Digitale Verwaltung
Low Code-Plattformen: Verwaltung ersetzt Programmierer
Low Code bezeichnet Entwicklungsplattformen, mit denen digitale Anwendungen über visuelle Bausteine erstellt werden – ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse. Fachverfahren lassen sich so schneller und günstiger aufbauen als mit herkömmlicher Softwareentwicklung. Kommunen können damit Formulare, Workflows und Bescheide selbst konfigurieren, ohne auf spezialisiertes IT-Personal angewiesen zu sein. Ein Mindestmaß an technischem Verständnis bleibt dennoch nötig.
Kommunale Praxis: Drei Beispiele zeigen, was Low Code leisten kann
Das Amt Mittelangeln in Schleswig-Holstein zeigt, was möglich ist: Die Kommune mit rund 10.500 Einwohnerinnen und Einwohnern nutzt seit drei Jahren eine Low-Code-Plattform. Allein bei der Online-Genehmigung von Plakaten sank der Aufwand für Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter um rund drei Viertel. Bürgermeisterin Britta Lang über das Grundprinzip: „Organisation vor Technik, das ist die Voraussetzung für Digitalisierung."
→ Redaktion: Die Angabe „sank der Aufwand um rund drei Viertel" sollte durch eine verifizierbare Quelle oder ein direktes Zitat der Gemeinde belegt sein. Bitte prüfen und ggf. ergänzen.
Auch der Zweckverband OWL-IT in Ostwestfalen-Lippe hat für sich und seine Verbandskommunen eine Low-Code-Plattform eingeführt und dabei eine eigene Citizen-Developer-Community aufgebaut – also einen Verbund von Verwaltungsmitarbeitenden, die ohne klassische Programmierkenntnisse digitale Anwendungen entwickeln und ihr Wissen gezielt teilen.
Low Code-Plattform speziell für Verwaltungen
Eine speziell für Verwaltungen entwickelte Low-Code-Plattform ist MODUL-F. Sie schließt eine Lücke dort, wo es bisher keine digitalisierten Systeme für die verwaltungsinterne Abwicklung gibt – besonders bei kleinen Anwendungsfällen, für die ein eigenes IT-Fachverfahren wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre. Seit Januar 2025 betreiben Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt die Plattform gemeinsam. Die Geschäftsführung liegt bei einem IT-Dienstleister.
Auch Weißenfels arbeitet mit an dieser Plattform. Der Einstieg entstand nicht zufällig. „Über das CIO-Projekt des Ministeriums für Infrastruktur und Digitales wurden Kommunen aktiv aufgerufen, verschiedene Lösungen im Kontext der Digitalisierung zu diskutieren und zu testen – ein Thema war MODUL-F", berichtet Katharina Vokoun aus der Pressestelle der Stadt. Durch die aktive Mitarbeit des städtischen Digitalisierungsbeauftragten in diesen Projekten kam es zur Teilnahme an der Pilotphase. Das erste produktive Fachverfahren: die digitale Anmeldung eines Brauchtumsfeuers.
Dabei ist die Plattform kein Online-Dienst für Bürgerinnen und Bürger, sondern das Gegenstück in der Verwaltung. „MODUL-F ist das fehlende Puzzlestück in der Verwaltung, um Anträge Ende-zu-Ende, unter Beachtung der Informationssicherheit zu empfangen und zu bearbeiten", erklärt Vokoun.
Intern hat die Umstellung die Arbeitsweise deutlich modernisiert: „Verändert hat sich, dass statt Word-Vorlagen und Papierarchiv eine komplette, digitale Lösung gefunden wurde." Die Mitarbeitenden hätten die Entwicklung der Software aktiv mitgestaltet und kämen gut mit ihr zurecht.
Was die Pilotphase gezeigt hat – Erfahrungen aus Weißenfels
Die Pilotphase zeigte jedoch auch eine klare Grenze: Schulungen allein reichen nicht, damit Kommunen Fachverfahren eigenständig entwickeln können. Als Reaktion darauf wurde beim IT-Dienstleister ein Team aufgebaut, das gemeinsam mit den Kommunen neue Fachverfahren entwickelt. Und auch langfristig erwartet Weißenfels keine vollständige Eigenständigkeit: „Aus unserer Sicht wird es immer einen externen Betreuungsbedarf geben."
Dennoch empfiehlt Weißenfels den Einstieg: „Gerade für kleine Kommunen lohnt sich das Tool, da Prozesse ohne Software auf einmal komplett digital abgehandelt werden können", so Vokoun. Sie schränkt ein: „Es bedarf aber initial der Beteiligung, um die digitalen Prozesse aufzubauen beziehungsweise anzupassen." Als nächstes prüft Weißenfels den Einsatz in der Friedhofsverwaltung.
Risiken und Ausblick: Was Kommunen beim Low-Code-Einsatz beachten sollten
Risiken bleiben: Cloud-basierte Plattformen werfen Fragen zu Datenschutz und DSGVO-Konformität auf. Zudem droht bei unkontrollierter Eigenentwicklung ein Wildwuchs von Insellösungen. Kommunen brauchen deshalb ein klares Governance-Konzept.
In Schleswig-Holstein startete der IT-Verbund im März den Rollout einer Low-Code-Plattform – zunächst mit zehn weiteren Kommunen. Ziel ist eine möglichst flächendeckende Verbreitung, damit Fachverfahren dezentral von Verwaltungen für Verwaltungen modelliert und nachgenutzt werden können. Das Weißenfelser Modell – mit Landesunterstützung und aktivem Digitalisierungsbeauftragten – könnte dabei als Blaupause dienen.


