Die YouTuber Rody Almahmoud und Deeia Abdoullah erklären Deutschland für Flüchtlinge.

Syrische YouTuber erklären Deutschland

Wenn Flüchtlinge in Deutschland ankommen, müssen sie die Sprache, den Umgang mit Behörden, Mülltrennung und vieles mehr gleichzeitig lernen. Dabei ist Unterstützung durch Andere, die das Gleiche erlebt haben, die größte Hilfe. Und die bekommen sie jetzt auf YouTube.

„Wenn ich erzähle, dass wir auf YouTube erklären, wie man in Deutschland ein Buch kauft, fragen mich die Leute, ob es in Syrien keine Bücher gibt“, erzählt Rody Almahmoud mit einem Grinsen. „Aber es geht darum Dinge zu verstehen, wie den Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Bücherei. Das gibt es bei uns nicht.“ Rody Almahmoud ist 30 Jahre alt und seit August 2015 in Deutschland. Zusammen mit Deiaa Abdullah, der ebenfalls aus Syrien kommt, dreht er Erklärvideos für Flüchtlinge.

Rody Almahmoud produziert die YouTube-Reihe
Was ist Mülltrennung? Wie eröffnet man ein Bankkonto? Wo melde ich mich für einen Deutschkurs an? Die Videos erzählen die Geschichte von einem Mann, der gerade aus Syrien nach Deutschland gekommen ist und hier studieren möchte. Sie sollen beim Deutsch lernen helfen, bei bürokratischen Aufgaben, aber auch dabei die deutsche Kultur zu verstehen. Im ersten Video sieht man Deiaa wie er an der Straßenbahn Hilfe sucht, um einen Fahrschein zu ziehen, wie er eine Passantin nach dem Weg fragt und sich mit einer Vermieterin trifft, um eine Wohnung zu besichtigen. „Wir möchten den Leuten helfen“, sagt Almahmoud. „Viele sind gut in der Sprache, aber sie haben keinen Kontakt zu Deutschen und wissen nicht wie man in Deutschland lebt.“ Bisher haben die YouTuber fünf der Erklärvideos hochgeladen. Die Videos sind alle in deutscher Sprache mit dem Vokabular des B2-Levels. Zur Unterstützung gibt es deutsche Untertitel. „Wer schon eine Weile an Integrationskursen teilnimmt, versteht vermutlich etwa achtzig Prozent des Videos“, schätzt Almahmoud. „Was man nicht versteht, kann man dann anhand der Untertitel nachgucken.“

Der YouTube-Channel hat bereits mehr als 100.000 Abonnenten. ©Rody Almahmoud

Hilfe bekommen die beiden YouTuber von einigen Bekannten, die als Darsteller in den Videos mitspielen und von der VHS Rhein-Erft. Die Mitarbeiter der VHS und Rody Almahmoud lernten sich schon im Dezember 2015 kennen. Damals waren gerade die 300-Stunden-Deutschkurse für Asylbewerber unter anderem aus Syrien eingeführt worden. Und die VHS hatte mit dem was da kam nicht gerechnet: Hunderte Interessierte wollten sich für die Kurse anmelden, konnten jedoch kein Deutsch und zum Teil auch kein Englisch sprechen. Almahmoud hatte sich schnell freiwillig gemeldet und stand der VHS als Übersetzer zur Seite. Und auch er meldete sich zu den Deutschkursen an. „Die VHS hat mir sehr geholfen“, sagt der 30-Jährige. „Da wollte ich etwas zurückgeben.“ So begann der Hobbyfilmer einen Imagefilm für die VHS Rhein-Erft zu drehen. Das kurze Video zeigt einige Teilnehmer und Lehrer der Integrationskurse. „Das war ganz toll für uns“, sagt der stellvertretende Leiter der VHS, Georg Schlechtriem. „Auf den Zwecksverbandsversammlungen mit den vier zugehörigen Kommunen kann man noch so lange über die 40.000 Unterrichtsstunden im Jahr und die 30 Integrationskurse reden. Das Video zeigt besser als jede Zahl, was die Integrationskurse bei uns für Menschen bedeuten.“

YouTuber ergänzen Integrationskurse

Aus dem Video entwickelte sich die Idee zu den Erklärvideos. Und als Rody Almahmoud dann bei der VHS um Hilfe bat, waren sie auch sofort bereit sich zu engagieren. Die YouTuber dürfen die Räume der VHS für ihre Drehs nutzen und die Mitarbeiter stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, zu erklären, wie Krankenkassen oder Kontoeröffnungen funktionieren. „Die Videos bieten eine weitere, ergänzende Dimension zu den Integrationskursen“, meint Schlechtriem. Der YouTube-Kanal erfreut sich mit knapp 100.000 Abonnenten großer Beliebtheit. „Man kann sich ja vorstellen, dass es für Flüchtlinge schöner ist, sich die deutschen Sitten von anderen Flüchtlingen erklären zu lassen“, sagt Schlechtriem. „Aus der Jugendarbeit kennt man das genauso. Jugendliche erreicht man über Jugendliche.“ Das sieht auch Bianca Jamitzky, Fachbereichsleiterin Fremdsprachen, so. „Die Idee ist ja nicht neu. Die Informationen aus den Videos findet man auch auf den Internetseiten der Kommunen oder in Broschüren des Bundesamts“, sagt Jamitzky. „Diese Angebote werden aber deutlich weniger genutzt als die Videos von Rody und Deiaa.“

Die Erklärvideos haben viele Fans

Die acht- bis 13-minütigen Videos haben zwischen 150 und 550 Kommentare. Die Abonnenten kommentieren teils auf Arabisch, viele versuchen jedoch auf Deutsch zu schreiben. Sie fragen nach Sätzen, die sie nicht verstanden haben, bedanken sich bei den YouTubern, bitten um mehr Videos oder fragen, ob sie auch einmal bei einem Video mitwirken können. „Das Feedback ist fast ausschließlich positiv“, freut sich Almahmoud. „Wir bekommen viele Fragen und Anregungen und versuchen das Feedback bei jedem neuen Video umzusetzen.“ Weitere Videos sind bereits in Arbeit. Darin geht es unter anderem darum wie man sich bei der Krankenkasse meldet, wie deutsche Wahlen funktionieren und wie Deutsche Geburtstag feiern.

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