Mitarbeiterin in Verwaltung am Schreibtisch
Viel Arbeit für wenig Personal: Ein ungewöhnliches Projekt soll Kommunen helfen.
© Adobe Stock/mit KI

Finanzen

Landesbedienstete helfen Kommunen aus der Klemme

Ein neues Landesprogramm soll Kommunen jetzt bei Engpässen in Kämmerei und Bauämtern entlasten. Noch bis Ende Februar können Städte, Gemeinden und Landkreise ihre Bedarfe per E-Mail an das hessische Finanzministerium übermitteln. Wie das ungewöhnliche Projekt funktioniert und wie die Kommunen zu neuen Mitarbeiterin und Mitarbeiterinnen kommen.

Es ist kurz nach 19 Uhr im Rathaus einer mittelgroßen hessischen Kommune. Der Kämmerer sitzt noch immer über dem Haushaltsplan, im Bauamt stapeln sich die Akten. Zwei Stellen sind seit Monaten unbesetzt, Bewerbungen bleiben aus. Gleichzeitig wachsen die Aufgaben: steigende Baukosten, Förderprogramme, Sanierungsstau. „Wir kommen kaum noch hinterher“, beklagt der Bürgermeister – ein Satz, der derzeit in vielen Kommunen ähnlich fällt.

Qualifiziertes Personal für die Kommunen

Die Finanzlage in den Kommunen ist angespannt. Während Land und Bund oft mit höheren Entgelten punkten können, stehen Städte, Gemeinden und Landkreise vor der Frage: Wie sollen wir das alles noch stemmen? Genau an diesem Punkt setzt ein neues Angebot aus Wiesbaden an. Im Rahmen des geplanten Zukunftspaktes zwischen Land und Kommunen bietet das hessische Finanzministerium mit dem Programm KommUnity jetzt eine konkrete personelle Unterstützung an. Die Idee: Kommunen können für bis zu zwei Jahre qualifiziertes Personal aus dem Geschäftsbereich des Finanzministeriums einsetzen – und zahlen dafür nur 70 Prozent der Personalkosten. Die restlichen 30 Prozent trägt das Land.

Unbürokratisches Angebot

Das Angebot richtet sich an alle hessischen Kommunen – Städte, Gemeinden und Landkreise – und ist laut einem Sprecher der Finanzverwaltung bewusst unbürokratisch angelegt. Ziel ist es, kurzfristig Entlastung dort zu schaffen, wo der Druck am größten ist: in den Bereichen Finanzen, Bauen und Verwaltung. Zur Verfügung stehen Beschäftigte unter anderem aus den hessischen Finanzämtern, der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main, dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen sowie vereinzelt aus dem Finanzministerium selbst.

Das fachliche Spektrum ist breit: Finanzwirte, Volljuristen, Betriebs- und Verwaltungsfachwirte, Bauingenieure, Architekten oder Personalsachbearbeiter. Genau die Profile also, die Kommunen derzeit besonders schwer finden. "Viele Rückmeldungen aus den Kommunen und auch von Seiten unserer Beschäftigten zeigen, dass das Programm auf ein reges Interesse stößt und positiv aufgenommen wird", sagte ein Sprecher auf KOMMUNAL-Anfrage. 

250 Stellenangebote aus Kommunen bisher

Die Kommunen wurden im November vergangenen Jahres vom Ministerium angeschrieben und über das Programm informiert. Jede Kommune erhielt auf diesem Weg Informationen, etwa zu den fachlichen Qualifikationen und typischen Einsatzmöglichkeiten des Personals.   "Über 250 Angebote der Kommunen haben uns bereits erreicht und werden derzeit umfassend geprüft", so Hessens Finanzminister Alexander Lorz. Die Zahl der bislang eingegangenen Stellengesuche zeige bereits das große Interesse und den Bedarf der Kommunen.

Personalüberhang beim Land?

Doch wie kann es sein, dass das Land so viel Personal ausleihen kann? Auf Anfrage von KOMMUNAL sagte ein Sprecher,  die Hessische Finanzverwaltung habe in den vergangenen Jahren bewusst vorsorglich eingestellt, weil absehbar viel Personal altersbedingt ausscheidet. Durch diese vorausschauende Personalplanung sei man übergangsweise in der Lage, Kommunen zu unterstützen, ohne den eigenen Dienstbetrieb zu gefährden.

Beide Seiten  sollen profitieren

Es sei eine Win-win-Situation. Die Kommunen erhalten dringend benötigte Fachkräfte. Die Beschäftigten des Landes kehren nach zwei Jahren mit wertvollen Basis-Erfahrungen aus der kommunalen Praxis zurück – etwa aus Kämmerei oder Bauverwaltung. Auch Finanzminister Lorz betont diesen Ansatz: KommUnity sei bewusst etwas Neues und ein starkes Zeichen für die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen.

So kommen die Kommunen zum Personal

Der Weg für die Kommunen ist klar strukturiert. Sie haben ein Formular zur standardisierten Bedarfsabfrage erhalten. Darin können sie Anzahl der Stellen und gewünschte Berufsprofile angeben. Noch bis Ende Februar können Städte, Gemeinden und Landkreise ihre Bedarfe per E-Mail an das Ministerium übermitteln.

Danach gehen die zuständigen Stellen der Finanzverwaltung auf die Kommunen zu und schlagen passendes Personal vor. Nach der formalen Abordnung kann der Dienst in der jeweiligen Kommune zeitnah angetreten werden.  

Auch für die Beschäftigten des Landes ist KommUnity freiwillig. Seit dem 15. Januar können sie über eine verwaltungsinterne Plattform ihr Interesse an einer konkreten Stelle in einer Kommune hinterlegen. Die Finanzverwaltung informiert umfassend über das Programm und stellt Ansprechpartner für Rückfragen bereit. Für viele Landesbeschäftigte kann das Modell interessant sein. Sie erhalten Einblicke in kommunale Abläufe und können bis zu zwei Jahre eventuell sogar am Wohnort eingesetzt werden.

Bei allgemeinen Fragen rund um das Programm KommUnity stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Ministeriums der Finanzen den hessischen Kommunen zur Verfügung: E-Mail: KommUnity@hmdf.hessen.de / Hotline: 0611 32132472