbeiter. Die Beschäftigten übernehmen zum Beispiel die Leitung einer Gemeindekasse oder Finanzabteilung, arbeiten als Sachbearbeiter im Ordnungsamt oder in der Stadtvermessung.

Im November vergangenen Jahres hatte das Ministerium die Kommunen angeschrieben und über das Programm informiert. Jede Kommune erhielt auf diesem Weg Informationen, etwa zu den fachlichen Qualifikationen und typischen Einsatzmöglichkeiten des Personals. Wer Interesse hatte, konnte sich melden. Für die Beschäftigten des Landes ist KommUnity freiwillig.

Wie kommt es dazu, dass das Land Personal abgeben kann?

Dass Hessen dieses Angebot überhaupt machen kann, liege an einer vorausschauenden Personalpolitik, erläuterte ein Sprecher auf Anfrage von KOMMUNAL. Die Finanzverwaltung habe in den vergangenen Jahren bewusst vorsorglich eingestellt, weil absehbar viel Personal altersbedingt ausscheidet. Hinzu komme, dass die Steuerverwaltung zu den Verwaltungen mit dem höchsten Digitalisierungsgrad bundesweit zählt – die Erfolge der digitalen Transformation machen es möglich, Beschäftigte übergangsweise für andere Aufgaben freizustellen, ohne den eigenen Betrieb zu gefährden.

Win-win-Situation für Kommunen, Land und Mitarbeitende 

Für die Kommunen ist KommUnity eine doppelte Entlastung: Sie bekommen qualifiziertes Fachpersonal, das sie auf dem angespannten Arbeitsmarkt kaum finden würden – und das zu einem Rabattpreis. Für die Landesbeschäftigten ist die Teilnahme freiwillig. Viele von ihnen schätzen die Möglichkeit, neue berufliche Erfahrungen zu sammeln oder zeitweise näher an ihrem Wohnort zu arbeiten. Nach zwei Jahren kehren sie mit wertvollem kommunalen Praxis-Know-how in die Landesverwaltung zurück.

Kommunen, die noch Interesse haben, können sich weiterhin beim hessischen Finanzministerium melden. Laufende Gespräche zwischen Beschäftigten und kommunalen Personalverantwortlichen finden derzeit hessenweit statt.