illegaler Müll? Kommunen werden kreativ
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illegaler Müll? Kommunen werden kreativ

illegaler Müll: Kommunen suchen kreative Lösungen

Die Zahlen sind erschreckend. Allein die Stadt Köln spricht von mehreren Tonnen Müll pro Tag, die Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe aufsammeln. Die Kosten pro Jahr: rund 7 Millionen Euro. Geld, das am Ende die Kölner Bürger bezahlen müssen. Doch was tun? Ideen gibt es reichlich. Ein Überblick!

Vom Thema illegaler Müll kann auch die Stadt Essen ein Lied singen: da landen in den Altpapiercontainern Tapetenreste, Kleidung oder Behälter mit teils gefährlichen Flüssigkeiten. Erwischt wird laut der Entsorgungsbetriebe aber bisher kaum jemand. In diesem Sommer haben daher erstmals städtische Mitarbeiter Container-Standorte überwacht. Auffällig war: Die ohnehin wenigen, die erwischt wurden, zeigten kaum Unrechtsbewusstsein. Daher soll nun die Überwachung mit einer Infokampagne kombiniert werden. Zehn Sicherheitsmitarbeiter und fünf Fahrzeuge sollen ab sofort dafür sorgen, dass zumindest an den Containerstandorten in der Stadt der illegale Müll weniger wird.

 

illegaler Müll: Siegen setzt auf Müllpaten, Hagen auf Müllwächter 

 

In Siegen, ebenfalls Nordrhein-Westfalen, fallen jährlich schätzungsweise 250 Tonnen illegaler Müll an. 100.000 Einwohner hat die Stadt. Hier sind seit einiger Zeit ehrenamtliche "Paten" unterwegs. Sie sollen die Stadt möglichst kurzfristig über illegale Müllhaufen informieren. Denn die Erfahrung zeigt: Liegt an einer Stelle erst einmal ein Müllberg, kommt schnell einiges dazu. 

In Hagen setzt man derweil auf sogenannte "Waste-Watchers". Die Mitarbeiter sind sogar angehalten, an Haustüren zu klingeln und zu fragen, ob jemand etwas gesehen hat, wenn in der Nähe illegal abgelagerter Müll steht. Das soll die rechtssichere Alternative zur früheren Herangehensweise sein. Denn in Hagen gab es schon im Jahr 2013 einen "Mülldetektiv". Er fotografierte Müllsünder, notierte Uhrzeit und Autokennzeichen und leitete die Ergebnisse seiner Recherchen an die Stadtverwaltung weiter. Und tatsächlich: „Die Müllberge haben sich damals erheblich verringert“, erinnert sich der ehemalige Bezirksbürgermeister Jochen Weber. Der Detektiv observierte die Standorte unregelmäßig, kam zu jeder Tages- und Nachtzeit und sorgte damit für viel Wirbel. Laut Medienberichten nahm die Verwaltung durch seine Arbeit rund 22.300 Euro ein. Doch der Erfolg hielt nicht lange an. Das Rechtsamt äußerte juristische Bedenken wegen der Kameraüberwachung. Der Müll-Detektiv wurde nach zwei Monaten entlassen. Die Vermüllung nahm wieder zu.

Dem neuen Versuch hatte der Hagener Stadtrat Ende September zugestimmt. Denn ganz kostengünstig dürfte der Einsatz nicht sein, immerhin sollen die "Waste-Watchers" von sieben Uhr morgens bis 23 Uhr Abends im Einsatz sein. 16 Mitarbeiter werden benötigt. Personalkosten, die sich die Stadt über die Müllgebühren wieder reinholt. 

 

 

Solch teure Lösungen sind in kleineren Städten meist nicht nötig, doch auch hier gibt es immer wieder Probleme mit illegalem Müll. Konkrete Lösungen aus diesen Kommunen sehen oft so aus: Einige weisen die Geschäftsleute darauf hin, im Umkreis ihres Lokals auf Sauberkeit zu achten. Andere organisieren Aufräumtage, an denen Freiwillige helfen können, den Müll aufzusammeln, um sich danach mit einem Imbiss und einer Tombola-Veranstaltung belohnen zu lassen. Und manche Kommunen lassen ihre Ratsmitglieder den Müll einsammeln, um den Bürgern damit ein gutes Vorbild abzugeben. In anderen Orten wiederum werden die Schulen als Paten für Spielplätze gewonnen, sodass sie sich um die Sauberkeit eines Spielplatzes kümmern. 

 

illegaler Müll: Petzen per App 

 

Natürlich gibt es auch in zahlreichen Städten technische Versuche, dem illegalen Müll Herr zu werden. In Gelsenkirchen etwa gibt es eine App Namens "Dreckpetze". Mit dieser App können Anwohner wilde Müllkippen fotografieren und melden. Faktisch "live" kann der "Petzer" dann verfolgen, ob und wie sich die Stadt um seine gemeldete Müllkippe kümmert. 

Einfacher, weil faktisch bundesweit verfügbar, ist die Müll-Weg-App, die bundesweit verfügbar ist und kostenfrei und werbefrei arbeitet. Wir hatten über die App in einem ausführlichen Artikel Anfang September berichtet (HIER geht es zum Original-Beitrag). Ein Auszug daraus: 
 

Immerhin rund 9500 Kommunen sind inzwischen theoretisch erreichbar. Und das funktioniert so: Jeder Bürger kann sich die App im entsprechenden App-Store herunterladen. Automatisch erkennt dei App den Standort per GPS und kann auch aus einem möglicherweise gemachten Foto einer Müllkippe die GPS Daten herauslesen. Daraus wird automatisch die zuständige Gemeinde ermittelt. Hinterlegt sind bisher über 9500 E-Mailadressen, an die die Daten dann aufbereitet durch die App verschickt werden (also die jeweils zuständige Mailadresse der Gemeinde). 

 

Meckern per Mausklick - das gibt es in einigen Bundesländern auch mit einem sogenannten 3 Tage Versprechen. Eine Bürger-App für alle Fälle Namens "Märker Brandenburg" etwa haben sich zahlreiche Kommunen in Brandenburg angeschlossen. Sie gehen das Versprechen ein, dass gemeldete Probleme - das sind neben illegalen Müllkippen auch zum Beispiel Schlaglöcher in Straßen - innerhalb von drei Tagen von der Verwaltung bearbeitet werden. 

 

 

Deutsche Bahn setzt auf einfachere technische Lösungen 

 

Bei der Deutschen Bahn wiederum setzt man seit einem halben Jahr recht erfolgreich auf das weitverbreitete WhatsApp. Geht von Bahnhöfen auf der WhatsApp Nummer eine Müllmeldung von Reisenden ein, wird sie umgehend an die Putzkräfte vor Ort weitergeleitet. Nach eigenen Angaben sind es hier meist herumliegende Kaffeebecker, Zeitungen und Verpackungsmaterial, das gemeldet wird. 

 

 

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