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  3. Dorf entwickelt ersten kommunalen Datenraum
Daten für den kommunalen Datenraum
Etteln möchte seine digitalen Plattformen durch einen kommunalen Datenraum ergänzen - und so neue Anwendungen möglich machen.
© 123rf.com/profile_rawpixel

Etteln

Dorf entwickelt ersten kommunalen Datenraum

von Monique Opetz
Freie Journalistin
6. Mai 2026
Ein Dorf in Nordrhein-Westfalen plant Deutschlands ersten kommunalen Datenraum. Mobilitäts- und Umweltdaten sollen dort verknüpft werden, um neue Dienste, etwa für intelligentes Energiemanagement, zu bündeln. Das Besondere daran: der Datenraum bietet sichere Strukturen und Datenhoheit für die kleine Kommune Etteln. Allerdings gibt es noch Hürden.

Etteln, ein Ortsteil von Borchen in Nordrhein-Westfalen, gilt als das digitalste Dorf Deutschlands. Mit seiner Glasfaseranbindung, seinem E-Carsharing-Angebot, einer Dorf-App, einer digitalen Mitfahrerbank oder der KI-gestützten Hausarztpraxis gewann der 1750-Einwohner-Ort vor einem Jahr den internationalen Smart-City-Wettbewerb des Berufsverbandes IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers). Die Auszeichnung nahm das Dorf insbesondere für seine digitale Infrastruktur entgegen.

Nun möchte das Dorf einen Schritt weiter gehen – und kündigte voriges Jahr an, den ersten kommunalen Datenraum Deutschlands zu entwickeln. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? „Wir arbeiten seit 20 Jahren mit digitalen Plattformen – auch in Etteln“, sagt Ulrich Ahle, der Digitalisierungsverantwortliche im Ort und Chef von Gaia-X, einer europäischen Initiative für souveräne, digitale Ökosysteme. Doch jede neue Datenquelle, jeder neue Nutzer bedeute noch immer viel Aufwand: Sensoren, Fachverfahren oder externe Systeme müssen einzeln angebunden werden.

Von der digitalen Plattform zum kommunalen Datenraum

„Mit dem Wandel von einer digitalen Plattform in Richtung eines Datenraumes vereinfachen wir diesen Prozess“, erklärt Ahle. So entstehe aus der Plattform ein offenes System. Neue Quellen und Nutzer lassen sich leichter einbinden. Beteiligte werden automatisch erkannt und erhalten die passenden Zugriffsrechte. Der größte Vorteil liegt in der Datensouveränität. Sowohl Datenlieferanten als auch Datennutzer behalten die Kontrolle. „Mit dem Datenraum haben wir in der Hand, wer darauf zugreift – und was mit den Daten geschieht“, sagt er.

Als Chef von Gaia-X hat er die Entwicklung solcher Datenräume im Blick: „Aktuell gibt es in Europa etwa 200 Projekte, die solche Datenräume entwickeln“, so Ahle. Vorreiter seien die Automobil- und Luftfahrtindustrie. Bisher lief der Datenaustausch in Ketten: Der Hersteller verband sich mit dem Lieferanten, dieser mit seinem Zulieferer –  bis zum Rohstoffproduzenten. Der Datenraum durchbricht dieses Prinzip. Alle Beteiligten binden sich einmal an – und tauschen Daten im gemeinsamen Ökosystem aus. Vertrauensvoll, klar geregelt, deutlich einfacher.

„Diese Prinzipien sind in den vergangenen Jahren in einem großen europäischen Programm entstanden. Mit dem Projekt CommunityX bringen wir sie nun in die Kommune“, erklärt der Digitalisierungsverantwortliche.

Datenraum ermöglicht kluges Energiemanagement

Doch welche konkreten Anwendungen sollen mit dem Datenraum möglich sein? Das Dorf ist nicht nur digital, sondern auch ein Energiedorf: Es erzeugt ein Vielfaches seines eigenen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen. Mit dem Datenraum folgt der nächste Schritt: die Einführung dynamischer Strompreise. Damit das funktioniert, erhalten Haushalte intelligente Messsysteme. Doch nicht nur smarte Stromzähler werden an den Datenraum angebunden, auch Ladestationen für Elektroautos. „Wenn genügend Wind weht, wird es günstigen Strom geben und über den Datenraum wird beispielsweise die Ladestation gestartet“, sagt Ahle.  

Das Prinzip sei einfach: Strom wird dann genutzt, wenn er reichlich und günstig ist. Weht viel Wind, sinkt der Preis – und die Ladesäule startet automatisch. Die Preise liegen zwischen rund 13,5 und 23,5 Cent pro Kilowattstunde. „Am unteren Ende liegt der Preis fast auf Höhe der Netzentgelte – ungewöhnlich günstig“, betont er.

Dahinter stehe ein grundlegender Wandel. Erneuerbare Energien ließen sich bisher nicht steuern, nur prognostizieren. Deshalb müsse die Art und Weise, wie das Stromnetz stabil gehalten wird, neu gedacht werden: „Wir müssen nicht die Produktion, sondern den Bedarf steuern“, ist Ahle überzeugt. Mit der Anbindung an den Datenraum und einem digital gesteuerten Batteriespeicher sei das möglich.

Knackpunkt beim Projekt: die Finanzierung

Die Finanzierung des kommunalen Datenraumes läuft indes nicht so, wie erhofft. „Da will ich ganz offen sein“, sagt Ahle, „wir haben das Projekt mit dem Ansatz gestartet, dass die beteiligten Firmen es auf eigene Kosten umsetzen, da wir kein passendes Förderprogramm gefunden haben. Der Ansatz ist dafür wohl noch zu neu.“ Das habe Folgen für das Entwicklungstempo.

Doch Ahle lässt nichts unversucht und startet ein Crowdfunding. Auf der Seite gofundme.com ist zu lesen: „Im Rahmen des Projektes Community-X soll die aktuell genutzte Digitalisierungsplattform in Etteln in einen modernen Datenraum überführt werden. Community-X nutzt lizenzkostenfrei Softwarebausteine und offene Datenstandards und soll als Blaupause auch von anderen Kommunen in Deutschland und Europa wiederverwendet werden können.“ 45 000 Euro lautet das Spendenziel, 170 Euro sind bisher eingegangen.

Projekte über die Förderlaufzeit hinaus 

Doch im Energiebereich geht es voran: Die Deutsche Energie-Agentur wählte Etteln als Reallabor aus. Mittel dafür stehen zur Verfügung. In diesem Zusammenhang arbeitet das Dorf auch mit dem Fraunhofer IEE zusammen und erzielt so konkrete Fortschritte. „In der Breite bleibt es jedoch dabei: Wir kommen langsamer voran, als ich es mir gewünscht hätte“, sagt der Digitalisierungsbeauftragte.

Doch an Visionen mangelt es nicht: Auch die Anbindung von Mobilitätsangeboten an den Datenraum ist geplant. Dafür läuft aktuell ein Bewerbungsverfahren für ein Förderprogramm.  Ahle ist guter Dinge: „Es zeigt sich zwar deutlich, dass die Umsetzung solch innovativer Vorhaben ohne öffentliche Förderung nur schwer möglich ist.“ Gleichzeitig gelte in Etteln ein klares Grundprinzip: Fördermittel werden nicht um ihrer selbst willen eingeworben. Entscheidend sei, dass konkrete Lösungen entstehen, die den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen. „Außerdem legen wir großen Wert darauf, die Projektergebnisse auch über die Förderlaufzeit hinaus fortzuführen – im Zweifel auch ehrenamtlich.“

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