Eine Erbschaft für eine Gemeinde - hier die katholische Kirche im Dorf
Eine Erbschaft für eine Gemeinde - hier die katholische Kirche im Dorf
© wikipedia

Ehepaar vermacht Vermögen

Riesen-Erbschaft für kleine Gemeinde - aber mit Bedingungen!

Die kleine Gemeinde Waldsolms im hessischen Lahn-Dill Kreis ist ein beschauliches Örtchen im Regierungsbezirk Gießen. 4700 Menschen leben hier. Die Probleme sind die Üblichen im ländlichen Raum - es fehlt an ärztlicher Versorgung vor Ort, auch Spielplätze und Gebäude müssten mal wieder renoviert werden. Schwer mit einem Jahreshaushalt von 10 Millionen Euro. Doch das wird sich jetzt ändern...

Als Bürgermeister Bernd Heine von der Erbschaft erfuhr, traute er seinen eigenen Augen nicht. Ein reiches Ehepaar hat der Gemeinde 6,2 Millionen Euro vererbt. Für Waldsolms eine riesige Summe, immerhin hat die Stadt einen laufenden Haushalt, der nur unwesentlich höher ist. Wie üblich ist das Geld jedoch weitgehend zweckgebunden. Entsprechend wenig bleibt der Stadt für Investitionen übrig. Das wird sich nun ändern. Aber: Die Erbschaft ist an Bedingungen geknüpft. 

Das sind die Bedingungen für die Erbschaft 

Die Erbschaft stammt von einem reichen Ehepaar aus dem Ortsteil Wiperfelden. Renate und Alfred Wedel lebten dort seit den 70er Jahren eher unauffällig in einem großen Haus mit weitläufigem Grundstück. Alfred Wedel starb bereits vor einigen Jahren im Alter von 88 Jahren. Zuvor war er Börsenmakler in Frankfurt und hatte so das beachtliche Vermögen aufgebaut. Seine Frau zog nach dem Tod ihres Mannes in ein Pflegeheim in der Stadt. Vor knapp einem Jahr starb sie dort. Erbin war eigentlich ihre Schwester, doch auch die war zuvor bereits verstorben. Und so verfügte die Seniorin vor ihrem Tod, dass das Geld ihrer Heimatgemeinde zugute kommen soll. Aber nur für "gemeindliche Einrichtungen und die Infrastruktur". Damit ist sicher, dass das Geld nicht für laufende Ausgaben im Haushalt benutzt werden darf. Konkret besteht die Erbschaft aus einem Bankkonto, Aktien, Wertgegenständen sowie dem Haus mit großem Grundstück. 

Was die Gemeinde mit der Erbschaft vorhat 

 Zunächst dauerte es noch einige Monate, bis alle Formalitäten in Sack und Tüten waren. Doch seit wenigen Tagen ist nun klar: Die Gemeinde ist die rechtmässige Ersatzerbin und das Geld steht im Haushalt für Investitionen in die Infrastruktur zur Verfügung. Das Schöne daran, so Bürgermeister Bernd Heine im HR: "Das Geld, das die Eheleute zusammengespart haben, muss jetzt nicht mit aller Gewalt in kürzester Zeit ausgegeben werden". Ideen gibt es aber schon. 

Vor allem will die Gemeinde die ärztliche Versorgung in der Gemeinde verbessern. Dem Bürgermeister schwebt nach eigenen Angaben ein Versorgungszentrum vor. Aber auch der örtliche Kindergarten soll saniert werden. Denn glücklicherweise steigt die Nachfrage nach Kindergartenplätzen in der Gemeinde wieder, so der Bürgermeister. Sollte dann noch Geld übrig bleiben, wünscht sich die Gemeinde Investitionen in Gebäude, Wege, Plätze und Straßen - denn "da gibt es einiges zu reparieren und auszubauen", so Heine im HR. 

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