Fund
Gemeinde darf den Goldschatz behalten
Es war ein ganz normaler Auftrag: Mäharbeiten an einem Regenwasserrückhaltebecken, Motorsense, Sommersonne. Dann blitzte da plötzlich etwas im Gras. Der Mitarbeiter des Bannewitzer Klärwerks schaute genauer hin – und traute seinen Augen kaum. Acht kleine Goldbarren, je eine Unze reines Gold, lagen da einfach so vor ihm.
Im Rathaus wollte es zunächst niemand glauben. Bürgermeister Heiko Wersig schickte das Ordnungsamt zur Kontrolle. Die Mitarbeiter kamen zurück – mit noch besseren Neuigkeiten: Es sind zehn Barren insgesamt. Zehn Unzen Gold, gefunden im Gras einer sächsischen Vorortgemeinde. „Da war hier im Rathaus natürlich erst einmal Aufregung, denn wirklich glauben konnte das keiner", erzählte Wersig bei einem Besuch von KOMMUNAL-Reporter Benjamin Lassiwe in Bannewitz Ende vorigen Jahres.
Woher kam das Gold? Wem gehörte es?
Die Polizei sicherte den Fund und legte die Barren in die Asservatenkammer in Dresden. Vielleicht hatte jemand das Gold dort verloren. Vielleicht war es die versteckte Beute eines Diebstahls. Gesichert war zunächst nur eines: Nach deutschem Fundrecht hatte die Polizei sechs Monate Zeit, einen rechtmäßigen Eigentümer zu ermitteln. Sollte sich niemand melden, würde das Gold in das Eigentum der Gemeinde übergehen. Wersig wartete – und rechnete insgeheim schon.
Warum bekommt die Gemeinde den Goldschatz?
Die sechs Monate sind inzwischen verstrichen. Niemand hat sich gemeldet. Der Goldschatz gehört jetzt Bannewitz, melden mehrere Medien. Da die Goldbarren einfach im Gras lagen – vermutlich vom Dieb dort deponiert oder verloren – hat die Polizei sie offenbar als Fundsache behandelt. Nach Ablauf von sechs Monaten erwirbt der Finder das Eigentum, es sei denn, ein Empfangsberechtigter hat sich vorher gemeldet oder sein Recht bei der Behörde angemeldet. Eine Unsicherheit dürfte jedoch bestehen bleiben. Denn gestohlenes Gut bleibt nach deutschem Recht auch nach Jahren Eigentum des Bestohlenen – ein Diebstahl lässt das Eigentumsrecht nicht einfach erlöschen. Bisher hat die Polizei aber keine Hinweise darauf, dass die Goldbarren aus einer Straftat stammen und Täter sie bei der Flucht verloren haben.
Vereine sollen von dem Geld unterstützt werden
Bürgermeister Wersig hat schon klare Vorstellungen, was mit dem unverhofften Schatz passieren soll. Die mehr als 50 Vereine der 11.000-Einwohner-Gemeinde sollen davon profitieren. Für ihn sind sie das eigentliche Gold von Bannewitz – das gesellschaftliche. „Wenn wir diese Vereine nicht hätten, wären unsere Sozialausgaben um ein Vielfaches höher", sagt Wersig. Vereine halten Kinder und Jugendliche in sinnvoller Beschäftigung, stärken den Zusammenhalt und ersetzen manches, was der Staat sonst teuer finanzieren müsste. "Wir sind gerade mit dem Gemeinderat dabei, eine Vereinsförderungsrichtlinie für unsere Kommune zu erarbeiten und wollen gerne das Geld sozusagen als Startkapital dafür verwenden", sagte Wersig dem MDR.
Besonders nah am Herzen liegt dem Bürgermeister dabei die Feuerwehr. Wersig ist selbst ehrenamtlicher Brandinspektor, saß jahrelang als Wehrleiter an vorderster Front – und hat den Pieper noch heute auf dem Schreibtisch liegen. Wenn tagsüber Alarm kommt, ist das Problem in Bannewitz dasselbe wie in vielen anderen Umlandgemeinden: Die meisten Einwohner arbeiten in Dresden und sind nicht vor Ort. Dann muss auch der Bürgermeister ran. Als qualifizierter Maschinist darf er das Feuerwehrauto fahren – eine Schlüsselrolle, ohne die kein Einsatz stattfinden kann, egal wie viele Kräfte bereitstehen.
Bürgermeister: "Wir zeigen bei uns beim Mitarbeiter erkenntlich"
Auch der Klärwerks-Mitarbeiter, der den Fund überhaupt erst möglich gemacht hat, soll eine Anerkennung bekommen. „Natürlich werden wir uns bei dem Mitarbeiter, der die Goldbarren gefunden hat, erkenntlich zeigen", betont Wersig. Was er erhält, lässt er offen.
Auf weitere Goldfunde will sich der Bürgermeister lieber nicht verlassen. Im Alltag setzt er stattdessen auf verlässlichere Einnahmequellen: Ein neues DHL-Sortierzentrum entsteht gerade am Ortsrand, ein Wohnmobilstellplatz mit Blick auf Dresden soll Touristen anlocken, und der größte Arbeitgeber im Ort – ein Kompressorenbau-Unternehmen mit über 220 Stellen – will expandieren. Bannewitz profitiert davon, dass Dresden selbst kaum noch freie Flächen für Gewerbe und Wohnen hat. „Bei uns dagegen ist noch Platz", sagt Wersig. Und der soll in den nächsten Jahren möglichst gut genutzt werden.

