Steuereinnahmen 2026
Steuerschätzung 2026: So unterschiedlich sind die Prognosen für Kommunen
Die Mai-Steuerschätzung 2026 zeichnet bundesweit ein deutlich eingetrübtes Bild für die Kommunalfinanzen. Bund, Länder und Gemeinden müssen in den kommenden Jahren mit erheblich geringeren Steuereinnahmen rechnen als noch im Herbst 2025 erwartet. Hintergrund sind vor allem die schwächeren Wachstumsaussichten infolge geopolitischer Krisen, gestiegener Energiepreise und der anhaltend schwachen Konjunktur.
Prognostizierte Steuereinnahmen - Auswirkungen auf die Kommunen
Besonders deutlich zeigt sich dabei die hohe Abhängigkeit vieler Kommunen von der wirtschaftlichen Entwicklung. In einigen Ländern sinken vor allem die Erwartungen bei der Gewerbesteuer, andere spüren die Belastungen stärker über geringere Anteile an der Einkommensteuer. Zwar steigen die kommunalen Einnahmen vielerorts nominal weiter an, die Zuwächse fallen jedoch deutlich geringer aus als bislang erwartet, während die Ausgaben steigen.
Brandenburg: Mehr Steuereinnahmen für Gemeinden
Für die brandenburgischen Kommunen sagt die Mai-Steuerschätzung trotz der weiterhin schwierigen Wirtschaftslage in Deutschland finanzielle Stabilität. Zwar entstehen laut Finanzminister Daniel Keller keine großen neuen Spielräume, dennoch profitieren die Städte, Gemeinden und Landkreise von den steigenden Steuereinnahmen des Landes. Über den Kommunalen Finanzausgleich sollen sie 2026 etwa 21,3 Millionen Euro mehr erhalten. Insgesamt steigen die kommunalen Steuereinnahmen bis zum Jahr 2030 von rund 3,1 Milliarden Euro auf rund 3,6 Milliarden Euro. Mehr Informationen.
Baden-Württemberg: Drastischer Einbruch
Ganz anders fällt das Bild dagegen in Baden-Württemberg aus. Dort bleibt die finanzielle Lage der Kommunen trotz zusätzlicher Unterstützung des Landes angespannt. Zwar wurde der kommunale Finanzausgleich in diesem Jahr um 550 Millionen Euro erhöht, hinzu kommen weitere Hilfen von mehr als 200 Millionen Euro für Eingliederungshilfen, Inklusion und Schulbegleitungen. Dennoch müssen Städte, Gemeinden und Landkreise nach der Mai-Steuerschätzung bis 2028 mit deutlich geringeren Einnahmen rechnen als noch im Herbst erwartet. Allein für 2026 wird mit einem Minus von 973 Millionen Euro kalkuliert, in den Folgejahren liegen die erwarteten Mindereinnahmen jeweils ebenfalls bei knapp einer Milliarde Euro.
Besonders belastend wirkt sich dabei die schwächere Gewerbesteuerentwicklung aus. Für 2026 werden in Baden-Württemberg Mindereinnahmen von 853 Millionen Euro erwartet, bis 2028 steigt das Minus auf fast 900 Millionen Euro. Damit zeigt sich, wie stark die schwache Konjunktur inzwischen direkt auf die kommunalen Haushalte durchschlägt. Während Brandenburg zumindest mit moderat steigenden Einnahmen plant, stehen viele Kommunen in Baden-Württemberg vor der Aufgabe, sinkende Erwartungen, hohe laufende Kosten und gleichzeitig wachsende Investitionsbedarfe miteinander zu vereinbaren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Sachsen-Anhalt: Geringere Einnahmen der Kommunen
Auch die Kommunen in Sachsen-Anhalt müssen sich nach der Mai-Steuerschätzung 2026 auf geringere Einnahmen einstellen. Für die Gemeinden wird im kommenden Jahr ein Minus von 29 Millionen Euro erwartet, 2027 sollen die Einnahmen um 34 Millionen Euro niedriger ausfallen, 2028 um weitere 37 Millionen Euro. Zwar fallen die erwarteten Rückgänge im Vergleich zu manchen anderen Bundesländern noch vergleichsweise moderat aus, dennoch treffen sie die Kommunen in einer Phase hoher Ausgaben und großer Investitionsbedarfe.
- Kurzfristig erwartet das Land zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf den laufenden Haushalt. Mittelfristig dürften die geringeren Einnahmeerwartungen jedoch auch den Spielraum der Kommunen weiter einengen. Entscheidend wird damit, wie schnell sich die wirtschaftliche Entwicklung wieder stabilisiert und ob Bund und Länder zusätzliche Entlastungen schaffen können. Zu weiteren Informationen.
Bayern: Enttäuschende Steuerschätzung
Für Bayerns Kommunen fällt die neue Steuerschätzung deutlich schlechter aus als noch im Herbst erwartet. Zwar steigen die kommunalen Steuereinnahmen weiter leicht an, das Wachstum fällt jedoch erheblich schwächer aus. Nach der vorherigen Prognose waren Städte und Gemeinden noch von einem Plus von 4,2 Prozent ausgegangen, nun werden nur noch Mehreinnahmen von 0,6 Prozent erwartet. Besonders problematisch ist dabei die Entwicklung der Gewerbesteuer, deren Einnahmen in diesem Jahr voraussichtlich um 3,4 Prozent zurückgehen werden.
Damit geraten viele bayerischen Kommunen zunehmend unter Druck. Vor allem Industriestandorte spüren die Folgen der schwachen Konjunktur unmittelbar. Wenn Unternehmen geringere Gewinne erzielen, fehlen den Kommunen schnell wichtige Mittel für Investitionen und laufende Aufgaben.
Entsprechend wächst die Sorge vor neuen Sparzwängen in den Rathäusern. Der Bayerische Städtetag warnt bereits davor, dass viele Kommunen mit Einnahmen kalkuliert hätten, die ausbleiben könnten. Zugleich steigt der Druck, kommunale Ausgaben zu begrenzen und Aufgaben neu zu priorisieren. Die aktuellen Zahlen dürften deshalb auch die anstehenden Verhandlungen über den kommunalen Finanzausgleich in Bayern prägen. Mehr Informationen.
Hessen: Einnahmen sinken
Für Hessens Kommunen dürfte die neue Steuerschätzung vor allem deshalb problematisch werden, weil sie in eine ohnehin angespannte Haushaltslage fällt. Bis 2030 rechnen Städte, Gemeinden und Landkreise mit fast 1,5 Milliarden Euro weniger Einnahmen als noch im Herbst prognostiziert. Besonders ins Gewicht fällt dabei die schwächere Gewerbesteuerentwicklung, die eng an die wirtschaftliche Lage gekoppelt ist.
Anders als in manchen anderen Ländern verweist Hessen zugleich offen auf den steigenden Konsolidierungsdruck – also den Zwang, Haushalte stärker zusammenzuhalten und Ausgaben kritisch zu überprüfen. Das betrifft nicht nur das Land selbst, sondern indirekt auch die Kommunen. Denn wenn die finanziellen Spielräume enger werden, dürfte sich auch die Diskussion verschärfen, welche Aufgaben Kommunen künftig noch übernehmen können und wo Entlastungen notwendig werden.
Zugleich macht die Landesregierung deutlich, dass sie kurzfristig keine zusätzlichen milliardenschweren Hilfen in Aussicht stellt. Stattdessen rückt stärker die Frage nach Strukturreformen und Prioritäten in den Mittelpunkt. Für viele Kommunen könnte das bedeuten, Investitionen länger zu strecken, Projekte neu zu bewerten oder stärker auf Pflichtaufgaben zu fokussieren. Die Details.
Schleswig-Holstein: Gewerbesteuer stabil
Auch Schleswig-Holsteins Kommunen müssen sich nach der aktuellen Steuerschätzung auf geringere Einnahmen einstellen. Für die Steuereinnahmen der Kommunen in Schleswig-Holstein wird 2026 ein Aufkommen von rund 5 Milliarden Euro erwartet. Gegenüber der Herbst-Steuerschätzung entspricht das einem Rückgang von rund 15 Millionen Euro. Auch in den Folgejahren bleiben die Erwartungen zunächst gedämpft, bevor für 2030 wieder ein leichtes Plus prognostiziert wird.
Auffällig ist dabei, dass die Belastungen weniger von der Gewerbesteuer ausgehen als in vielen anderen Bundesländern. Die Rückgänge hängen vor allem mit niedrigeren Einnahmen aus dem Gemeindeanteil an der Lohn- und Einkommensteuer sowie der Abgeltungsteuer zusammen. Die vergleichsweise stabile Gewerbesteuer kann einen Teil der Verluste zwar auffangen, zusätzliche Spielräume entstehen aber so gut wie keine. Lesen Sie dazu mehr.


