Bezahlbarer Wohnraum: Baubranche hat Forderungen an die Kommunen
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Jedes Jahr müssten 375.000 Wohnungen gebaut werden. Im letzten Jahr waren es aber nur 285.000

Bezahlbarer Wohnraum: Baugewerbe fordert mehr Planungssicherheit!

Do, 27.09.2018

Eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird für immer mehr Deutsche zum Problem. Deshalb will die Bundesregierung mehr Wohnungen bauen. Dafür sieht sich die Baubranche gut gewappnet, fordert dennoch mehr Planungssicherheit und die Bereitstellung von mehr Bauland.

„Wir brauchen in Deutschland dringend mehr Wohnungen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor ein paar Tagen. Und beschreibt mit ihrer Aussage eine Lösung für ein gesamtgesellschaftliches Problem, nämlich zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) will den Wohnungsbau weiter vorantreiben: „Für das Handwerk ist es eminent wichtig, die Wohnungsbauzahlen zu steigern“, erklärte Holger Schwannecke, ZDH-Generalsekretär. Das gelte zum einen aus wirtschaftlichen Gründen für die Bau- und Ausbaugewerke. Zum anderen sei es gesellschaftspolitisch notwendig, dass auch die Azubis und Beschäftigten der Branche eine bezahlbare Wohnung in den Ballungsräumen finden.

 

Bezahlbarer Wohnraum durch mehr Personal

 

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) hat deshalb in den letzten Jahren seine Kapazitäten aufgestockt: „Wir haben mehr als 120.000 neue sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze geschaffen“, betonte Hans-Hartwig Loewenstein, der ZDB-Präsident.

Und auch die Anzahl der Lehrverträge stieg um 8 Prozent. Dennoch erklärte Loewenstein, dass man zwar weitere Arbeitsplätze schaffen könne, aber Sorge vor Überkapazitäten habe. Seine Forderung deshalb: weitere öffentliche Investitionen.

 

Handwerksbranche fordert mehr Planungssicherheit von Kommunen

 

Holger Schwannecke, ZDH-Generalsekretär appellierte an die Kommunen, vermehrt geeignetes Bauland bereitzustellen -  in den Innenstädten wie an den Stadträndern. „Beim wieder notwendigen Aufbau langfristig gesicherter Planungskapazitäten müssen Städte und Gemeinden durch Bund und Länder unterstützt werden.“ Statt reine Wohnsiedlungen zu bauen, brauche man mehr gemischte, vielfältige Quartiere, in denen auch diejenigen wohnen können, die die Stadt bauen, reparieren oder Dienste leisten.

Den Baubetrieben bereitet es laut Lowenstein Probleme, dass gerade bei den öffentlichen Investitionen Aufträge meistens erst Mitte des Jahres vergeben werden. Die Baubetriebe bräuchten mehr Planungssicherheit.

„Daher muss es bei der VOB als rechtlicher Grundlage für die Vergabe, die Vertragsgestaltung und die technischen Normen bleiben!“

 

Bezahlbarer Wohnraum: Branche will mehr Modellhäuser bauen

 

Und auch die bekannte Forderung nach den sogenannten Typenhäusern wurde wieder laut: „Modulares oder elementiertes Bauen von bereits durchgeplanten Typenhäusern kann helfen, mehr und schneller zu bauen, ohne Überkapazitäten aufzubauen.

Das darf allerdings nicht dazu führen, weitere Plattensiedlungen mit neuen sozialen Problemen zu schaffen“, beschreibt Loewenstein. Solche Modell-Immobilien bestehen aus vorgefertigten Bestandteilen, die nach Baukastenprinzip zusammengebaut werden. Sie können aus Holz, Stahl und Beton bestehen.

Durch sie verkürzt sich nicht nur die Bauzeit, auch das Bauen wird günstiger. Zusätzlich ist auch der Abbau wesentlich einfacher – und die Häuser können nach dem Entfernen einfach an anderer Stelle wieder aufgestellt werden.

Nachteile dieser Bauart sind gestalterische Einschränkungen sowie ein höherer Aufwand für Schall- und Wärmeschutz.

Um schneller und preiswerter bauen zu können, rät die Baubranche sowie Experten dazu, überflüssige Standards abzubauen und Verschärfungen, wie zum Beispiel im Bereich der Energieeinsparverordnung, zu verhindern:

"Weitere Verschärfungen von Regelungen, die das Bauen von Mietwohnungen verteuern und gerade für kleinere Bauherren unattraktiv machen, müssen vermieden werden", schließt Schwannecke ab.

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