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Frau auf Fahrrad Grafische Darstellung
© Adobe Stock

Mobilität

Leihräder: Prignitz tritt in die Pedale

von Gudrun Mallwitz
Chefreporterin | KOMMUNAL
28. April 2025
Ein Leihradsystem in der dünnsten besiedelten Region Deutschlands? Im Nordwesten Brandenburgs wird aus einer urbanen Idee ein ländliches Mobilitätsexperiment.

Wer in Wittenberge am Bahnhof aus dem ICE steigt, auf den wartet bereits ein Leihrad. Auch in Perleberg sind immer häufiger die orangefarbenen Räder zu sehen.  Die Prignitz ist weit, kein anderer Landkreis ist so dünn besiedelt wie die Region im äußersten Nordwesten Brandenburgs. Ohne Auto ist Mobilität in den meisten Orten kaum denkbar. Genau da setzte das Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz (TGZ) an. „Wir wollen mit dem Angebot die Prignitz attraktiver machen – für alle, die hier leben oder leben wollen“, sagt Christian Soult vom TGZ. Seit Anfang des Jahres hat der Tourismusverband Prignitz e.V das Projekt als Anbieter übernommen.

Leihrädersystem im ländlichen Raum


Den Anfang machten Wittenberge und Perleberg. An den Bahnhöfen und zentralen Orten stehen via App buchbare Leihräder bereit. Die Stationen sind virtuell per GPS verortet und flexibel anpassbar – ohne dass bauliche Maßnahmen notwendig wurden. Inzwischen sind auch Bad Wilsnack und das Storchendorf Rühstädt Teil des Leihfahrrad-Netzes.
In Wittenberge gibt es zusätzlich zwei Lastenräder, die kostenlos über „Flotte Brandenburg“ genutzt werden können – etwa für Apothekendienste. Künftig sollen auch diese Räder ins System integriert werden.
Für Wartung und Pflege arbeitet der Tourismusverband mit lokalen Partnern zusammen.Die Lebenshilfe Prignitz betreut den Standort Wittenberge und schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Ehrenamtliche Radpaten kümmern sich um die Lastenräder. Ein Problem bleibt: Vandalismus verursacht hohe Kosten und schränkt die Verfügbarkeit ein.

Projekt gefördert mit Bundes- und Landesgeld

Wirtschaftlich trägt sich das System aktuell allerdings nicht. Gefördert wurde das Projekt bis 2024 aus Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe: „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsinfrastruktur” – GRW-Infrastruktur. Langfristig sollen Einnahmen aus Mieten und Werbung zur Finanzierung beitragen.  Derzeit sind rund 50 der orangefarbenen Räder in der Prignitz unterwegs. Weitere Kommunen sollen folgen. Das Projekt wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ausgezeichnet. Es will nicht weniger als zeigen: Nachhaltige Mobilität geht auch auf dem Land.

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