Kommunalwahlen 2026
Bürgermeisterwahlen in Bayern: Vom Bischofsauto ins Rathaus
Am Abend des 8. März 2026 saß Dominik Zeißner womöglich zum letzten Mal am Steuer des Bischofswagens. Denn an diesem Tag hatte der Chauffeur von Würzburgs Bischof Franz Jung die Bürgermeisterwahlen in Wasserlosen im Landkreis Schweinfurt gewonnen. Mit 55,1 Prozent der Stimmen.
Wasserlosen hat neuen Bürgermeister, Bischof sucht neuen Chauffeur
Für das Bistum Würzburg begann damit eine unfreiwillige Personalsuche. Dominik Zeißner sei der einzige Fahrer des Bischofs, teilte das Bistum mit. Bischof Jung habe seinem langjährigen Mitarbeiter gratuliert – den Abgang bedauere er dennoch. Ab 1. Mai hat Zeißner einen Vollzeitjob im Wasserlosener Rathaus.
Sechs Jahre Bischofshaus, nun das Rathaus
Zeißner war fast sechs Jahre im Bischofshaus tätig und übernahm dort neben dem Fahrdienst auch weitere Aufgaben. Als dritter Bürgermeister von Wasserlosen war er bereits vor der Wahl Teil der Gemeindepolitik – nun rückt der Kommunalpolitiker an deren Spitze. Vorsorglich hatte das Bistum die Stelle des Chauffeurs schon vor der Wahl ausgeschrieben.
Thüngersheim: Kaum gewählt, schon zurückgetreten
Während Zeißner seinen Neustart feierte, ereignete sich wenige Kilometer entfernt das politische Gegenstück: Im unterfränkischen Weinort Thüngersheim im Landkreis Würzburg hatte Florian Geiger die Bürgermeisterwahl mit knapp 52 Prozent gewonnen. Fünf Tage später erklärte er, das Amt nicht anzutreten.
"Diese Entscheidung ist mir außerordentlich schwergefallen. Doch aus persönlichen und beruflichen Gründen sehe ich mich aktuell nicht in der Lage, die Pflichten dieses verantwortungsvollen Amtes mit der gebotenen Konsequenz und dem notwendigen Einsatz zu erfüllen", erklärte Geiger auf Instagram. Zu den genauen Hintergründen äußerte er sich nicht. Die Freien Wähler Thüngersheim zeigten sich in einer öffentlichen Mitteilung erschüttert: "Wir sind maßlos enttäuscht und zugleich fassungslos über diese Entwicklung." Die Partei forderte Geiger auf, auch sein Gemeinderatsmandat niederzulegen.
Das Mandat des scheidenden Bürgermeisters Michael Röhm endet am 30. April 2026. Für Thüngersheim bedeutet das: Neuwahl. Das Landratsamt koordiniert die nächsten Schritte. Bis dahin führen der zweite und dritte Bürgermeister die Amtsgeschäfte kommissarisch.
Freie Zeile als Besonderheit bei bayerischen Bürgermeisterwahlen
Die Kommunalwahlen in Bayern haben gleich mehrfach bewiesen, dass das Wahlrecht für Überraschungen gut ist. Das bayerische Kommunalwahlrecht erlaubt es Wählern, handschriftlich alternative Kandidatinnen und Kandidaten auf die sogenannte Freie Zeile zu schreiben. Das Ergebnis: Mehrere amtierende oder frühere Bürgermeister wurden gewählt, obwohl sie gar nicht kandidiert hatten.
Was ist die Freie Zeile?
Die Freie Zeile ist ein Alleinstellungsmerkmal des bayerischen und baden-württembergischen Kommunalwahlrechts: Anders als in den meisten anderen Bundesländern können Wählerinnen und Wähler auf dem Stimmzettel eigenhändig eine Person ihrer Wahl eintragen – unabhängig davon, ob diese kandidiert hat. Erhält ein solcher Kandidat die meisten Stimmen, ist er rechtlich gewählt. Die Annahme des Amtes steht ihm dann frei.
In Philippsreuth im Landkreis Freyung-Grafenau wollte Helmut Knaus nach zwölf Jahren im Amt in Rente gehen. Die Bürgerinnen und Bürger hielten wenig von seinen Plänen: 57,1 Prozent holte Knaus bei der Bürgermeisterwahl – obwohl er gar nicht angetreten war. "Warum soll ich da Nein sagen? Mit über 50 Prozent – mehr kann man nicht erreichen, wenn man nicht kandidiert", sagte er dem Bayerischen Rundfunk.
Im unterfränkischen Himmelstadt entschied am Ende eine einzige Stimme: Amtsinhaber Herbert Hemmelmann gewann die Bürgermeisterwahl mit 478 zu 477 Stimmen.


