Angriffe auf Mitarbeiter im öffentlichen Dienst werden häufiger.
Marco Urban

Öffentlicher Dienst: Jeder Zweite wurde bereits angegriffen

Mitarbeiter im öffentlichen Dienst sind besonders häufig Angriffen von Bürgern ausgesetzt. 48 Prozent der Beschäftigten haben bereits einen Übergriff erlebt. Der dbb Beamtenbund und Tarifunion fordert deshalb sofortige umfassende Maßnahmen.

Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland arbeiten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene für den Staat. Während sie täglich Aufgaben für die Allgemeinheit erledigen, müssen sie immer wieder Frust und Wut der Bürger über sich ergehen lassen - ob verbal oder körperlich. Bei einer forsa-Umfrage, beauftragt durch den dbb, gaben 48 Prozent der befragten Mitarbeiter im öffentlichen Dienst an, Opfer von Übergriffen geworden zu sein. 89 Prozent von ihnen wurden bereits beleidigt, 68 Prozent angeschrieen, 31 Prozent körperlich bedrängt und 17 Prozent geschlagen. Eine Befragung unter 2.000 Bundesbürgern unterstützt die Ergebnisse: Jeder vierte Befragte hat bereits Übergriffe auf einen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes beobachtet. Die meisten von ihnen erlebten Angriffe auf Polizisten (73 Prozent), Rettungskräfte (58 Prozent), Bus- und Bahnfahrer (42 Prozent) sowie Lehrer (36 Prozent).

Öffentlicher Dienst braucht Ombudsleute

"Es ist höchste Zeit zu Handeln", sagt Ulrich Silberbach, Vorsitzender des dbb. "Wenn wir die Brutalisierung unserer Gesellschaft stoppen und die Kollegen im Öffentlichen Dienst schützen wollen, brauchen wir drigend ein umfassendes Investitionsprogramm Sicherheit im Öffentlichen Dienst." Silberbach fordert unter anderem flächendeckend Ombudsleute, an die sich Betroffene wenden können, zu installieren. Auch solle ein bundesweites Register für Übergriffe auf Beschäftigte im Öffentlichen Dienst erstellt werden. 2017 hatte die Bundesregierung eine Gesetzesänderung vorgenommen, die es ermöglicht Angriffe auf Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute stärker zu bestrafen. Bis zu fünf Jahren Haft drohen für die Tat. Silberbach fordert nun, diese Regelung solle für alle Berufsgruppen im Öffentlichen Dienst gelten. Auch die Mitarbeiter der Jobcenter etwa seien häufig Übergriffen ausgesetzt.

Angriffe dürfen nicht bagatellisiert werden

In der Gesellschaft müsse ein Umdenken stattfinden, sagt Silberbach: "Beschäftigte, Politik und Bevölkerung müssen jetzt aktiv werden. Wir brauchen flächendeckend Ombudsleute, an die sich die betroffenen Kolleginnen und Kollegen wenden können, wenn Vorgesetzte Angriffe bagatellisieren oder unter den Teppich kehren wollen. Beschäftigte, die zu Opfern werden, müssen falsche Scham überwinden und jeden Vorfall transparent machen, und wir brauchen die Unterstützung der Bevölkerung. Das ist unser aller Gesellschaft, unser aller öffentlicher Dienst. Egal ob auf der Straße, in Schule, Krankenhaus oder auf dem Amt: Jeder, der Zeuge von Übergriffen wird, soll eingreifen, laut werden und Hilfe holen."

Bürger verlieren das Vertrauen

Die Befragung ergab jedoch auch, dass eine Mehrheit der Bürger das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates verliert. Sechs von zehn Befragten halten den Staat in zentralen Fragen für überfordert. Ein Drittel empfinden den Staat als schwächer als in den Vorjahren. Gleichzeitig glauben 83 Prozent eine Verrohung der Gesellschaft zu beobachten. Auch diese Zahlen zeigen, dass der öffentliche Dienst mehr Finanzmittel braucht, so Silberbach. Es müsse mehr Personal her, um die "Performance" des Staates zu erhöhen und die Zufriedenheit der Bürger zurückzugewinnen.

Bestnoten für Müllabfuhr, schlechte für Arbeitsämter

Die Umfrage zu Übergriffen auf Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst war eine Sonderbefragung im Rahmen der jährlichen Bürgerbefragung zur Zufriedenheit mit dem Öffentlichen Dienst. Auch in diesem Jahr sollten die Bürger wieder Noten für die verschiedenen Behörden vergeben. Das Ergebnis unterscheidet sich nur marginal von dem des Vorjahres. Straßenreinigung und Müllabfuhr (1,8) liegen ganz vorne, vor Kindergärten (2,2), Museen (2,2), Bibliotheken (2,2) und Polizei (2,3). Schlusslichter sind Landesministerien (3,2), Bundesministerien (3,3) und Arbeitsämter (3,4).

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