Rathaus Werneck
In den Rathäuser in Deutschland - wie hier in der Gemeinde Werneck - wird trotz Corona ausgebildet.
© Gudrun Mallwitz

Report

Die Kommunen als Arbeitgeber

Die Kommunen sind in der Corona-Pandemie besonders gefordert - das betrifft nicht nur die Gesundheitsämter und die Krankenhäuser. Dabei klagten im öffentlichen Dienst schon vorher 45 Prozent der Beschäftigten über Mehrarbeit. Doch es gibt gerade bei den Kommunen auch Positives zu vermelden, wie aus dem jetzt vorgelegten Personalreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervorgeht. Viele spannende Daten für die Kommunen!

Deutschlands Städte, Gemeinden und Landkreise werben intensiv um Personal. Dabei wird deutlich: In immer mehr Bereichen fehlen qualifizierte Bewerber - und die derzeitigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sehr viel zu tun. Im öffentlichen Dienst waren zum Stichtag 30.Juni 2019 insgesamt knapp 4,9 Millionen Personen tätig. Das sind rund 30 Prozent weniger als 1991. Der Druck wächst: Wie aus dem DGB-Personalreport hervorgeht, werden den nächsten zehn Jahren knapp 1,3 Millionen Beschäftigte den öffentlichen Dienst verlassen, allein bei den Kommunen scheiden 458.165 Mitarbeiter aus. KOMMUNAL fasst die wichtigsten Erkenntnisse des Reports  vor allem für die Kommunen zusammen:

Entwicklung in Kommunen: Durchschnittsalter steigt

  • Das Durchschnittsalter der im öffentlichen Dienst Beschäftigten stieg bei den Kommunen von 41,8 im Jahr 2000 auf 45,5 Jahre im Jahr 2019.
  • Auch wenn Nachwuchs weiterhin dringend gesucht wird, konnten die Kommunen in den vergangenen Jahren deutlich mehr ausbilden: 2007 wurden dort noch 190.434 Auszubildende gemeldet, 2019 waren es bereits 250.650.
  • Insgesamt verbuchen die Kommunen einen Personalaufwuchs: Zum 30. Juni 2018  betrug der Personalstand in den Kommunen 1,518.600 und ein Jahr später, also 2019 waren es 1,556.400 Beschäftigte.
  • 31,9 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst arbeiten bei den Kommunen, über die Hälfte bei den Ländern, beim Bund 10,3 Prozent und bei der Sozialversicherung sind es 7,5 Prozent.
  • Über 57 Prozent der Beschäftigen im gesamten öffentlichen Dienst sind weiblich -  2,8 Millionen Frauen. Knapp 35 Prozent der Beschäftigten sind als Beamtinnen oder Richterinnen, knapp 62 Prozent als Arbeitnehmerinnen im öffentlichen Dienst tätig.

In den Kommunen wird deutlich weniger befristet

  • Im öffentlichen Dienst sind 6,7 Prozent der Arbeitsverhältnisse laut der DGB-Erhebung befristet geschlosssen. Die Städte, Gemeinden und Landkreise bieten ihren Beschäftigten aber deutlich mehr Perspektive: Während es im Bund 12,2 Prozent sind und in den Ländern gar 27,6 Prozent, arbeiten bei den Kommunen nur 14,8 Prozent der Mitarbeitenden befristet. Bei der Sozialversicherung ist die Quote mit 4.9 Prozent am geringsten.
  • Noch eine positive Nachricht: Bei den Kommunen waren 7,3 Prozent der Mitarbeiter geringfügig beschäftigt, bei den Ländern hingegen 9,4 Prozent.

Personal Report DGB

Fazit der Studie: Die Entwicklung der vergangenen Jahre setzt sich im öffentlichen Dienst fort: So war die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr erneut gewachsen. Dieser Zuwachskonzentrierte sich aber auf vor allem drei Bereiche: Hochschulen, Polizei und kommunale Kindertagesstätten. "45 Prozent des Personalzuwachsens fand in diesen drei Aufgabenbereichen statt", so der DGB in seinem Report.

Gewerkschaft fordert mehr Personalplanung

Die öffentliche Verwaltung, Gesundheitsämter, kommunale Entsorger, Kitas, Krankenhäuser hätten dazu beigetragen, dass Deutschland bisher gut durch die Krise gekommen ist, betont die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Sie kritisiert das Leitbild des schlanken Staates und verweist auf die unzähligen Überstunden von Beschäftigten in der Corona-Krise. Ihre Forderung: „Was jetzt folgen muss, ist die Neujustierung staatlicher Aufgaben, und dabei muss insbesondere die Personalausstattung Thema sein. Die Personalausstattung bleibt eine Großbaustelle."

Die Hauptforderungen der Gewerkschaft:  Die Personalbedarfsplanung müsse verpflichtend und vorausschauend erstellt werden und  die Befristungspraxis müsse beendet werden. Wenn Ältere in den Ruhestand gehen, dürfe kein Wissen verloren gehen. Dies sei möglich, indem Stellen überlappend besetzt werden und strukturierte Übergabeverfahren praktiziert werden.

DGB Personalreport

Ein Blick auf andere europäische Länder lohnt sich: In Schweden, Dänemark und Norwegen liegt der Anteil der Beschäftigten öffentlicher Arbeitgeber an der Gesamtbeschäftigung nach Zahlen der OECD bei knapp 30 Prozent, in Deutschland hingegen bei nur 10 Prozent.

Deutschland gibt auch weniger für den öffentlichen Dienst aus:  2019 haben die vier skandinavischen Länder Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden (DK, FI, NO, SE) im Durchschnitt 13,8 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Personal im öffentlichen Dienst aufgewendet, Dänemark als einzelnes Land sogar 15 Prozent. Die Personalausgaben in Deutschland beliefen sich 2019 lediglich auf 7,9 Prozent. Sie liegen also 5,9 Prozentpunkte unter dem Niveau der vier skandinavischen Länder. Auch  Belgien, Frankreich, Niederlande und Österreich investieren deutlich mehr in ihr Personal, Mehr Infos im Report. Dort finden Sie auch weitere Grafiken.