Videosprechstunde bei der Ärztin
Die Videosprechstunde bei der Ärztin - nur eine von zahlreichen Möglichkeiten.
© adobeStock

Tipps

Technologien für eine altersgerechte Stadt

Was können Kommunen tun, damit Menschen durch digitale Technologien und Künstliche Intelligenz im Alter unterstützt werden? Darüber gibt eine sehr spannende Broschüre des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung Aufschluss. Darin geht es nicht nur um "Smart-Home-Systeme", sondern auch um technische Hilfsmittel in allen Lebensbereichen.

Es hört sich an wie in einem Science Fiction, ist aber schon Realität: Sensoren erfassen, wie sich der Bewohner in der Wohnung bewegt, wann er aus dem Bett aufsteht, wann Wohnungstüren geöffnet werden. Steht er morgens nicht auf, reagiert er nicht, wenn es klingelt oder läuft die Badewanne über, werden Angehörige, Pflegekräfte oder der Sicherheitsdienst im Quartier benachrichtigt. Eine Lichtsensorik sorgt dafür, dass sich ein Willkommenslicht einschaltet, wenn die Wohnung betreten wird. Steht der Bewohner in der Nacht auf, findet er den Weg ins Bad durch blendfreies Licht. Und selbst wenn es Zeit ist zum Lüften, zeigt dies das System an. Intelligente Heizungsthermostate sorgen für eine optimale Raumtemperatur.

Altersgerechte Stadt: Technologiegestütztes Wohnkonzept

Die Berliner Wohnungsgesellschaft Gesobau hat gemeinsam mit der AOK Nordost im Projekt Pflege@Quartier dieses technologiegestütztes Wohnkonzept entwickelt. Damit sollen pflegebedürftige Menschen weiterhin zu Hause leben können. Im Stadtteil Märkisches Viertel wurden neben einer Musterwohnung bereits 30 weitere Wohnungen mit altersgerechtem Assistenzssystem ausgestattet. Sie sind mit dem Pflegestützpunkt verbunden. Das Projekt "Pflege @Quartier - meine Wohnung passt auf mich auf" ist ein Beispiel dafür, wie intelligente Systeme Menschen dabei helfen können, auch im Alter noch zuhause wohnen bleiben zu können.

Das Beispiel ist nur eines, das in einer Broschüre mit dem Titel "Smart Ageing- Technologien für die altersgerechte Stadt" aufgeführt wird, die für Kommunen sehr spannend sein dürfte. Sie beleuchtet, wie Digitalisierung und technologischer Fortschritt dazu beitragen können, dass Kommunen altersfreundlicher und lebenswerter werden. Die Publikation erläutert, was  sich hinter dem Schlagwort: Smart Ageing verbirgt.  Wörtlich übersetzt das "intelligentes Altern". Heute ist schon viel mehr möglich, als sich die meisten vermutlich vorstellen.

Wie Kommunen die Lebensqualität verbessern

Kommunen sollten den demografischen Wandel mit den Chancen der Digitalisierung zusammenzudenken - dafür plädiert Catherina Hinz, die Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerungsentwicklung.  "Wollen Kommunen älteren Menschen weiterhin ermöglichen, mobil und sicher unterwegs zu sein und länger selbständig zuhause zu leben, müssen sie auch auf die Bedürfnisse der Älteren reagieren. Intelligente Geräte, Assistenz-Systeme, Sensoren oder Apps, aber auch künstliche Intelligenz oder die Vernetzung smarter Lösungen tragen dazu bei, dass Kommunen altersfreundlicher werden -und damit zukunftsfähiger", sagt Hinz. "Es ist im kommunalen Interesse, die Lebensqualität der Älteren und ihren möglichst langen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu unterstützen" betont auch Karin Haist, Programmleiterin Demografische Zukunftschancen der Körber-Stiftung. Institut und Stiftung haben die Broschüre gemeinsam herausgebracht.

Ob gutes Altern gelingt, entscheidet sich auf der kommunalen Ebene."

Catharina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung

Die Publikation, die online herunterzuladen ist, beleuchtet Möglichkeiten der vernetzten Pflege, aber auch digitale Angebote in kommunalen Büchereien und informiert über technische Möglichkeiten, die für Altenheime interessant sind: Zum Beispiel könnten Ältere über Virtual-Reality-Brillen ferne Orte besuchen. "Für Personen mit Demenzerkrankungen kann eine virtuelle Reise helfen, sich zu erinnern und sich geboren zu fühlen", schreiben die Experten. Ein weiteres Beispiel: Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und ein Mannheimer Unternehmen testen eine App, die Nutzern die Orientierung in öffentlichen Gebäuden erleichtert: Per Ansage weist sie den Weg durch das Gebäude.

An technischen Möglichkeiten im Straßenverkehr gibt es zum Beispiel Navigationssysteme für Fußgänger, bei denen die nächste Sitzgelegenheit, der Supermarkt oder die Behörden in der Nähe angezeigt werden. Kommunen könnten sich selbst für passende Systeme entscheiden und ihre Bürger darüber informieren, so die Verfasser der Broschüre. Der Einsatz altersgerechter Assistenzsysteme ist allerdings insofern umstritten, da viele eine Entmenschlichung der Pflege befürchten, weniger Selbstbestimmung und Überwachung. Auch darauf geht die Broschüre ein.

Die Tipps der Experten zusammengefasst:

Eigene smarte Struktur

Eine altersfreundliche Struktur ist auf allen kommunalen Feldern umsetzbar: Von Verkehr, Mobilität über Sicherheit, Wohnen, Pflege, Gesundheitsangeboten und Bildung hin zur Zugänglichkeit öffentlicher Einrichtungen. Es geht dabei um Barrierefreiheit, aber auch darum, den die Handhabung des digitalen Service leicht zu gestalten. Kommunen sollten auch intern eine digitale Transformation einleiten, in den eigenen Arbeitsprozessen wie bei Onlinediensten für die Bürger. Zur kommunalen Daseinsvorsorge gehört auch WLAN in Altenheimen. Wichtig natürlich: Eine smarte Infrastruktur braucht schnelles Internet.  Kommunen sollten daher alles tun, um den Breitbandausbau voranzutreiben.

Zugänge in digitale Welt schaffen

Kommunen sollten das digitale Verständnis fördern, durch Fort- und Weiterbildung - in der eigenen Verwaltung und beim Personal städtischer Alterseinrichtungen. Dazu gehören auch spezifische Lernangebote für Ältere. Die Bildungsangebote könnten Kommunen in ihren Einrichtungen selbst oder durch lokale Bildungsträger anbieten. Sie sollten Zugänge zu digitalen Lösungen schaffen und öffentliche Beratungsstellen für die Nutzung von digitalen  und smarte Technologien einrichten. Produkte könnten ausgestellt und verliehen werden. Das baut Hemmschwellen ab.

Zusammenarbeit und Wissensaustausch

Die Verantwortlichen für die digitale Entwicklung sollten immer die Zielgruppe der Älteren in Innovationsprozesse einbeziehen. Auch im direkten Umfeld - etwa bei Angehörigen, Pflegepersonal und Wohnungsunternehmen - erfahren Kommunen, was Ältere brauchen und können die Erkenntnisse bei der Konzeption anwendungsorientierter digitaler Angebote nutzen. Potenzielle Entwicklungspartner sind Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Technologieunternehmen, die lokale Wirtschaft oder Start-Ups. Auch der Austausch mit anderen Städten zu altersfreundlichen Technologien und ihre Nutzung bringt Kommunen voran, raten die Experten.

Smart Ageing strategisch einbinden

Spätestens nach erfolgreichen ersten Modellprojekten ist es sinnvoll, sie in die kommunalen Stadtentwicklungs-, Sozial- oder Bebauungspläne aufzunehmen. Das kann auch bei einer Bewerbung um Fördermittl helfen.

Ethische Grundsätzen verpflichtet

Kommunen sollten prüfen, ob die digitale Anwendung das Selbstbestimmungsrecht oder die Privatsphäre älterer Menschen verletzt und darauf achten, dass der Datenschutz gewährleistet ist.

Hier finden Sie die Broschüre: